Jeder Dritte unter 18-jährige Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund

Das Statistische Landesamt hat heute der Presse eine neue Erwerbspersonen- und Qualifikationsvoraussrechnung vorgestellt (siehe Pressemitteilungen Nr. 121/2007, 122/2007, 123/2007). Die Vorausrechnung zeigt – vor dem Hintergrund der demographischen Alterung - mögliche Entwicklungen hinsichtlich der zukünftigen Zahl, der Altersstruktur und des beruflichen Qualifikationsniveau der Erwerbspersonen in Baden-Württemberg auf. Bei konstanter Erwerbsbeteiligung ist mit rückläufigen Erwerbspersonenzahlen und damit zum Teil auch mit einem schrumpfenden Fachkräfteangebot zu rechnen. Eine höhere Erwerbsbeteiligung könnte dagegen für ein steigendes Angebot an Erwerbspersonen und an Fachkräften sorgen.

16.04.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Unter den Erwerbspersonen werden in Zukunft relativ wenige junge Menschen sein. Um genügend Fachkräfte zur Verfügung stellen zu können, muss der nachwachsenden jungen Generation die bestmögliche schulische und berufliche Ausbildung ermöglicht werden. Der Qualifikationsvorausrechung des Statistischen Landesamts liegt die Annahme zugrunde, dass auch zukünftige Generationen das Bildungsniveau der heute jungen Menschen erreichen. Dies bedarf jedoch noch größerer Anstrengungen: "Unsere statistischen Daten über die Qualifikation junger Menschen zeigen", betonte die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Gisela Meister-Scheufelen, "dass insbesondere das Potential von Migranten bislang nur unzureichend genutzt wird. Vor dem Hintergrund, dass heute jeder dritte Jugendliche unter 18 Jahren in Baden-Baden-Württemberg einen Migrationshintergrund aufweist, nimmt eine angemessene Förderung dieser Bevölkerungsgruppe und eine gute schulische und berufliche Ausbildung aller jungen Menschen einen hohen Stellenwert ein."

Rund 2,7 Mill. Baden-Württemberger haben einen Migrationshintergrund

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus verfügten im Jahr 2005 in Baden-Württemberg knapp 2,7 Mill. Personen über einen Migrationshintergrund. Das heißt, jeder Vierte der rund 10,7 Mill. Baden-Württemberger gehört zu dieser Bevölkerungsgruppe, zu der - neben den zugewanderten und in Deutschland geborenen Ausländern - auch bestimmte Teile der Bevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit, nämlich Spätaussiedler, eingebürgerte Personen sowie die in Deutschland geborenen Kinder von Spätaussiedlern und die Kinder der Eingebürgerten zählen (siehe auch Info-Box im Anhang). Mit 25 Prozent liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg erkennbar über dem Bundesdurchschnitt: Deutschlandweit beläuft sich der Migrantenanteil auf knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Bevölkerung. Im Vergleich der Bundesländer verfügt Baden-Württemberg unter den Flächenländern über den höchsten Migrantenanteil.

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liegt in den jüngeren Altersgruppen erkennbar höher als in den mittleren oder älteren Altersjahrgängen der Bevölkerung: So verfügt bei den unter 18-Jährigen Baden-Württembergern sogar jeder Dritte über einen Migrationshintergrund (knapp 34 Prozent bzw. rund 662 000 Personen). In der Bevölkerungsgruppe der 18- bis unter 60-Jährigen liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 27 Prozent (knapp 1,7 Mill. Personen). Bei den 60-Jährigen und Älteren beläuft sich dieser Anteil dagegen nur noch auf gut 14 Prozent (rund 365 000 Personen). Schulisches Bildungsniveau der Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund niedriger

Die jungen Migranten in Baden-Württemberg haben zwar – ebenso wie die jungen Baden-Württemberger ohne Migrationshintergrund – einen deutlich besseren Bildungsstand als die älteren. So hat von den 60-jährigen und älteren Menschen mit Migrationshintergrund noch rund jeder Fünfte keinen Schulabschluss, während dies bei den 20- bis unter 30-Jährigen dieser Bevölkerungsgruppe nur noch bei jedem 20. der Fall ist. Das Bildungsniveau der jungen Migranten bleibt jedoch dennoch weit hinter dem ihrer deutschen Altersgenossen ohne Migrationshintergrund zurück. Besonders eklatant sind die Unterschiede, wenn es um die Gruppe derer geht, die über keinen Schulabschluss verfügen. Dies trifft nur noch auf rund 1 Prozent der jungen Menschen ohne Migrationshintergrund zu, ist jedoch – wie oben erwähnt – noch bei annähernd 5 Prozent der gleichaltrigen Migranten der Fall.

Auch junge Migranten der 2. und 3. Generation in Sachen Schulbildung im Rückstand

Die Gruppe der jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg ist sehr unterschiedlich zusammengesetzt: Hierzu zählen Personen, die in ihren Heimatländern zur Schule gegangen sind und möglicherweise erst als Jugendliche oder junge Erwachsene ins Land gekommen sind, und zum anderen auch junge Menschen, die hier zu Lande die Bildungseinrichtungen besucht haben.

Die Migranten der 2. und 3. Generation haben in Baden-Württemberg bzw. Deutschland ihre schulische und berufliche Ausbildung absolviert. Dennoch zeigt sich, dass auch deren schulisches Bildungsniveau hinter dem ihrer Altersgenossen ohne Migrationshintergrund bleibt. Bei den höheren allgemeinen Schulabschlüssen bleiben sie deutlich hinter ihren Altersgenossen ohne Migrationshintergrund zurück. So verfügen von den Migranten der 2. und 3. Generation im Alter von 20 bis unter 30 Jahren nur gut 29 Prozent über das Abitur (Deutsche ohne Migrationshintergrund: 44 Prozent) und rund 28 Prozent über einen Realschulabschluss (Deutsche ohne Migrationshintergrund: 35 Prozent). Berufliches Bildungsniveau der Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund unterdurchschnittlich

Da die jungen Migranten in Baden-Württemberg im Durchschnitt ein geringeres Niveau bei den formalen allgemeinen Schulabschlüssen aufweisen, bleibt zwangsläufig auch das Niveau der beruflichen Bildung junger Menschen mit Migrationshintergrund beträchtlich hinter dem ihrer deutschen Altersgenossen ohne Migrationshintergrund zurück. Wie die Ergebnisse des Mikrozensus zeigen, hat im Jahr 2005 ein sehr hoher Anteil der 30- bis unter 35-jährigen Migranten, nämlich beachtliche 36 Prozent (knapp 81 000), keinen beruflichen Ausbildungsabschluss. Bei den gleichaltrigen Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund traf dies auf lediglich 8 Prozent (rund 35 000) zu.

Auch bei allen Ausbildungsabschlüssen sind die 30- bis unter 35-Jährigen mit Migrationshintergrund gegenüber den Personen ohne Migrationshintergrund unterrepräsentiert, d.h. die jungen Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund haben seltener als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund eine Lehre oder eine Hochschule absolviert bzw. einen Abschluss als Meister oder Techniker. Jeder vierte junge Migrant der 2. und 3. Generation ohne Berufsausbildung

Beim Vergleich der beruflichen Qualifikation der Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund gilt natürlich wie auch beim Vergleich der allgemeinen Schulabschlüsse, dass die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund sehr heterogen zusammengesetzt ist, so dass die Ursache für die sich zeigenden Unterschiede des Bildungsniveaus nicht ausschließlich im deutschen Bildungssystem zu suchen sind.

Allerdings verdeutlicht der Vergleich der beruflichen Bildungsabschlüsse der jungen Migranten der 2. und 3. Generation, die ihre schulische und berufliche Ausbildung in Deutschland absolviert haben, mit denen der jungen Menschen ohne Migrationshintergrund, dass auch im Bereich der beruflichen Bildung, trotz formal gleicher Bildungsvoraussetzungen, die Integration der jungen Migranten nur teilweise gelingt. So verfügen von den 30- bis unter 35-jährigen Migranten der 2. und 3. Generation mit knapp 24 Prozent dreimal so viele über keinen beruflichen Ausbildungsabschluss wie die gleichaltrigen Personen ohne Migrationshintergrund (8 Prozent). Über einen Fachhochschul-/Hochschulabschluss verfügen nur rund 10 Prozent der jungen Migranten der 2. und 3. Generation gegenüber knapp 22 Prozent der jungen Menschen ohne Migrationshintergrund.

Die aufgeführten Daten machen deutlich, dass es dem deutschen Bildungswesen bislang nur teilweise gelingt, junge Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren. Ursachen für die schlechtere schulische und berufliche Qualifikation dürften häufig auch Sprachprobleme der Menschen mit Migrationshintergrund sein und auch die Tatsache, dass der Zugang junger Menschen in Deutschland zu Bildung in hohem Maße vom Bildungsniveau der Eltern abhängt. Eine schlechtere berufliche Qualifikation stellt jedoch nicht zuletzt eine Erschwernis für die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft dar. Das Potential der hier lebenden Migranten sollte daher hinsichtlich Ausbildung und Beruf weitaus stärker als bisher gefördert werden. Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung und dem drohenden Fachkräftemangel kommt der besseren Förderung der jungen Migranten eine besondere Bedeutung zu.

Wer zählt zu den Personen mit Migrationshintergrund?

(Quelle: Destatis, "Leben in Deutschland - Ergebnisse des Mikrozensus 2005", S.73ff.)

Zu den Personen mit Migrationshintergrund gehören, gegliedert nach Staatsangehörigkeit und Geburtsland folgende Bevölkerungsgruppen:

  • Ausländer
    • Zugewanderte Ausländer
      • Ausländer der 1. Generation
    • In Deutschland geborene Ausländer
      • Ausländer der 2. und 3. Generation
  • Deutsche mit Migrationshintergrund
    • Zugewanderte Deutsche mit Migrationshintergrund
      • Zugewanderte Deutsche ohne Einbürgerung (Spätaussiedler)
      • Eingebürgerte mit eigener Migrationserfahrung
    • Nicht zugewanderte Deutsche mit Migrationshintergrund
      • Eingebürgerte nicht zugewanderte Ausländer
      • Kinder zugewanderter Spätaussiedler
      • Kinder zugewanderter oder in Deutschland geborener eingebürgerter ausländischer Eltern
      • Kinder ausländischer Eltern, die bei Geburt zusätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben (ius soli)
      • Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund, bei denen nur ein Elternteil Migrant oder in Deutschland geborener Eingebürgerter oder Ausländer ist

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