Kultusminister Siegfried Schneider eröffnet Bayerische Landesausstellung "Bayern und Böhmen" in Zwiesel

Heute eröffnete Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider die Bayerische Landesausstellung "Bayern und Böhmen - Bavorsko a Čechy" in Zwiesel. "Die Ausstellung ruft ins Bewusstsein, wie eng beide Gebiete und die Menschen hier miteinander verbunden waren und sind", so Kultusminister Schneider mit Blick auf die rund 1500jährige Nachbarschaft im Herzen Europas.

24.05.2007 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Der böhmische König und Kaiser des Hl. Römischen Reichs Deutscher Nation, Karl IV. gelte bis heute als "stärkste verbindende Persönlichkeit zwischen Bayern und Böhmen". Karl IV. habe den Handel zwischen Bayern bzw. Franken und Böhmen durch den Ausbau der Handelsstraßen intensiviert und damit auch die Beziehungen der beiden Regionen innerhalb des Heiligen Römischen Reichs stark gefördert. Die enge Verflechtung zwischen Bayern und Böhmen damals sei bis heute an den Stadtbildern Nürnberg und Prag gut ablesbar.

"Der lebhafte Austausch über die Herrschaftsgrenze zwischen Bayern und Böhmen hinweg brachte für beide Seiten viel Befruchtendes auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet", unterstrich Minister Schneider. Er richtete in diesem Zusammenhang das Augenmerk auf die Baumeisterfamilie der Parler, die Brüder Asam und die Familien Dientzenhofer sowie Balthasar Neumann aus Eger. "Was hier im kulturellen Austausch zwischen Bayern und Böhmen geschaffen wurde, ist europäische Kultur von großem Zuschnitt", würdigte Minister Schneider die Früchte der kulturellen Vernetzung, verwies aber neben Kunst und Architektur auch auf die Glasindustrie, das Wallfahrtswesen und die Bierkultur.

Kultusminister Schneider verschwieg auch nicht die Konflikte, die es während der vergangenen Jahrhunderte gab, etwa um die religiösen Anschauungen von Jan Hus vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Gerade der im 19. Jahrhundert aufkommende Nationalismus habe tiefe Gräben zwischen den Nachbarn aufgerissen. Die grausame Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus habe das friedliche Mit- und Nebeneinander von Deutschen und Tschechen zerstört. Nach dem Ende der menschenverachtenden Schreckensherrschaft des Dritten Reichs, für deren dramatische Folgen für die Bevölkerung in Tschechien die Namen Lidice und Theresienstadt stehen, habe die Vertreibung Leid, Not und Tod über die Sudetendeutschen gebracht. Bayern habe die Schirmherrschaft für die Sudetendeutschen übernommen.

Nach dem Fall des "Eisernen Vorhang" und dem Ende des Kalten Kriegs sind wieder nachbarschaftliche Kontakt geknüpft worden. "Seit dem EU-Beitritt Tschechiens 2004 wurde die Zusammenarbeit zwischen Bayern und der Tschechischen Republik weiter intensiviert", beschrieb Minister Schneider die jüngste Entwicklung und verwies auf die enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die damit verbundenen Begegnungen in der EUREGIO EGRENSIS und die Euregio Bayerische Wald - Böhmerwald/Sumava. 172 Schulpartnerschaften sorgen für Minister Schneider dafür, dass auf der Begegnung junger Menschen die gute Nachbarschaft vertieft werde. Abschließend äußerte Minister Schneider den Wunsch: "Wir wollen gute Nachbarn in Europa sein. Deshalb ist es uns wichtig, trotz Belastungen aus der Geschichte Brücken zu bauen."

An der Ausstellungseröffnung nahm auch Minister Václav Jehlićka als Vertreter der Tschechischen Republik teil.

Die Ausstellung wurde vom Haus der Bayerischen Geschichte konzipiert und wird in Zwiesel am Kirchplatz bis zum 14. Oktober zu sehen sein.


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