Mobiles Internet stellt Jugendmedienschutz vor neue Herausforderungen
Gewaltvideos und Pornografie aus dem Internet sind für Jugendliche inzwischen auch mobil frei verfügbar. Das Handy ist aus dem Alltag der Heranwachsenden nicht mehr wegzudenken: 92 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben ein eigenes Mobiltelefon. Am häufigsten nutzen sie es, um sich über SMS auszutauschen und zu telefonieren. Moderne Handys können jedoch viel mehr. Auch der Zugang zum Internet ist problemlos möglich. Bei dem von der EU-Medienkompetenz-Initiative "klicksafe" veranstalteten Experten-Panel "(Präventiver) Jugendmedienschutz im mobilen Internet" waren sich die Vertreter von Politik, Aufsicht, Industrie und Pädagogik einig. Mehr Jugendmedienschutz beim mobilen Internet über Handys wird es nur geben, wenn alle an einem Strang ziehen, erklärten Mechthild Appelhoff (Initiative "klicksafe", Landesanstalt für Medien NRW), Thomas Jarzombek (Mitglied CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen), Friedemann Schindler (Jugendschutz.net) und Valentina Daiber (Vertreterin der Mobilfunkanbieter in der FSM / Leiterin Corporate Responsibility O2).
19.06.2007 Pressemeldung klicksafe.de c/o Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-PfalzSchon jetzt sind Handys vielfach tragbare Computer, deren Nutzung sich der elterlichen Kontrolle oft entzieht. Die Missbrauchzahlen sind alarmierend: Der aktuellen JIM-Studie zufolge haben bereits 34 % der Jugendlichen Gewaltbilder und -videos auf dem Handy gesehen. 17 % der Schüler (bei Hauptschülern 27%) gaben an, bereits Zeuge von Prügeleien geworden zu sein, die mit dem Handy aufgezeichnet (Happy Slapping) wurden und auch über die Mobiltelefone und das Internet unter Gleichaltrigen verbreitet wurden. Bislang nutzen Jugendliche das Internet nur selten über das Handy, weil die Angebote schlicht zu teuer waren. Doch schon bringen erste Mobiltelefonanbieter Internet-Flatrates auf den Markt.
Thomas Jarzombek, CDU-Abgeordneter im Landtag NRW sieht Mobilfunkbetreiber und Gerätehersteller in der Verantwortung. "Mit den bisherigen Maßnahmen ist keine Problemlösung in Sicht. Hinrichtungsvideos auf Handys von Zwölfjährigen sind keine Einzelfälle". Gemeinsam mit den Netzbetreibern müsse die Industrie Technologien entwickeln, um Handys auf das Alter der Nutzer konfigurieren zu können. "Hier kann die Politik entscheidende Anstöße geben", erklärte Thomas Jarzombek und verweist auf die ab Herbst 2007 geplante Novellierung des Jugendmedienstaatsvertrags.
"Viele Eltern sind bei der Kontrolle des Medienverhaltens ihrer Kinder schlicht überfordert", erklärte Friedemann Schindler von jugendschutz.net. "Sie brauchen einfach zu handhabende Schutzprogramme und die Möglichkeit, die Handys ihrer Kinder sicher zu konfigurieren." Große Hoffnung setze er auf die von der Bundesregierung initiierte Initiative Ein Netz für Kinder, die einen geschützten Surfraum für Kinder schaffen will. "Auf Basis dieser Liste mit kindgeeigneten Angebote können Mobilfunkanbieter einsicheres Surfen von Kindern über das Handy zeitnah gewährleisten."
Als Vertreterin der Mobilfunkbetreiber blickte Valentina Daiber optimistisch in die Zukunft: "Unsere Branche hat die Thematik aufgegriffen und ist gewillt, einen Beitrag zu einem sicheren, mobilen Internet für Kinder und Jugendlichen zu leisten. Einen Verhaltenskodex haben die großen Mobilfunkanbieter bereits 2005 verabschiedet." Förderlich sei die Beobachtung, dass der Jugendmedienschutz sich unter den Anbietern zum Wettbewerbsmerkmal entwickelt.
"Eltern tragen Verantwortung dafür, wie ihre Kinder Medien nutzen", erklärte Mechthild Appelhoff. "Die Voraussetzung müssen alle beteiligten Akteure schaffen: Mobilfunkbetreiber, Geräteindustrie, Landesmedienanstalten und Schulen sollten hier an einem Strang ziehen." Ziel sei ein gemeinsamer Aktionsplan. "Die Medienkompetenzprojekte der Landesmedienanstalten wie "klicksafe" leisten dabei einen zentralen Beitrag. Das Bedürfnis der Eltern nach Information und Unterstützung in diesem Bereich ist riesig."
Die Initiative "klicksafe" (www.klicksafe.de) ist ein Projekt im Rahmen des "Safer Internet Programme" der Europäischen Union. Es wird von einem von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz koordinierten Konsortium getragen. Diesem gehören neben der LMK (www.lmk-online.de), die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) (www.lfm-nrw.de) sowie die ecmc Europäisches Zentrum für Medienkompetenz GmbH (www.ecmc.de) an.
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