Bildungskongress

Lernen bewegt - in Kita und Schule

(red) Während sich auf der Buchmesse Vieles um die - bei Weitem nicht neue - Frage nach der Zukunft des gedruckten Buches drehte, stand für etliche Besucher der Messe ein anderes Zukunftsthema im Vordergrund: die Bildung. Bereits seit 2006 findet am Buchmessesamstag ein Lehrer-Tag statt. Erstmals in diesem Jahr gesellte sich der Kita-Tag am Freitag hinzu.

20.10.2011 Artikel

Für die Messe eine beinahe selbstverständliche Erweiterung, so Karin Plötz, Leitung Bildung der Frankfurter Buchmesse: "Einfach weil im Zuge der politischen Diskussion klar ist, dass die frühkindliche Bildung einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Und wir haben gesagt, es ist maßgeblich, dass wir uns darum kümmern. Wir wollten auch in die politische Diskussion führen, dass die Ausbildung der Kindergärtner verbessert werden muss."

Beide Kongresstage standen unter dem Thema "Lernen bewegt". Dass sich diese Bewegung durchaus umfassend definieren lässt, bewies Prof. Dr. Wassilios Fthenakis in der abschließenden Podiumsdiskussion am Freitag, die der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner eröffnet hatte. Fthenakis erklärte nämlich kurzerhand, es müsse auch mehr Bewegung in die Entwicklung des Bildungssystems insgesamt kommen. Der Präsident des mitveranstaltenden didacta Verbands zeigte sich sehr erfreut über den regen Zuspruch der Erzieherinnen. Immerhin hatten rund 150 Teilnehmerinnen den Weg in die Messe gefunden, wo sie nach dem Eröffnungsvortrag an den anschließenden Workshops – unter anderem zu den Themen Bewegungserziehung und Sprachförderung, Musizieren mit Krippenkindern und Gesundheitsförderung im Kindergarten - teilnahmen. Ihr Fazit durchweg: Begeisterung.

Mit vielen praktischen, aber auch theoretisch untermauerten, Beispielen hatte die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung, Prof. Dr. Renate Zimmer, die Teilnehmerinnen beeindruckt.

"Wenn ich in der Institution Kindergarten zum Beispiel Sprachförderung betreibe, dann heißt das ja nicht, dass ich das mit Materialien am Tisch, mit Benennung von Gegenständen mache", erklärte die Wissenschaftlerin, "sondern ich kann Bewegungsanlässe im Alltag nutzen, die als Sprachanlässe dienen. Nehmen wir mal an, wenn ich den Wortschatz erweitern will, und ich nehme jetzt mal einen Bereich, der durchaus schon schulischen Inhalts ist: Präpositionen - das sind Wortformen, die sehr gut im Spielen einzusetzen sind: auf dem Stuhl, unter dem Stuhl, neben dem Stuhl, zwischen zwei Stühlen. Das sind alles Dinge, die nicht nur die Bewegung anregen, sondern auch den Wortschatz erweitern und die Bedeutung von ganz bestimmten Begriffen verdeutlichen. Das miteinander zu verknüpfen ist ein wesentliches Anliegen. Es soll auch nicht dem Zufall überlassen werden, ob es sich überhaupt ereignet, sondern systematisch als Angebot einbezogen werden."

Wie Bewegung und Lernen im Schulalltag verknüpft werden können, erfuhren die Teilnehmer des Lehrer-Tags am Samstag unter anderem von dem Arzt und Autor Dietrich Grönemeyer und von den Sportpädagogen Ralf Laging von der Uni Marburg und Robert Prohl von der Uni Frankfurt.

Mehr Sportunterricht, aber auch ein Fach Gesundheitslehre in der Schule forderte Grönemeyer, während Prohl eher nachdenkliche Töne anschlug. Auch, weil die Pädagogik eine Wissenschaft sei, die gern in ihren Grundüberzeugungen pendele. So wie man sich in der preußischen Schule und auch später noch überhaupt nicht bewegen durfte, so könnte es jetzt passieren, dass man sich nur noch bewegen müsse. Vor beidem warnte der Sportwissenschaftler.

Ähnlich argumentierte auch Ralf Laging: "Vor allen Dingen möchte ich nicht, dass die Kinder den ganzen Tag über im Klassenraum herumhüpfen. Die Frage ist: Wie können wir Bewegung gezielt in den Unterricht bringen und Bewegungskonzepte so entwickeln, dass bestimmte Lerngegenstände, bestimmte Themen auch besser in Bewegung erfahren werden oder dass ihr Lernen durch Bewegungsaktivitäten gefördert wird. Das heißt nicht, dass dies bei jedem Thema und zu jeder Zeit und den ganzen Unterricht über passieren muss, aber es ist eine irrsinnige Annahme, es könne das Lernen ausschließlich im Sitzen im Klassenraum stattfinden, in dem alle ruhig sind."

Ruhig waren auch die rund 280.000 Besucher der Frankfurter Buchmesse nicht - auch für sie also galt das Motto des Bildungskongresses: Lernen bewegt. Schließlich legten die meisten von ihnen parallel zu ihren Gesprächen, Erkenntnissen oder Beobachtungen den einen oder anderen Kilometer zu Fuß durch die Messehallen zurück.


Weiterführende Links

  • Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung
  • Homepage Prof. Ralf Laging
  • Bildung auf der Frankfurter Buchmesse
  • Juergen Boos: "Das größte Wachstumsthema innerhalb der Verlagsbranche ist Bildung"
  • Homepage Prof. Dietrich Grönemeyer
  • Homepage Prof. Robert Prohl

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