Technik als Unterrichtsfach gefordert
(red) Welche nachhaltigen Erfolge haben eigentlich all die Projekte und Initiativen, die bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an Technik und Naturwissenschaften fördern wollen? Das hat eine der bislang umfassendsten Studien zu diesem Thema untersucht. Das bittere Ergebnis: Wenig.
13.04.2011 ArtikelAuf dem MomoTech Forum in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück wurden die detaillierten Ergebnisse dieser MoMoTech-Studie jetzt präsentiert. Fazit der von Prof. Ortwin Renn vorgestellten Untersuchung: Die mehr als 1000 Projekte zur Förderung des Technikinteresses können dem Nachwuchsmangel in den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen nicht wirksam begegnen, egal ob sie im Kindergarten angesiedelt sind, Schüler ansprechen oder Studenten unterstützen.
"Wir wissen, dass die Zahl derjenigen, die ein Ingenieurstudien abgeschlossen haben, bis 2007 zehn Jahre lang rückläufig war. Wobei gleichzeitig ungefähr 2,7 Milliarden Euro in solche initiativen hineingesteckt wurden", erklärt Renn. "Unsere Untersuchungen zeigen deutlich: Selbst der schönste Nachmittag mit Bastelonkel im Kindergarten oder auch das ganz tolle Robotererlebnis für einen 15jährigen bringen für die Technikbildung gar nichts, wenn das Thema nicht in der Schule abgeholt wird. Dort muss es vorbereitet und nachbereitet werden."
<iframe title="YouTube video player" width="484" height="302" src="http://www.youtube.com/embed/D35JQ2PeVQg" frameborder="0" allowfullscreen></iframe> Seine Forderungen: "Man muss Kontinuität in der Bildung schaffen, die Bildungsinitiativen müssen sich besser miteinander verzahnen, und es braucht bessere didaktische Vorbereitungen für die Technikbildung." Auf jeden Fall müsse der Technikunterricht stärker in der Schule verankert werden, entweder als eigenständiges Fach oder integriert in anderen Fächern, wobei Renn vor einfachen Lösungen warnt: " Es reicht nicht, dass man mal das Auto oder die Rakete im Physikunterricht zum Thema macht und sagt, das war dann Technikunterricht."
Um das Interesse der Mädchen an Technik zu wecken und ihnen Berufsperspektiven in diesen Fachrichtungen aufzuzeigen, empfiehlt Renn, in den Schulen Einführungskurse nur für Mädchen anzubieten, bei denen sie dann nicht dem Konkurrenzdruck der Jungen ausgesetzt seien. Dazu gebe es bereits erfolgreiche Beispiele.
Bei allem Ruf nach mehr Technikbildung verweist der Wissenschaftler aber auch auf das Allgemeinbildungsziel, für das alle Fächer - ob naturwissenschaftliche, musische, sozial- oder geisteswissenschaftliche - nebeneinanderstünden. "Keines ist schlechter oder besser als das andere und für eine Allgemeinbildung sind all diese Fächer notwendig und wichtig und auch für einen guten Ingenieur ist es wichtig, etwas über Kommunikation, über soziales Zusammenleben und auch über die eigene Geschichte zu wissen."
Über die Studie MoMoTech
Die Studie MoMoTech (Monitoring von Motivationskonzepten für den Techniknachwuchs) hat zwischen März 2007 und Juni 2010 die Zielsetzung und Wirkung von 317 Modellprojekten zur Förderung des Technikinteresses untersucht. Die Studie wurde von der Universität Stuttgart (Institut für Sozialwissenschaften) begleitet, von acatech betreut und von der Georgmarienhütte GmbH finanziert. Im Mittelpunkt stehen Projekte und Aktivitäten von der frühen Förderung im Elementar- und Primärbereich über die die schulische und außerschulische Förderung in der Sekundärstufe bis hin zu Projekten, die spezifische Zielgruppen ansprechen oder neue didaktische Konzepte verfolgen. Dabei wurden 16 Initiativen genauer unter die Lupe genommen. Es wurde überprüft, welche Effekte sie bei der Förderung der Techniksozialisation und Technikbildung ihrer Zielgruppen erreichen, also wie erfolgreich die Projekte arbeiten. Eine anschließende Best-Practice-Analyse benennt die Erfolgsfaktoren für eine MINT- Nachwuchsförderung, die zwischen Interessen- und Talentförderung unterscheidet. Insgesamt wurden rund 1000 der über die MoMoTech- Projektdatenbank erreichbaren Modelprojektträger angefragt.
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