Wissenschaft und Wirtschaft stehen bei Open Content und Open Access vor neuen Herausforderungen
Je freier Wissen zugänglich gemacht wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft damit verdienen kann. Dies war eine der zentralen Thesen der Fachtagung "Open Content – Open Access" des gemeinnützigen Forschungsprojekts FAZIT am 9. Juni 2008 in Stuttgart. Die Impulsveranstaltung lieferte wichtige Ergebnisse über die Anforderungen und Chancen im freien Zugang zu Information und Wissen.
13.06.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbHOb Texte, Musik, Filme oder wissenschaftliche Werke – die Bereitstellung und Weiterverarbeitung von freien Inhalten stellt Wissenschaft, öffentliche Institutionen und Wirtschaft vor neue Herausforderungen. Häufig bleiben beispielsweise die Fragen nach Lizenzen, Urheberrechten und möglichen Geschäftsmodellen ungeklärt. Auf der FAZIT-Fachtagung "Open Content – Open Access" am 9. Juni 2008 in Stuttgart diskutierten das Thema Vertreter aus Forschungsinstitutionen, Bildungseinrichtungen und dem Verlagswesen.
Mit Primärgütern wie wissenschaftlichen Publikationen an sich lässt sich künftig nichts mehr verdienen, so die Aussage von Prof. Dr. Rainer Kuhlen der Universität Konstanz. Je freier der Zugang zu Wissen und Informationen, desto wahrscheinlicher könne die Wirtschaft davon profitieren, indem sie Erlöse z.B. aus Zusatzdienstleistungen rund um die Publikation erzielt. Kuhlen zog die Schlussfolgerung, dass informationswirtschaftliche Geschäfts- und Organisationsmodelle im Wissenschaftsbereich um Open Access nicht herum kommen werden.
Eine Entwicklung hin zu Open Access sah auch Wim van der Stelt. Bei Springer Science+Business Media verantwortet er das autorenfinanzierte Open-Choice-Programm, in dem wissenschaftliche Autoren ihre Fachbeiträge unter einer Open-Access-Lizenz veröffentlichen können. Gebe es derzeit zwar nur eine geringe Nachfrage von Autorenseite, so prognostiziert Wim van der Stelt seinem Unternehmen eine Zukunft als großer Open-Access-Verlag. Das Vorurteil, freie Inhalte hätten oft nicht die gleiche Qualität wie kostenpflichtige, entkräftete er.
Weitere Referenten der Fachtagung:
Bernd Hartmann, freier Berater für die Kreativwirtschaft, zeigte die Grundlagen und Potenziale von freien Inhalten auf. Handlungsfelder sieht er u.a. in der Finanzierung der Angebote, im Urheberrecht und im allgemeinen Bewusstsein für Open Content.
Dr. Till Jaeger vom Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS) erörterte die rechtlichen Aspekte bei der kommerziellen Nutzung freier Inhalte. Dabei wies er vor allem auf die Rechte und Pflichten bei der Verwendung von Creative-Commons-Lizenzen hin.
Dr. Markus Deimann von der FernUniversität in Hagen beleuchtete das Thema aus Sicht der Bildungspraxis und verwies auf die Potenziale offener digitaler Bildungsressourcen als Motor für pädagogische Innovationen.
Michael Schaller vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg stellte in seinem Vortrag das Bildungsbündnis Open-Content vor, ein offener Zusammenschluss verschiedener Institutionen aus dem Bildungsbereich in Baden-Württemberg. Er kommt zum Schluss, dass beim Umgang mit freien Inhalten Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinander liegen.
Im September 2008 veröffentlicht FAZIT einen Forschungsbericht zu Open Content und Open Access. Ergebnisse aus der Impulsveranstaltung werden in diesen Band mit eingehen.
Weiterführende Links:
www.fazit-forschung.de
www.mfg.de/stiftung
Über FAZIT Forschung
FAZIT (Forschungsprojekt für aktuelle und zukunftsorientierte Informations- und Medientechnologien und deren Nutzung in Baden-Württemberg) identifiziert seit 2005 neue Märkte für innovative Informations- und Kommunikationstechnologien und erforscht bis Anfang 2009 Perspektiven zukünftiger IT- und Medienentwicklung von regionaler Bedeutung. Am Beispiel Baden-Württemberg beschreitet FAZIT neue Wege und kombiniert qualitative Forschung mit statistischen Erhebungen. Das Forschungsspektrum reicht von Marktanalysen und Unternehmensbefragungen über Fallstudien und wissenschaftliche Workshops bis hin zu Delphi-Studien, Szenarioprozessen und Roadmapping. FAZIT hat 15 relevante Schwerpunkthemen erkannt und präsentiert dazu kontinuierlich Forschungsergebnisse, die durch eine ausgeprägte Transferkomponente Impulse für weitere Forschung und Entwicklung geben.
Projektträger von FAZIT ist die MFG Stiftung Baden-Württemberg in Stuttgart. Partner sind das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) in Karlsruhe.
Über die MFG Stiftung
Die MFG Stiftung wurde 2003 ins Leben gerufen. Ziel ist Aus- und Weiterbildung sowie Förderung von Kunst, Kreativität und Kultur. Schwerpunkte sind Forschung und Entwicklung in den Bereichen Medien, IT und Film im Rahmen eigener Projekte. Die MFG Siftung fördert innovative Projekte und Forschungsaktivitäten durch Studien, Stipendienprogramme sowie Wettbewerbe. Darüber hinaus bietet sie neue Fort- und Weiterbildungsangebote an und vernetzt Akteure im Bildungs- und Forschungsbereich.
Keine Kommentare vorhanden