Statt Bildungschip

Statt von Chipkarten träumen, besser die Orte der kulturellen Bildung erhalten

Hamburg ist ein eindrückliches Beispiel für die Widersprüchlichkeit der Debatte um mehr kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche. Das Altonaer Museum steht kurz vor der Liquidierung. Der Senat der Hansestadt erhofft sich so Einsparungen von 3,5 Millionen Euro. Das Aushängeschild des Altonaer Museums sind seine vorbildlichen Angebote für Kinder und Jugendliche. Weitere Millionenkürzungen kommen auf die Bücherhallen und das Schauspielhaus in Hamburg zu. Alle jetzt in Hamburg von massiven Einsparungen bedrohten Kultureinrichtungen sind Orte der kulturellen Bildung.

27.09.2010 Pressemeldung Deutscher Kulturrat e.V.

Nach Informationen des Deutschen Bibliotheksverbandes sind in Deutschland allein zwei Drittel der kommunalen Bibliotheken von Einsparungen betroffen. Gerade kommunale Bibliotheken sind besonders niedrigschwellige Angebote der kulturellen Bildung.

Gleichzeitig wird auf der Bundesebene über die Stärkung der kulturellen Bildung diskutiert. Bundessozialministerin Ursula von der Leyen will unter anderem eine Chipkarte für Kinder und Jugendliche aus Familien, die Hartz IV beziehen, einführen. Diese Chipkarte soll u.a. den Zugang dieser Kinder und Jugendlichen zu kulturellen Bildungsangeboten ermöglichen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "In Hamburg und an vielen anderen Orten in Deutschland werden gerade den Kultureinrichtungen, die lebendige Orte der kulturellen Bildung sind, massiv die Mittel gestrichen. Gleichzeitig will die Bundesregierung eine Chipkarte zur Finanzierung auch von kulturellen Bildungsangeboten für Hartz IV-Empfänger einführen. Wäre es da nicht besser, der Bund würde die vorhandenen Orte der kulturellen Bildung erhalten, statt Plastik-Karten-Pläne zu schmieden? Der Deutsche Kulturrat hat bereits vor einem Jahr einen Nothilfefonds des Bundes für notleidende Kultureinrichtungen gefordert. Hier könnte der Bund ein wirkliches Signal für die Förderung der kulturellen Bildung setzen. Statt von Chipkarten zu träumen, sollte die Bundesregierung besser die Orte der kulturellen Bildung erhalten."


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