BEV und BLLV kämpfen weiter gegen Kategorisierung an bayerischen Grundschulen

Gemeinsam sprechen sich der Bayerische Elternverband (BEV) und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) erneut gegen die Kategorisierung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens in den Zeugnissen von Grundschulkindern aus und fordern die Staatsregierung auf, diese Maßnahme umgehend zurückzunehmen.

08.05.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Die BEV-Vorsitzende Ursula Walther und der BLLV-Präsident Albin Dannhäuser äußerten erhebliche Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit des Verfahrens, vor allem aber an der Kategorisierung selbst: "Kinder nach ihrem Verhalten in Kategorien von A bis D einzuteilen ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar." Daher sind BLLV und BEV strikt gegen jede Form der Kategorisierung von Kindern. In beiden Verbänden sind Tausende Lehrer und Eltern aus ganz Bayern organisiert.

Völlig unverständlich ist es nach Auffassung des BLLV-Präsidenten, dass in den neuen Grundschulzeugnissen die Bewertung des Schülerverhaltens gesetzlich festgeschrieben wird, obwohl der Ministerrat Ende 2005 eine Erprobungsfrist bis 2008 in Aussicht gestellt hatte.

Aus Sicht von BEV und BLLV ist die Sortierung von Kindern empirisch nicht haltbar und pädagogisch wie rechtlich fragwürdig. Dannhäuser: "Lehrerinnen und Lehrer können es nicht mit ihrem pädagogischen Gewissen vereinbaren, Kinder während ihrer Entwicklungsphase sozial zu stigmatisieren." Der Argumentation des Kultusministeriums, Kinder würden durch die Bewertung ihres Verhaltens dazu motiviert, sich im Unterricht und in der Schule stärker zu engagieren sowie Rücksicht gegenüber den Mitschülern zu üben, können weder BEV noch BLLV folgen. "Verhalten lässt sich nicht unabhängig von der Situation beurteilen, die zu diesem Verhalten geführt hat", erklärte Walther. Ihrer Meinung nach sind soziale Kategorien im Gegensatz zu mathematischen Gleichungen niemals per se richtig oder falsch. Walther: "So kann ein Streit zwischen Kindern verletzen, aber auch klären - für ein Urteil darüber müsste man die ganze Geschichte des Konflikts kennen, und das führt schnell ins Uferlose." Gerade Eltern wüssten, wie schwierig, ja unmöglich, das ist. Hinzu komme, dass auch der Beurteilende selbst in einem sozialen und emotionalen Kontext steht. "Sein Urteil ist deshalb immer subjektiv", betonte Walther und nannte auch hierfür ein alltägliches Beispiel: "Die Lebhaftigkeit eines Schülers empfindet die eine Lehrkraft als anregend für den Unterricht, die andere als störend."

Dannhäuser gab zu bedenken, dass der notwendige Beobachtungsaufwand Lehrerinnen und Lehrer daran hindere, der eigentlichen Lehrtätigkeit nachzukommen. "Lehrerinnen und Lehrer sind gezwungen, ihre Schüler permanent zu prüfen und zu beobachten. Sie werden einem aufwändigen Perfektionismus unterworfen, jede Bemerkung muss schließlich justiziabel und nachvollziehbar sein - Zeit, die den Lehrkräften im Unterricht fehlt. Mit dem formal-perfektionistischen Protokollieren des Schülerverhaltens muss Schluss sein."

Dannhäuser und Walther wiesen darauf hin, dass das Benoten von sozialem Verhalten Schüler zu kalkuliertem Verhalten erziehen könne: "Hilfsbereitschaft ist eindeutig positiv. Kinder können verführt werden, Hilfsbereitschaft vor allem dann zu zeigen, wenn der Lehrer, die Lehrerin gerade zusieht, damit sie in die ersehnte Güteklasse A kommen." Beide stellten klar: "Kinder sind individuelle, in ihrem Sozialverhalten nicht vergleichbare Persönlichkeiten. Die Kategorisierung lässt diesen Aspekt völlig außer Acht. Politiker müssen Kinder aber als Persönlichkeit wahrnehmen und respektieren."


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