Ahnen: Neue Agentur für Qualitätssicherung und Evaluation
Mehr Selbstständigkeit für die einzelnen Schulen bei gleichzeitig verbindlichen Standards und regelmäßiger Evaluation - dieser international bewährte Dreiklang ist auch Leitmotiv des bildungspolitischen Handelns in Rheinland-Pfalz. Deshalb soll nun zur Unterstützung der Schulen eine "Agentur Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS)" eingerichtet werden, die bereits im kommenden Schuljahr ihre Arbeit aufnehme, so Bildungsministerin Doris Ahnen. Die zentrale Aufgabe der eigenständigen Agentur sei die Durchführung regelmäßiger externer Evaluationen an allen Schulen des Landes. Diese Form der Begutachtung durch externe Expertinnen und Experten ergänze die schulinterne Evaluation der Qualitätsprogramme und die landesweiten, länderübergreifenden und internationalen Schulleistungsstudien wie VERA, PISA und IGLU.
06.07.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz"Unsere Schulen haben die Aufgabe der permanenten Qualitätssicherung mit Engagement angenommen. Mit der neuen "Agentur Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen" gehen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt. Mit der Verbindung von schulinterner Qualitätssicherung und externer Evaluation werden die Anstrengungen, die auf eine Verbesserung des Unterrichts zielen, verstärkt. Schulen sollen so ihre Potentiale noch besser erkennen und zur eigenen Weiterentwicklung nutzen können", erläuterte Bildungsministerin Doris Ahnen.
Unabhängig von der herkömmlichen Schulaufsicht werde die Agentur regelmäßig externe Evaluationen an allen Schulen des Landes durchführen. Auf der Grundlage von schulstatistischen Daten, Qualitätsprogrammen, externen und internen Leistungsstudien und der Schulbesuche werde ein Evaluationsbericht erstellt, der Ausgangspunkt für Zielvereinbarungen zwischen Schule und Schulaufsicht zur Weiterentwicklung der Qualitätsarbeit sei. Es sei selbstverständlich, dass die externen Evaluatorinnen und Evaluatoren den besuchten Schulen die Befunde zurückmeldeten.
"Natürlich haben wir bei der konzeptionellen Entwicklung der Agentur über den Tellerrand geschaut und nationale und internationale Ansätze und Aktivitäten analysiert. Die Analyse der verfolgten Konzepte zur Qualitätssteigerung zeigt, dass das Element der externen Evaluation unter Einbezug von unabhängigen Evaluationsteams weit akzeptiert und realisiert wird. Die Agentur ist keine Konkurrenz zur Schulaufsicht, sondern eine wichtige und sinnvolle Ergänzung, die auf Kooperation mit den Schulen, der Schulbehörde, den Landesinstituten und dem Ministerium angelegt ist", so Ministerin Ahnen.
Für externe Evaluation sei kennzeichnend, dass sie unabhängig von der "klassischen" Schulaufsicht stattfinde, da dadurch eine neutrale, distanzierte und objektive Sicht der schulischen Qualitätsarbeit möglich sei. Die Mitglieder der Agentur bildeten so genannte Evaluationsteams, die in der Regel aus zwei Personen beständen. Den Teams könnten auch Mitglieder der Schulaufsicht angehören, aber nur solche, die gegenüber der zu besuchenden Schule keine schulaufsichtlichen Funktionen wahrnehmen. In den Evaluationsteams solle immer ein Mitglied sein, das die jeweilige Schulart aus eigener Arbeit kenne. Die Teams könnten weitere Kompetenzen aus Bildungseinrichtungen (z. B. Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern) bzw. Wirtschaft und Wissenschaft hinzuziehen.
Die "Agentur Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS)" werde stufenweise aufgebaut und bis Mitte 2006 auf insgesamt 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (incl. technischem und EDV-Fachpersonal) anwachsen. Die Stellen würden sukzessive ausgeschrieben und über Abordnungen und Einstellungen besetzt. Bei der Wahrnehmung von evaluatorischen Aufgaben solle Rotation erfolgen. Damit sei der zeitliche Wechsel von Personal zwischen allen Institutionen des Bildungsbereiches möglich. Im Laufe des Schuljahres 2005/06 würden gemeinsam mit Schulen, Schulbehörde und pädagogischen Serviceeinrichtungen die inhaltlichen Konzepte erarbeitet und mit interessierten Schulen erprobt.
Beginnend mit dem Schuljahr 2006/07 sollten innerhalb von drei Jahren alle 1615 staatlichen Schulen besucht werden. Der Schulbesuch zu einem vereinbarten Termin beinhalte Gespräche mit Schulleitung, Kollegium, Personalrat, Eltern- und Schülervertretungen, dem Schulträger, also mit allen an der Schulgemeinschaft beteiligten Gruppen, sowie Unterrichtsbesuche, so Ahnen. Der nach dem Besuch durch das Evaluationsteam erstellte Bericht werde mit der jeweiligen Schule rückgekoppelt und die Schule erhalte die Möglichkeit einer Stellungnahme. Danach stelle das Team den Bericht in eigener Verantwortung fertig und gebe ihn an Schule, Schulaufsicht und Ministerium. Die Berichte seien dann Grundlage für die schulaufsichtliche Beratung und entsprechende Zielvereinbarungen mit den Schulen.
Ein Weisungsverhältnis zwischen Schulaufsicht und Agentur bestehe nicht, vielmehr sei die Agentur als selbstständige Organisationseinheit im Geschäftsbereich des Bildungsministeriums dem Präsidenten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion direkt zugeordnet. Ein wissenschaftlicher Beirat, dem Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten aus Hochschulen, Schulen, Bildungsverwaltung und pädagogischen Serviceeinrichtungen angehören, wird außerdem die Arbeit der Agentur begleiten.
"Externe Evaluation gibt nicht nur wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der Einzelschulen, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit der Standortbestimmung hinsichtlich der Gesamtheit der Schulen. Sie leistet damit einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung des Gesamtsystems Schule. Mit der Agentur vervollständigen wir das Qualitätssicherungssystem für unsere Schule, sagte Doris Ahnen.
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