Neue SINUS-Jugendstudie: Was denken Jugendliche über Schule und berufliche Zukunft?
Jugendliche wünschen sich an ihren Schulen kompetente, empathische Lehrer mit Ausstrahlung und individuelle Förderung. Heranwachsende aus prekären Verhältnissen fühlen sich in der Schule und bei den Jobaussichten "abgehängt".
28.03.2012 Pressemeldung Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS)Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und fünf weitere Herausgeber stellen heute in Berlin die Ergebnisse der neuen SINUS-Jugendstudie vor. In der qualitativen Lebenswelten-Studie wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren auch zu den Themen Schule und Lernen und berufliche Orientierung befragt:
Schule und Lernen
Nahezu alle Jugendlichen wünschen sich kompetente, empathische Lehrer mit Ausstrahlung, die Verständnis für die Lebenswirklichkeit ihrer Schüler zeigen. Sie wollen individuell gefördert werden und praxisnah lernen. Wie wichtig die Orientierung von Schule an der Lebenswelt ist, macht ein Blick auf die Jugendlichen aus prekären Verhältnissen deutlich: Für sie sind Schule und Unterricht kaum anschlussfähig an ihre Alltagserfahrungen. Schule verbinden sie mit Zwang, Misserfolg, Ausgrenzung und Konflikten. Die Motivation, sich anzustrengen, ist vergleichsweise gering, weil für diese Jugendlichen kein lohnendes Ziel erkennbar ist. Erfolgserlebnisse beim Lernen haben sie eher abseits von Schule, zum Beispiel, wenn Songtexte oder Choreografien gelernt werden.
Berufliche Orientierung
Die heutigen Anforderungen an Kinder und Jugendliche sind hoch. Die Studie zeigt, welchem Leistungs- und Zeitdruck sich die junge Generation ausgesetzt sieht. Davon lassen sich insbesondere Jugendliche aus dem prekären Milieu entmutigen. Sie glauben, sowieso keine Chance auf eine gute Berufsausbildung und ein Arbeitsverhältnis zu haben oder träumen von realitätsfernen Karrieren als Fußballprofi oder Star. Das heißt, viele Jugendliche wissen gar nicht, dass die Gesellschaft sie braucht. Der Mehrheit der Jugendlichen ist nicht bewusst, dass Unternehmen auf Grund des demografischen Wandels dringend Fachkräfte benötigen. Die Bereitschaft, sich für einen Schulabschluss anzustrengen oder sich über die Anforderungen des Ausbildungsmarktes schlau zu machen, ist dementsprechend gering.
Die Erfahrungen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung …
aus ihren Schul- und Berufsorientierungsprogrammen korrespondieren mit den Befunden der SINUS-Studie. Wenn zum Beispiel laut Studie viele Jugendliche die klassischen Angebote wie Tage der offenen Tür, Berufsbildungsmessen oder Berufsberatung nicht nutzen, stellt sich die Frage nach wirkungsvolleren Alternativen. "Wir brauchen Angebote, die Jugendliche motivieren statt frustrieren. Vor allem junge Menschen mit schwierigen Aufwachsbedingungen brauchen eine Berufsberatung, die mit ihrer Lebenswelt zu tun hat, bei ihren Interessen ansetzt und früh beginnt", sagt Dr. Heike Kahl von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und verweist auf Programme der Stiftung wie zum Beispiel das Ganztagsschulprogramm Ideen für mehr! Ganztägig lernen., das Programm zur Berufsorientierung Wege finden oder die Sommercamps futOUR: Berliner Achtklässler aus sozial benachteiligten Familien fahren in den Ferien drei Wochen in ein Camp am See. Auf dem Programm stehen Betriebserkundungen, Bewerbungsworkshops, gemeinsame Projekte und eine insgesamt zweijährige Nachbegleitung. "Fast 40 Schulen in Berlin nutzen dieses Angebot, um Kinder individuell zu fördern – mit nachweislichem Erfolg", berichtet Kahl.
Die neue SINUS-Studie identifiziert sieben Lebenswelten von Jugendlichen und zeigt, dass Jugendliche differenzierte Angebote brauchen, die sie tatsächlich erreichen und die ihnen Perspektiven aufzeigen. Mithilfe der Studienergebnisse kann die DKJS Programme weiter entwickeln und neue Modelle schaffen, die sich an den konkreten Bedürfnissen von Jugendlichen orientieren. Außerdem wird die Stiftung Workshops anbieten, die zum Beispiel Schulen und Einrichtungen der Berufsorientierung helfen, die Erkenntnisse der Jugendstudie für ihre tägliche Arbeit zu nutzen.
Informationsseite der DKJS zur neuen Sinus-Studie
Weiterführende Links
- Informationsseite der DKJS zur neuen Sinus-Studie
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