Ökonomische Bildung: „Die Wissenslücken sind vielfältig“
Schule sollte ökonomische Bildung lebensnah vermitteln, in der Praxis findet das aber nicht genügend statt – sagt die Diplom-Volkswirtin Verena von Hugo. Im didacta-Bildungspodcast spricht sie mit Moderatorin Anna Petersen über unfaire Wissenslücken, ungenügende Lehrkräftequalifizierung und das Spannungsfeld Wirtschaft/Schule.
26.10.2026 Bundesweit Artikel Anna PetersenWas sind produktive Schulden? Wie setzt sich ein Handyvertrag zusammen? Und was ist eigentlich ein Zinseszins? Viele dieser Fragen können junge Menschen nur leidlich oder gar nicht beantworten. Mitunter fällt es sogar Eltern schwer, die richtigen Erklärungen zu liefern. Verena von Hugo ist Vorstandsmitglied vom Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland und engagiert sich für eine bessere Wirtschafts- und Finanzbildung an deutschen Schulen.
Das Gespräch führte Anna Petersen am 29. September 2026.
Hier können Sie die aktuelle Folge des didacta-Podcasts anhören:
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Anna Petersen: Frau von Hugo, Sie fordern ja seit vielen Jahren mehr ökonomische Bildung an Schulen. Wo sehen Sie denn bei jungen Menschen die größten Wissenslücken?
Verena von Hugo: Die Wissenslücken bei jungen Menschen im Bereich von Wirtschaft und Finanzen sind wirklich vielfältig. Die größte Lücke ist, dass sie häufig gar nicht verstehen, wie Wirtschafts- und Finanzthemen sie selbst betreffen, was sie mit ihnen zu tun haben. Und das ist, glaube ich, auch das Einfallstor, wo wir ansetzen müssen: als Familien, in der Schule, aber eben dann auch lebenslang.
Über das Smartphone haben Kinder und Jugendliche heute viel mehr Möglichkeiten, Geld auszugeben. Also, über In-App-Käufe bei Handyspielen oder auch Onlineshopping. Und zusätzlich kommt ja noch, dass einige auch auf sogenannte Finfluencer vertrauen, die in Social-Media-Kanälen teilweise sehr fragwürdige Finanztipps geben. Wie verändert denn die Digitalisierung die Dringlichkeit und auch den Umfang von Finanzbildung?
Das wird auf jeden Fall noch mal dramatischer. Wirtschafts- und Finanzbildung ist zunehmend wichtig, um unsere Welt zu verstehen, um auch Angeboten, die in der Welt sind, als souveräner Verbraucher, souveräne Verbraucherin begegnen zu können und auch in der Mediennutzung sensibilisiert zu sein. Also, insgesamt natürlich ist Medienkompetenz wichtig, aber im Bereich von Wirtschaft und Finanzen noch mal ganz besonders. Und wir sehen in Seminaren, im Unterricht, in Schulbesuchen, in Wettbewerben oder außerschulischen Lernangeboten immer, dass, wenn Jugendliche mit dem Thema in Berührung kommen, sie wirklich so Aha-Momente haben. Und das kann, je jünger die sind, einfach auch schon wirklich mit dem Haushaltsbuch anfangen: dass wirklich sensibilisiert wird, die gibt es ja auch digital in der Zwischenzeit. Und je älter sie dann werden, umso bewusster auch noch zu sagen, es fängt mit dem Sparen und dem guten Umgang mit Geld an, aber dann gibt es noch weitere Schritte. Und bei der digitalen Dimension ist es natürlich wirklich einerseits Nutzungsverhalten, aber auch ganz stark Impulskontrolle. […]
Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify, Apple, Podcast.de und Deezer.
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