Mehr Engagement für Leseförderung nötig
Eine neue Studie der Europäischen Kommission kommt zu dem Schluss, dass die Beteiligung von Familien in Alphabetisierungsprogrammen die Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenz bei Kindern und Erwachsenen deutlich verbessert. Die Studie mahnt aber auch nachhaltigere Programme in den Mitgliedsstaaten an.
08.07.2011 ArtikelDer Bericht gibt einen Überblick über Forschung und evaluiert Strategien, Konzepte und Initiativen im Bereich der Family Literacy, insbesondere für benachteiligte Familien. Einzigartige und erfolgreiche Initiativen in ganz Europa werden in der Studie hervorgehoben.
Das wichtigste Ergebnis des Berichts ist, dass Family Literacy Programme sehr kostengünstig sind, sowohl bei der Verbesserung Lese- und Schreibkompetenz der Kinder als auch bei der Verbesserung der Fähigkeiten der Eltern zur Unterstützung. Diese Schlussfolgerung basiert auf einer Überprüfung der sechs jüngsten Meta-Analysen von Family Literacy Maßnahmen, die alle positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Sprachkompetenz bei Kindern hatten.
Diese Untersuchung ermittelte auch eine Reihe von Hindernissen, die dem Erfolg und der Nachhaltigkeit der Programme entgegenstehen. So sollten die Programme zum Beispiel auf die besonderen Bedürfnisse der beteiligten Gruppen zugeschnitten sein. Die Defizite in den Familien seien sehr unterschiedlich, heißt es, und die Initiativen seien nicht unbedingt bei allen Familien gleich effektiv.
Laut Studie bedingen vier Schlüsselfaktoren den langfristigen Erfolg der Family Literacy Programme:
- Finanzierung,
- Qualität der Programme,
- Partnerschaften und
- forschungsbasierte Erkenntnisse über den Erfolg.
Die Autoren kritisieren, dass viele gute Programme, die viel Zeit und Ressourcen in Anspruch genommen haben, in den Mitgliedstaaten zurückgefahren oder ganz eingestellt wurden. Etwa weil sie von kurzfristigen Finanzhilfen abhängig waren, die immer wieder erneuert werden mussten und ständig politischem Druck von außen unterlagen. Lesen und Lernen müssten selbstverständlich sein und Spaß bereiten, aber dazu bedürfe es eines Kulturwandels innerhalb der Mitgliedstaaten. Nationale Programme benötigten die notwendige Flexibilität, um die lokalen und individuellen Bedürfnisse der Familien zu erfüllen.
Der Bericht unterstreicht die Bedeutung umfassender Maßnahmen, die sich auf alle möglichen Aspekte der Kindheit beziehen. Family Literacy wird gern als typische Projekt-Maßnahme angesehen und nicht als integraler Bestandteil oder notwendige Ergänzung zum Bildungssystem. Auch daraus erklärt sich der Mangel an konsistenter und nachhaltiger Lese- und Rechtschreibförderung.
Strategien zur Sprachförderung bei Kindern sollten eine familiäre Komponente enthalten. "Eltern müssen eine aktive Rolle bei der Unterstützung ihrer Kinder in den Lern- und Entwicklungsprozessen wahrzunehmen - das häusliche Umfeld ist entscheidend ", erklären die Autoren. Dies müsse von den Regierungen auf nationaler Ebene angegangen werden, dazu sei die Einbindungen der lokalen Key-Player wie Kinderbetreuungseinrichtungen, Kommunen und Schulen sind ebenfalls unerlässlich.
Weiterführende Links
- Der komplette Bericht (englisch)
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