Integration statt Isolation

" Dass der hessische Ministerpräsident im Wahlkampf am rechten Rand fischen will, ist eine Sache", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW, zur aktuellen Debatte. "Eine andere ist, dass die auch in NRW populistisch geführte Debatte davon ablenkt, dass in den vergangenen Jahren die Mittel im Jugendhilfebereich rigide gekürzt worden sind. In der Konsequenz mussten Horte und andere wichtige Betreuungs - und Erziehungseinrichtungen als Anlaufstelle für Kinder bis zum 15. Lebensjahr geschlossen werden. Soziale Probleme können so nicht an der Wurzel angepackt und mögliche Gefährdungen nicht frühzeitig erkannt und bearbeitet werden".

08.01.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Erziehung findet maßgeblich in der Familie und in familienähnlichen Lebensmodellen statt. Folglich entwickeln sich dort auch in erster Linie soziale Auffälligkeiten.

"Deshalb ist eine nachhaltige Untertützug des privaten Umfelds von Kindern ein wesentlicher Aspekt von Prävention. Hier könnte die Politik durch massive Investitionen beweisen, dass es ihr um Prävention und nicht um kurzfristige Effekthascherei geht", so Beckmann weiter.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat sich nach diversen verwirrenden Informationen nicht nur für die Einrichtung von Erziehungscamps ausgesprochen, sondern sogar schon ein solches geplant. Der VBE warnt die Landesregierung angesichts der Tatsache, dass alle Evaluationen zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Erziehungscamps in Amerika nicht bewährt haben, vor voreiligen Festlegungen.

Beckmann wörtlich: "Der VBE fordert die Landeregierung auf, ein Gesamtkonzept vor zu legen, in dessen Mittelpunkt die Integration und nicht die Sanktion steht, anstatt so zu tun, als sei die Einrichtung von Erziehungscamps die Lösung des Problems. Unabhängig davon erwartet der VBE, dass sich die Landesregierung, wenn sie neue Formen von Erziehungseinrichtungen diskutiert, sowohl inhaltlich als auch begrifflich deutlich von den amerikanischen Erziehungscamps abgrenzt, damit keine falschen Assoziationen möglich sind. Dass neue Einrichtungen keinesfalls ohne wissenschaftliche Begleitung erfolgen dürfen, sollte selbstverständlich sein."

Ein wesentlicher Aspekt der Prävention ist aus Sicht des VBE vor allem die Bildungsintegration von Kindern mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Schichten. Das macht auch der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, immer wieder deutlich. Die bisherigen PISA- und IGLU-Studien zeigen, dass wir hiervon in NRW noch weit entfernt sind.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung verhindert durch ihre Schulpolitik die notwendige Bildungsintegration. Sie hält starr am gegliederten Schulsystem fest und verweigert jede Diskussion über moderne, integrierende Strukturen. Wer die Zusammensetzung der Schülerschaft an den Hauptschulen insbesondere in den nördlichen Stadtteilen der Ruhrgebietsstädte sieht, der erkennt schnell, dass der Bildungsintegration und damit auch der sozialen Integration dieser Kinder selbst bei guter personeller Ausstattung und großem pädagogischen Engagement der Lehrerschaft hier enge Grenzen gesetzt sind.

"Kindergärten und Schulen werden aber nur dann ihren Beitrag zur Integration leisten können, wenn Kinder mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund gemeinsam spielen, gemeinsam lernen und die gleichen Bildungschancen haben", so Beckmann abschließend. "Bildungserfolg und Integration sind zwei Seiten einer Medaille."


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