Brückenschlag zwischen Europa und Asien
In Vertretung von Kultusministerin Dr. Annette Schavan hat der Amtschef des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, Ministerialdirektor Thomas Halder, am Dienstag das Schulprojekt "China - Sprache, Wirtschaft, Kultur" offiziell vorgestellt. Das Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Stuttgart, das Heinrich-Heine-Gymnasium in Ostfildern sowie das Stiftsgymnasium in Sindelfingen haben Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, in denen bis zu 20 Schülerinnen und Schüler von muttersprachlichen Lehrkräften Chinesisch-Unterricht erhalten. Ergänzt wird der Sprachunterricht durch Angebote zum Erwerb vertiefter Kenntnisse über den Wirtschafts- und Kulturraum China. Das Projekt wird von der Deutschen China-Gesellschaft begleitet und von der DaimlerChrysler AG sowie der Robert Bosch Stiftung finanziell unterstützt. Weiterer Projektpartner ist die Stadt Stuttgart.
07.06.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergIm Beisein des chinesischen Botschafters MA Canrong würdigte Halder das Schulprojekt als Beitrag zum "Brückenschlag zwischen Europa und Asien." Es gehöre zum Bildungsauftrag der Schulen, "bei jungen Menschen Neugierde auf andere Länder und fremde Kulturen zu wecken."
Das große Interesse von Seiten der Schüler und das positive Echo unter den Eltern seien ein Beleg für "die Faszination, die vom Reich der Mitte ausgeht." Das moderne China verbinde wirtschaftliche Dynamik mit Jahrtausende alter kultureller Tradition.
Halder verwies in diesem Zusammenhang auf eine geplante Informationsreise von Kultusstaatssekretär Helmut Rau zu Fragen der beruflichen Bildung nach China. China sei für die baden-württembergische und deutsche Wirtschaft ein Wachstumsmarkt und biete gerade auch für gut ausgebildete Nachwuchskräfte großer Unternehmen berufliche Perspektiven. Um beruflich in China tätig werden zu können, seien jedoch Kenntnisse der chinesischen Geschichte und Kultur unerlässlich und die Beherrschung der chinesischen Sprache von Vorteil. Durch Studienreisen nach China sollen die Schülerinnen und Schüler deshalb ihre erworbenen Kenntnisse in die Praxis umsetzen und eigene Eindrücke gewinnen können. Ministerialdirektor Thomas Halder dankte der Robert Bosch Stiftung und der DaimlerChrysler AG für ihre Unterstützung des Projekts.
Botschafter MA Canrong sagte bei der Präsentation, "dass sich immer mehr Jugendliche für Chinesisch als Fremdsprache interessieren und immer mehr deutsche Studentinnen und Studenten China als Ort eines Auslandsstudiums auswählen." Zur Zeit lernen mehr als 16.000 Menschen in Deutschland Chinesisch. Chinesischkurse gebe es in Deutschland an 70 Universitäten und Fachhochschulen. An mehr als 100 Gymnasien und Grundschulen in Deutschland werde Chinesisch als Wahlpflicht-Unterricht oder als zweite bzw. dritte Fremdsprache angeboten. Das Bundesland Baden-Württemberg zähle zu den Bundesländern, die sehr früh Chinesisch als Fremdsprache in den Gymnasien erfolgreich eingeführt hätten. Der Botschafter bedankte sich für dieses Engagement und sagte dem Schulprojekt an den drei Gymnasien seine Unterstützung zu. Er schenkte im Namen des Chinesischen Bildungsministeriums jedem der drei Gymnasien 100 Bände Lehrmaterialien.
"Obwohl China derzeit kein Schwerpunktland unserer Förderung ist, unterstützen wir das Projekt wegen seines Beispielcharakters für Völkerverständigung, Schul- und Schülerengagement sowie öffentlich-private Partnerschaft sehr gerne", sagte Dr. Joachim Rogall, Programmbereichsleiter der Robert Bosch Stiftung. Die 1964 gegründete Stiftung setzt die gemeinnützigen Bestrebungen des Firmengründers und Stifters Robert Bosch fort und beschäftigt sich traditionell mit den Themenfeldern Völkerverständigung, Bildung und Gesundheit.
"Als globales Unternehmen mit Aktivitäten in mehr als 200 Ländern verstehen wir uns nicht nur als wirtschaftlicher, sondern auch als kultureller Brückenbauer", betonte Gerd-Udo Hauser, Bereichsleiter Asien bei der Abteilung "Politik und Außenbeziehung" der DaimlerChrysler AG. Dafür sei das Erlernen der jeweiligen Landessprache sehr wichtig. China spiele für DaimlerChrysler eine wichtige Rolle für das operative Geschäft. Deshalb habe das Unternehmen schon seit vielen Jahren gezielt die Zusammenarbeit mit Universitäten gesucht und chinesische Mitarbeiter eingestellt. Für DaimlerChrysler sei es unerlässlich, künftig mehr Führungskräfte zu haben, die chinesisch sprechen. "Da in China wenige Menschen deutsch sprechen und in Deutschland wenige chinesisch, ist das Schulprojekt an den drei Gymnasien die richtige Initiative zur richtigen Zeit", so Hauser.
Die Deutsche China-Gesellschaft (DCG) unterstützt das Projekt mit Informationen und Unterrichtshilfen. "Wir wollen dazu beitragen, die Missverständnisse, Klischees und Vorurteile auszuräumen, die das noch immer in Deutschland herrschende China-Bild kennzeichnen", betonte deren Präsident Professor Gregor Paul. Dieses Ziel solle erreicht werden, indem "bereits junge Deutsche Chinesisch lernen, umfassend, detailliert und treffend über China informiert werden und sich persönlich mit jungen Chinesen austauschen können", so Paul weiter. Ein solches Engagement gehöre zum "Kernprogramm" der Deutschen China-Gesellschaft.
Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Dr. Iris Magdowski, die seit 2002 eine Gastprofessur an der TU Wuhan/China innehat, betonte, dass eine "wichtige Initialzündung für einen Schulaustausch und damit für das Schulprojekt von chinesischer Seite ausgegangen ist." Das große Interesse von Lehrern und Schülern in China, die deutsche Sprache, die deutsche Kultur und das deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsleben kennen zu lernen, sei eine große Ermutigung gewesen. Schulkontakte mit Schulen im Ausland seien für leistungsstarke Schulen in China eine Selbstverständlichkeit und steigerten ihr Renommee. Im Zeitalter der Globalisierung seien derartige Kontakte ein bildungspolitisches "Muss". Sie dankte Botschafter MA Canrong für die große Unterstützung, die die Projektbeteiligten durch die Bildungsabteilung der chinesischen Botschaft erfahren hätten.
"Wir nehmen im Augenblick noch gar nicht richtig zur Kenntnis, dass der Aufstieg Chinas das zukünftige Leben unserer Jugendlichen in hohem Maße beeinflussen wird", sagte Willi Fischer vom Heinrich-Heine-Gymnasium Ostfildern, der als Projektmanager für alle drei Gymnasien tätig ist. Schon aus diesem Grund sei es geboten, dass die Bildungspolitik reagiere und "wir uns Gedanken machen, wie wir die junge Generation darauf vorbereiten". Das Projekt sei ein erster Schritt in diese Richtung. "Wenn die heutigen Schüler in verantwortlichen Positionen sind, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mit China, seiner Wirtschaft und seiner Kultur zu tun haben", betonte Erhard Hönes, Schulleiter des Ferdinand-Porsche-Gymnasums. Die beteiligten Gymnasien seien deshalb dankbar für die Unterstützung des Projekts. Für das Stiftsgymnasium Sindelfingen sei der Chinesisch-Unterricht ein wichtiger Baustein in seinem Konzept der Begabungsförderung durch eine Kinder- und Jugendakademie. "Wenn wir Schülerinnen und Schülern die Chance zum vielfältigen Lernen geben, dann nutzen sie sie auch", sagte Schulleiter Rudolf Bleier.
Am Ferdinand-Porsche-Gymnasium wurde in den Klassen 10 und 13 eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, am Stiftsgymnasium in der Klasse 10 und am Heinrich-Heine-Gymnasium in den Klassen 5 bis 7 und 10 bis 11. Eine Arbeitsgemeinschaft umfasst 15 bis 20 Schülerinnen und Schüler. Den Sprachunterricht erteilen muttersprachliche Lehrkräfte. Die DaimlerChrysler AG unterstützt das Schulprojekt mit 15.000 Euro und stellt Experten des Unternehmens zur Verfügung, die die Schülerinnen und Schüler über die Wirtschaft Chinas informieren. Die Robert Bosch Stiftung beteiligt sich mit 50.000 Euro an dem Projekt und gewährt logistische Unterstützung bei dem geplanten Schüleraustausch. Finanzielle Unterstützung kommt auch von der Firma Festo in Esslingen und der Firma Arno in Ostfildern. Durch die enge Kooperation mit der Deutschen China-Gesellschaft bietet sich die Möglichkeit, den Sprachunterricht durch begleitende Veranstaltungen zur chinesischen Philosophie, Literatur, Kulturgeschichte und aktuellen Politik zu ergänzen. Im Anschluss an die Präsentation führte Kultusstaatssekretär Helmut Rau mit dem chinesischen Botschafter politische Gespräche.
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