Kulturstaatsminister Bernd Neumann verleiht Deutschen Kurzfilmpreis 2008

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat am (heutigen) Montag im Tanzbrunnen Köln den Deutschen Kurzfilmpreis 2008 vergeben.

17.11.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Der bedeutendste und am höchsten dotierte Preis in Deutschland für den Kurzfilm ist in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln und der internationalen filmschule köln verliehen worden.

Staatsminister Bernd Neumann betonte in seiner Rede: "Kurzfilmförderung liegt mir besonders am Herzen, denn sie ist immer auch Nachwuchsförderung. Auch bei der Novelle des Filmförderungsgesetzes, die vor wenigen Tagen vom Bundestag beschlossen worden ist, haben wir den Kurzfilm ganz besonders berücksichtigt. Das neue Referenzfördermodell für Kurzfilme legt einen deutlichen Schwerpunkt auf die Qualität der Filme. In Zukunft wird sich die Unterstützung für Kurzfilme nicht nur effizienter gestalten, sondern es werden auch höhere Summen ausgeschüttet. Um Kurzfilme verstärkt in die Kinos zu bringen, haben wir in enger Abstimmung mit der Branche zwei neue Fördermodelle entwickelt. So können künftig Verleiher Mittel speziell für die Vermarktung von Kurzfilmen beantragen. Und die Kinos werden mit bis zu 1.500 Euro unterstützt, wenn sie in ihrem Programm regelmäßig Kurzfilme als Vorfilm zeigen. Ich hoffe, dass der deutsche Kurzfilm, der seit Jahren gerade im Ausland wegen seiner Kreativität und Experimentierfreude geschätzt wird, den Weg in viele Kinos hierzulande findet."

Mit dem Kurzfilmpreis in Gold für Spielfilme mit einer Laufzeit bis sieben Minuten wurde der Film "Das Mädchen mit den gelben Strümpfen", Hersteller: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin in Koproduktion mit ARTE, Regie: Grzegorz Muskala, ausgezeichnet.

Den Kurzfilmpreis in Gold für Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten erhielt der Film "Der Verdacht". Hersteller: internationale filmschule köln in Koproduktion mit SWR/ARTE, Regie: Felix Hassenfratz.

Der Kurzfilmpreis in Gold für Dokumentarfilme ging an den Film "Cosmic Station", hergestellt von Pelle Film München in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und der Hochschule für Fernsehen und Film München, Regie: Bettina Timm.

Den Kurzfilmpreis in Gold für Animations-/Experimentalfilme gewann der Film "Anhalter", Hersteller: Phaenomenfilm Berlin in Koproduktion mit der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, Potsdam, Regie: Daniel Höpfner.

Die Begründungen der Jury sind als Anlage beigefügt.

Für den Deutschen Kurzfilmpreis 2008 wurden insgesamt zehn Filme nominiert. Mit der Nominierung ist eine Prämie von 15.000 Euro verbunden, für den Filmpreis in Gold erhält der Hersteller eine Prämie von 30.000 Euro. Die Nominierungsprämie wird auf den Filmpreis in Gold angerechnet. Die Prämie ist zweckgebunden für die Herstellung eines neuen Kurzfilms oder Films mit künstlerischem Rang oder seiner Projektvorbereitung.

Nominiert waren zusätzlich die Kurzfilme:

  • "Auf der Strecke" (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Kunsthochschule für Medien Köln in Kooperation mit Blush Films Zürich und SF TV (Schweiz), Regie: Reto Caffi.

  • "Mickey & Maria" (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Schmidtz Katze Filmkollektiv GmbH, Berlin, Regie: Steffen Reuter.

  • "Robin" (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: internationale filmschule köln, Regie: Hanno Olderdissen.

  • "Was bleibt" (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, Regie: David Nawrath.

  • "Trotzdem Danke" (Dokumentarfilm), Hersteller und Regisseure: Mischa Leinkauf, Berlin/Köln und Matthias Wermke, Berlin.

  • "Styx - ein Animationsfilm über die Unterwelt" (Animations/Experimentalfilm), Hersteller und Regisseur: Aike Arndt.

Mit dem Sonderpreis für Filme mit einer Laufzeit von mehr als 30 bis 78 Minuten wurde der Dokumentarfilm "Roaming around", Hersteller: Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg (Regie: Brigitte Maria Bertele) ausgezeichnet. Dieser Preis ist mit einer Prämie von 20.000 Euro verbunden.

Durch die Preisverleihung führte der Moderator und Schauspieler Dieter Moor.

Der Deutsche Kurzfilmpreis wurde wie in den Vorjahren in einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Short Tiger der Filmförderungsanstalt verliehen.

Informationen zum Deutschen Kurzfilmpreis 2008 finden Sie unter www.deutscherkurzfilmpreis.de.

Als "Deutscher Kurzfilmpreis unterwegs 2008" gehen alle ausgezeichneten Filme im kommenden Jahr wieder auf eine bundesweite Tournee (www.kurzfilmpreisunterwegs.org).

Begründungen der Jury Deutscher Kurzfilmpreis

"Das Mädchen mit den gelben Strümpfen"

Kurzfilme, die es verstehen, in wenigen Minuten ein Lebensgefühl zu erzählen, sind selten. "Das Mädchen mit den gelben Strümpfen" gehört dazu. Regisseur Grzegorz Muskala und seine beiden Hauptdarsteller Rosalie Thomass und Thomas Fränzel lassen uns miterleben, wie schwierig es in einem Zeitalter der Unverbindlichkeit ist, Liebe und Partnerschaft zu leben. Den Filmemachern gelingt dies mit großer Leichtigkeit. Eine einzige Szene genügt, um die Hin- und Hergerissenheit zwischen Einsamkeit und Zweisamkeit in einer Partnerbeziehung zu zeigen. "Das Mädchen mit den gelben Strümpfen" besticht dabei durch seine Auslassungen, den reduzierten Dialog, die gekonnte Kameraführung, vor allem aber durch den Rhythmus der Erzählung.

"Der Verdacht"

"Der Verdacht" entwirft mit großem Gespür für die Feinheiten des filmischen Erzählens ein geschlossenes Ganzes. Der Film ist inhaltlich wie formal von beeindruckender Qualität. Die komplexen Kompositionen von Bild, Ton, Spiel und Narration sind vor allem in ihrem (optimal abgestimmten) Zusammenspiel bestechend! Leise und mit leichter Hand wird hier von den Qualen erzählt, die es einem bereiten kann, zu zweifeln beziehungsweise zu glauben.

Das Spiel von Anne Weinknecht und die handwerkliche Präzision der Filmemacher machen "Der Verdacht" zu einem vollkommenen Kinoerlebnis. Die universellen Themen Glaube, Vertrauen und Identität werden anhand eines sehr subjektiv und emotional entwickelten Plots variiert, ohne zu moralisieren. Vielmehr werden mit filmsprachlichen Mitteln innerhalb eines dörflichen Mikrokosmos Fragen von grundlegender Bedeutung aufgeworfen, die noch lange nachklingen.

Es ist überaus bemerkenswert, dass ein Kurzfilm alle Merkmale 'großen Kinos' mitbringt.

"Cosmic Station"

Der Dokumentarfilm 'Cosmic Station' erkundet einen Ort, den die Zeit vergessen zu haben scheint: Auf dem Berg Aragaz in Armenien steht eine riesige, halb verfallene Forschungsstation in 3500 Meter Höhe - ein Großprojekt der untergegangenen Sowjetunion. Die verbliebenen drei Wissenschaftler untersuchen mit Hilfe von vorsintflutlich anmutender Technik die Geheimnisse kosmischer Strahlung - unterstützt von einem Techniker, verpflegt von zwei Frauen.

Die Regisseurin Bettina Timm beschreibt diesen Ort und seine Bewohner in wunderschönen, sehr genau komponierten ruhigen Bildern. Es gibt keine Zwischenschnitte in diesem Film. Die Regisseurin sucht und findet für jede Situation die entsprechende Einstellung, die die Stimmung ihrer Protagonisten und die Unwirklichkeit des Ortes widerspiegelt. Die klare Montage der meist halbtotalen oder totalen Einstellungen sowie die Tonebene, die durch einen differenzierten Einsatz der Originaltöne geprägt ist, führen uns in eine absurd anmutende Welt. Umgeben von einer grandiosen Naturkulisse und einer ruinösen hochtechnologischen Anlage agieren die letzten Bewohner dieser Insel hilflos und gelassen: Der Forschungsdrang, der diesen Ort entstehen ließ, endet in Melancholie und die Vorstellung, dass das Wesentliche dieser Welt wissenschaftlich erklärbar ist, verschwindet in der Größe der Landschaft.

"Anhalter"

Der Film "Anhalter" von Daniel Höpfner hat das Potential der Puppenanimation voll ausgeschöpft. In herausragender Weise hat der Regisseur Materialität und Stofflichkeit herausgearbeitet, um die Topographie eines Ortes zu beschreiben. Diese Stofflichkeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ruinenarchitektur des Anhalterbahnhofes, sondern auch auf den Protagonisten. Figur und Gegenstände werden gleichwertig behandelt, um persönliche und kollektive Geschichte miteinander zu verweben. Dabei ist die Erzählung assoziativ und fragmentiert. Diese Mehrdimensionalität schlägt sich auch auf der Ton- und Textebene nieder. Während die Schrifttafeln eine individuelle Hommage an die Eisenbahnfahrt darstellen, verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart dieses spezifischen Ortes in einer Klangcollage. Der Film verweist darüber hinaus auf die Analogie zwischen dem Wesen des Films und der Eisenbahnreise - zweier Schöpfungen des "mechanischen Zeitalters". Der verlassene Bahnhof wird somit nicht nur zu einem Ort des Reisens, sondern auch ein Erinnerungsraum. "Anhalter" ist sowohl pars pro toto deutsche Geschichte als auch eine Reflexion über Zeit und Bewegung, eine Reflexion über das Transitorische.

"Roaming around"

Sie leben in "Sodom und Gomorrah", einem Slum in Accra, oder am belebten Kreisverkehr, sie schlafen in Kartons oder auf dem nackten Boden, sie schlagen sich durch mit dem Sammeln von Schrott, als Träger, Handlanger und durch Betteln: Straßenkinder in Ghana.

Der Dokumentarfilm ROAMING AROUND nähert sich diesen Kindern, die Amma Darko in ihrem Buch "Die Gesichtslosen" nennt, in einer gelungenen Mischung aus Distanz und Nähe: in literarischer Verdichtung durch die Texte der Schriftstellerin, in den Alltag auf der Straße eintauchend durch die beobachtende Kamera. Die Interviews auf Augenhöhe, die unaufdringliche Nähe der Kamera und die klare Struktur der Montage lassen uns neben der existentiellen Bedrohung und Ausweglosigkeit auch die Souveränität von Dangerman, Justice, Stephen, Akua und der anderen entdecken, die "keine Zeit für Angst" haben. Ohne der Gefahr der Romantisierung zu unterliegen, ohne falsche Exotik beeindruckt der Dokumentarfilm von Brigitte Bertele durch seine konzentrierte, unprätentiöse und doch poetische Erzählweise, die die Gesichter der Gesichtslosen zeigt.


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