Jungen und Mädchen individuell fördern
Welche Chancen kann eine geschlechtergerechte Schule eröffnen? Wie können Jungen und Mädchen geschlechtersensibel individuell gefördert werden? Wie lässt sich das Leseinteresse der Jungen und die Technikbegeisterung der Mädchen wecken? Spannende Fragen, die am 13. Oktober auf dem dritten forum schule-Fachkongress im Kölner Gürzenich diskutiert wurden.
13.10.2007 Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der BildungswirtschaftUnter dem Motto "Neue Perspektiven für Jungen und Mädchen. Individuelle Förderung und Geschlechtergerechtigkeit" waren über 600 Lehrerinnen, Lehrer und Multiplikatoren aus dem Bildungsbereich zusammengekommen, um sich über den gegenwärtigen internationalen Forschungsstand hinsichtlich der innerschulischen Geschlechterproblematik zu informieren und neue Impulse für die schulische Praxis zu erhalten. "Unterschiede wird es immer geben. Sie dürfen nur nicht zu Benachteiligungen führen", stellte Schulministerin Barbara Sommer in ihrem Grußwort klar. "Deshalb wird dieser Kongress unseren nordrhein-westfälischen Lehrerinnen und Lehrern Anregungen geben, wie sie die geschlechterspezifischen Stärken und Schwächen von Jungen und Mädchen mit innovativen Unterrichtskonzepten individuell fördern bzw. kompensieren können", so Sommer. Im Rahmen der Veranstaltung verlieh die Schulministerin 61 nordrhein-westfälischen Schulen das "Gütesiegel Individuelle Förderung", mit dem gelingende Praxis-Beispiele gewürdigt werden. Damit haben seit Februar 2007 insgesamt 91 Schulen diese Auszeichnung erhalten.
Faire Chancen für die Entwicklung von Jungen und Mädchen
Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbands e.V., der gemeinsam mit der Stiftung Partner für Schule NRW und dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Schule und Weiterbildung den Kongress ausrichtete, unterstrich die Bedeutung innerschulischer Geschlechtergerechtigkeit: "Es gibt keinen Bereich der kindlichen Entwicklung, der mit einer solchen Intensität sozial mitkonstruiert wird wie die Geschlechterrollenidentität. Um hier im Schulalltag nachhaltig gegenzusteuern, müssen Lehrkräfte dazu befähigt werden, Jungen wie Mädchen faire Chancen für ihre Entwicklung zu bieten. Dazu wollen wir auf diesem Kongress einen Beitrag leisten."
Erkenntnisse zur Mediennutzung und zur "Krise der Jungen"
Prof. Dr. Stefan Aufenanger von der Universität Mainz und Prof. Dr. Renate Luca von der Universität Hamburg beleuchteten die Mediennutzung von Jungen und Mädchen unter dem Gesichtspunkt einer "geschlechtersensiblen Medienkompetenzförderung". Die Ergebnisse der gleichnamigen Studie, die im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erstellt wurde, wurden soeben in der LfM-Schriftenreihe Medienforschung veröffentlicht und im Rahmen des Kongresses erstmals präsentiert. Die Studie zeigt u.a. auf, dass in diesem Bereich eine geschlechterhomogene medienpädagogische Praxis - vorrangig an Mädchen gerichtet - mit dem Fokus auf Technikförderung überwiegt. Solchen Projekten liegt zum Teil jedoch die Vorstellung von klassischen Geschlechterdifferenzen zugrunde, die eine geschlechtersensible Medienbildung eher verhindert als fördert.
Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, referierte in seinem viel beachteten Vortrag über die "Krise der Jungen" und zeigte Perspektiven auf, wie diese überwunden werden könnte. In vier hochkarätig besetzten Fachforen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitere Aspekte der geschlechtergerechten individuellen Förderung vertiefen.
Roland Berger, Vorstand der Stiftung Partner für Schule NRW, die den dritten forum schule-Kongress ausrichtete, zeigte sich mit dem Veranstaltungsverlauf hochzufrieden: "Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben verdeutlicht: Geschlechtergerechtigkeit in der Schule ist für die Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen ein wichtiges Thema. Ich bin mir sicher, dass die hochkarätigen Referenten und die praxisorientierten Workshops heute dazu beigetragen haben, dass eine geschlechtersensible Schul- und Unterrichtsentwicklung weiter in die Breite getragen wird."
Informationen zur Studie: Renate Luca und Stefan Aufenanger:
Geschlechtersensible Medienkompetenzförderung. Mediennutzung und Medienkompetenz von Mädchen und Jungen sowie medienpädagogische Handlungsmöglichkeiten. Berlin: Vistas 2007. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Band 58, weitere Informationen unter: www.lfm-nrw.de/presse/?id=555
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