Kunstminister Thomas Goppel verleiht Bayerische Kunstförderpreise an 16 junge Künstlerinnen und Künstler aus Bayern

16 junge Künstlerinnen und Künstler sowie einen 24-köpfigen Chor zeichnet Kunstminister Thomas Goppel am Mittwochabend in München mit dem Bayerischen Kunstförderpreis aus. "Alle Preisträgerinnen und Preisträger haben sich bereits jetzt viele Jahre ihrem Fach gewidmet, sind durch verschiedene Ausbildungswege gegangen, haben unzählige Stunden trainiert. Gemeinsam ist ihnen allen eine unverwechselbar eigene Begabung, die sie mit einer besonderen Beherrschung des handwerklichen Könnens verbunden haben", betonte der Minister anlässlich der Preisverleihung. Der Bayerische Kunstförderpreis sei Ansporn und Ermutigung für die Preisträgerinnen und Preisträger und helfe ihnen darüber hinaus dabei, einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Der Preis, der in den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Tanz, Darstellende Kunst sowie Literatur verliehen wird, ist mit je 5.000 Euro dotiert, der Preis für den Chor mit 8.000 Euro. Einer der Literaturförderpreise ist von der Kester-Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck, dotiert.

17.09.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Nicki Marquardt, Sebastian Kuhn, Oh-Seok Kwon, Petra Schneider sowie Lorenz Straßl werden im Bereich Bildende Kunst mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Mit Experimentierfreudigkeit und Offenheit für unterschiedliche Materialien wie Holz, Stahl, Gummi, Beton oder Kunststoffe versteht es der Bildhauer Sebastian Kuhn diese für seine bildhauerischen Intentionen anregend und erfrischend zugleich einzusetzen. Oh-Seok Kwons ihm eigener künstlerischer Erfindergeist kreiert eine bildhauerische Formensprache, die verschiedene Materialien und Materien in zeitgemäße Kompositionen bringen. Gegenstände seiner plastischen Arbeiten sind laufende Bilder (Videos), Fotografien, Teile aus der Konsumwelt sowie Erscheinungsformen des Wassers. Für die Fotografin Petra Schneider ist Fotografie ein magisches Instrument, mit dem sie sich auf eine Forschungsreise zu Menschen, Tieren und Landschaften begibt. So hat sie beispielsweise jahrelang Sandkörner aus aller Welt unter dem Mikroskop fotografiert und sie zu einem 155-teiligen Sandkorn-Weltkarten-Bild zusammengestellt. Lorenz Straßl inszeniert in seinen nur für die Kamera entworfenen Rauminstallationen geheimnisvolle Orte mit Gegenständen aus dem Sperrmüll, altem Hausrat und auch technischen Requisiten. Seine Fotoarbeiten frieren kurze Sequenzen eines rätselhaften Geschehens zu surrealen Momentaufnahmen ein. Nicki Marquardts Arbeiten (Spezialfach "Mode") sind seit 1998 auf zahlreichen nationalen und internationalen Messen und Ausstellungen zu sehen. Ihre Schaffensbereiche sind Modellhüte, Prêt-à-porter, Ausstattungen in Film, Theater und Events. Im Jahr 2000 fertigte sie sämtliche Kopfbedeckungen für die Passionsspiele in Oberammergau.

Preisträger in der Sparte "Musik und Tanz" sind Caroline Matthiesen, Philipp Weiss, der Rock- & Jazzchor "VoicesInTime" sowie das Klavierduo "DUO D´ACCORD". Die Tänzerin Caroline Matthiessen ist festes Ensemblemitglied in der Ballettkompagnie des Mainfranken Theaters Würzburg. Sie debütierte dort als "Gerda" und "Miss Lina" in "Andersens Welt". In der Spielzeit 2006/2007 begeisterte sie als "Mädchen" in "Le Boeuf / Der Tod und das Mädchen" und als "Julia" in Prokofjews "Romeo und Julia". Aktuell ist sie in "Der Nussknacker" in "Virtuosi", in "Die Rattenfalle" und im "Laboratorium Tanz" zu erleben. Der Jazzsänger Philipp Weiss gewann im Jahr 2004 beim "young generation jazz festival" und trat zu seinem ersten live-Konzert im Bayerischen Rundfunk auf. Seitdem arbeitet Weiss auf Tourneen und bei Konzerten mit zahlreichen nationalen und internationalen Größen aus dem Bereich des Jazz zusammen, etwa dem Steve Kuhn Trio, Didier Lockwood und Daniel Kramer, der Thomas Zoller Big Band, Patrik Scales und Mario Gonzi. Besonderes Aufsehen in der Fachwelt erzeugte seine im Jahr 2005 entstandene CD "You must believe in spring". Der Rock- & Jazzchor "VoicesInTime" mit 24 Mitgliedern begeistert sein Publikum mit einem besonders vielseitigen und abwechslungsreichen Programm. So zählen nicht nur Jazz- und a-cappella-Standards zum Repertoire, sondern auch Crossover-Kompositionen nach Texten von Shakespeare und Goethe sowie Coverversionen von Rammstein bis Stevie Wonder. "VoicesInTime" ist gleichermaßen in Jazzclubs, auf Festivalbühnen und Konzertsälen zu Hause. Der Chor wurde bereits durch zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland belohnt, unter anderem 2004 mit dem "Ward Swingle Award" in Graz. Das Klavierduo DUO D´ACCORD besteht aus den zwei jungen Künstlern Lucia Huang aus Taiwan und Sebastian Euler aus Deutschland. Die beiden Nachwuchskünstler konzertierten bereits in den USA und Asien und spielten diverse Rundfunkproduktionen ein, unter anderem die Erstaufnahme der Klavierfassung von Richard Strauss´ "Don Juan". Im Herbst 2004 erschien ihre hochgelobte Debüt-CD mit Werken von Max Reger, im August 2006 die zweite CD mit Werken Robert Schumanns. Im September 2007 folgte eine Aufnahme der "Visions de l´Amen" von Olivier Messiaen gepaart mit Beethovens "Großer Fuge". Darüber hinaus spielte das DUO D´ACCORD Orchesterkonzerte wie beispielsweise mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Miami Symphony Orchestra, der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und dem Münchner Kammerorchester

Im Bereich Darstellende Kunst erhalten den Kunstförderpreis Judith Toth, Felix Rech, Sophia Brommer und Reto Rosin. Die Jury würdigt bei Judith Toth, die derzeit in der freien Theaterszene am Metropol Theater München zu sehen ist, deren klare Präsenz und hohe Spielintelligenz. Die emotionale Tiefe ihrer Darstellung ist für eine junge Schauspielerin außergewöhnlich. Felix Rech, seit 2006 Ensemblemitglied des Bayerischen Staatsschauspiels in München, hat dort bereits zahlreiche Rollen gespielt. Felix Rechs sprachliche und gestische Präzision erlaubt es ihm, Figuren bis ins kleinste Detail nachzuvollziehen. Dabei zeichnet ihn eine Mischung aus Genauigkeit und Kraft aus. Die Sängerin Sophia Brommer kam in der Spielzeit 2007/2008 an das Theater Augsburg. Die Sopranistin verfügt über große Musikalität und ein sehr charakteristisches und nuancenreiches Timbre. Neben ihrem musikalischen Talent zeichne sie sich zudem durch eine besondere darstellerische Begabung aus. Bei dem Tenor Reto Rosin, seit 2003 festes Ensemblemitglied am Südostbayerischen Städtetheater Passau, hebt die Jury seine außerordentliche Vielseitigkeit hervor. So bewältigt er unterschiedliche Partien von der modernen Musik bis zur Oper stets mit einem sicheren Gespür für Stil und Klangfarbe der verschiedenen Fächer.

Aus dem Bereich Literatur werden Karin Fellner, Stefanie Geiger und Luis Ruby ausgezeichnet. Die Münchner Lyrikerin Karin Fellner wird für ihren zweiten Gedichtband "in belichteten wänden" ausgezeichnet, erschienen 2007 im yedermann Verlag. Beeindruckt hat die Jury die sprachliche Arbeit der sieben Gedichtzyklen, in denen sich die Grenzen zwischen Wahrgenommenem, Empfundenem und Imaginiertem auflösen. Als Kennerin lyrischer Traditionen und Gattungen findet Karin Fellner im Spiel oder Bruch mit ihnen eine ganz eigene Art, über unsere Gegenwart zu sprechen. So wird beispielsweise im ersten Zyklus "futter" mit den Mitteln der Naturlyrik ein Migrantenschicksal erzählt. In "Motti" nimmt sie Bezug auf große weibliche Lyrikerinnen. Stefanie Geigers Debütroman "Der Eisfürst" erschien im Frühjahr 2008 bei C.H. Beck. Die Jury würdigte das hochentwickelte Sprachbewusstsein der jungen Autorin, ihr Formgefühl und die poetische Qualität ihres Textes. Besonders hervorgehoben wurde die Komplexität der Thematik. Geiger hat einen Roman vorgelegt, der im Versuch der erzählenden Rekonstruktion von Vergangenheit verschiedene Perspektiven, aber keine endgültige Wahrheit entstehen lässt. Eine vielstimmige Geschichte mit Mut zu verblüffenden Einfällen ist dabei entstanden. 2005 und 2006 nahm die in Augsburg lebende Autorin am textwerk-Seminar des Literaturhauses München teil. Die Jury würdigte Luis Rubys, Anglist und Hispanist, höchst gelungene literarische Erstübersetzung von Carlo Frutteros Kriminalroman "Donne informate sui fatti" mit dem Titel "Frauen, die alles wissen", erschienen 2008 bei Piper. Der Übersetzer ist besonders durch die Entwicklung verschiedener Figurenstimmen in dem multiperspektivischen Roman gefordert gewesen. Die Jury befürwortet die Auszeichnung im Bereich der literarischen Übersetzung in diesem Jahr besonders, weil mit dieser Auszeichnung auch ein Signal für die derzeitige Diskussion über die Situation der Übersetzer auf dem freien Buchmarkt erfolge.

1965

Die Verleihung der Kunstförderpreise steht in einer über vier Jahrzehnte währenden Tradition: Seit 1965 vergibt der Freistaat Bayern jährlich Förderpreise für junge Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Tanz, Darstellende Kunst und Literatur. Viele der ehemaligen Preisträger gestalten heute das künstlerische Leben in Bayern und Deutschland mit. Die Preisträger müssen durch besondere künstlerische Leistungen hervorgetreten sein und ihren Wohnsitz und Schaffensmittelpunkt in Bayern haben.


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