Bundesweit einmalige Informationsstelle "ZeitZeichen" unterstützt chancengerechte Arbeitszeitgestaltung

Eine gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben entspricht nicht nur dem Wunsch vieler Frauen, sondern braucht auch aus gesellschaftlichen und ökonomischen Gründen Unterstützung. "Die Politik ist dabei zum einen durch die Gestaltung entsprechender Rahmenbedingungen gefordert, die insbesondere Frauen eine Berufstätigkeit erleichtern oder erst ermöglichen. Eine konsequente Frauenpolitik muss zum anderen aber auch durch die Unterstützung konkreter Projekte helfen, die Arbeitswelt frauen- und auch kinderfreundlicher zu machen", unterstrich Frauenministerin Doris Ahnen in einer Pressekonferenz, in der als ein Beispiel für solche vom Land geförderten Projekte die neue Informationsstelle für innovative Arbeitszeitmodelle "ZeitZeichen" in Trier vorgestellt wurde.

04.11.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Land ist zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Frauenerwerbsquote liegt aber mit 62,5 Prozent noch deutlich unter der von Männern mit 79,8 Prozent", erläuterte die Frauenministerin. Um die Chancen von Frauen in der Arbeits- und Berufswelt zu verbessern, sei dabei nur eine Doppelstrategie Erfolg versprechend. Daher setze die Landesregierung zum einen klare Schwerpunkte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit der Einführung der Vollen Halbtagsschule, dem bundesweit anerkannten Ganztagsschulprogramm, der gezielten Unterstützung der Kindertagesbetreuung und insbesondere mit dem Programm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" sei Rheinland-Pfalz vorbildlich.

Neben dem Bereich der Kinderbetreuung unterstütze und flankiere das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend – ergänzend zu den sonstigen arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumentarien – die stärkere Integration von Frauen ins Erwerbsleben beispielsweise mit dem "Programm zur Ein- bzw. Wiedereingliederung von Frauen in das Erwerbsleben", in dem Frauen gefördert würden, die nach einer Familienphase wieder in das Berufsleben zurückkehren wollten, sagte die Ministerin weiter. Durch die Förderung der Beratungsstellen "Frau und Beruf" in Altenkirchen, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Idar-Oberstein und Neustadt/Weinstraße ermögliche das Frauenministerium zudem eine gezielte und kompetente Beratung für Berufsrückkehrerinnen aus einer Hand. Mit beiden Maßnahmen zusammen würden jährlich rund 2.500 Frauen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt.

Die Chancen von jungen Frauen bereits bei der Berufswahl und beim Berufseinstieg vergrößern wolle das vom Land geförderte Ada-Lovelace-Projekt. Im Rahmen dieses Projektes würden seit 1997 Mädchen und junge Frauen insbesondere für Hochschulausbildungsgänge in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft und Technik und für Berufsausbildungswege im technischen Bereich motiviert. Seit Projektbeginn hätten über 300 Mentorinnen an praktisch allen Hochschulen und für duale Ausbildungswege auf Kammerebene weit mehr als 40.000 rheinland-pfälzische Schülerinnen erreichen können. Und das mit Erfolg: So sei beispielsweise der Frauenanteil bei den Studienanfängern in mathematisch-naturwissenschaftlichen Studienfächern in den letzten sieben Jahren in Rheinland-Pfalz von rund 35 Prozent auf rund 40 Prozent deutlich angestiegen.

Um aber insbesondere für Frauen die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich zu erreichen, seien auch konkrete Veränderungen in der Arbeitswelt nötig, unterstrich Frauenministerin Ahnen. Attraktive Arbeitszeitmodelle spielten dabei eine Schlüsselrolle. Mit der Kampagne "Führen in Teilzeit" gehe das Land als Arbeitgeber mit gutem Beispiel voran, was chancengerechte und familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung anbelangt. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilzeit auch in Führungspositionen machbar sei. Ein solches Angebot erhöhe ganz eindeutig die Karrierechancen von Frauen und könne sogar für beide Seiten, also für Beschäftigte und Arbeitgeber, zu einem Gewinn werden, sagte Doris Ahnen.

Da es gerade im Bereich der Arbeitszeitgestaltung noch erheblichen Informationsbedarf vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen aber auch bei interessierten Beschäftigten gebe, habe das Frauenministerium in diesem Jahr die Informationsstelle "Innovative Arbeitszeitmodelle" initiiert. Die Servicestelle zeichne sich dadurch aus, dass sie die Frage der Arbeitzeitgestaltung konsequent mit der Strategie des Gender Mainstreaming verknüpfe und damit Frauen und Männer mit ihren Wünschen und ihren unterschiedlichen Lebenssituationen in den Blick nehme.

Träger der neuen Servicestelle, die zum 1. Mai 2005 unter dem Namen "ZeitZeichen" ihre Arbeit aufgenommen hat, ist das Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier e.V. (Inmit) in Verbindung mit dem Beratungsbüro für Dienstleistungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich (DiWiSo). Die Leiterin der Servicestelle, Martina Josten, unterstrich, "ZeitZeichen" fungiere als Erstkontaktstelle sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich über rechtliche Rahmenbedingungen von Arbeitszeitmodellen und über erfolgreiche und bewährte Beispiele für eine chancengerechte, frauen-, kinder- und familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung informieren wollten. "ZeitZeichen" stelle solche Beispiele den Ratsuchenden vor und helfe bei der Umsetzung auf die besonderen Bedingungen in dem jeweiligen Betrieb.

Erste Erfahrungen zeigten, dass dieses spezielle Angebot nicht nur bei mittelständischen Unternehmen sowie Arbeitnehmerinnen sondern auch bei anderen Beratungsinstitutionen auf große Resonanz stoße, stellte Martina Josten fest. Etwa 2.500 Personen habe die Servicestelle bislang mit ihren Beratungsangeboten erreicht, mehr als 30 Unternehmen hätten sich in nicht einmal sechs Monaten bereits bei "ZeitZeichen" informieren lassen, wobei die Nachfrage stetig ansteige. Und mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die bereits in der Beratung von Betrieben aktiv seien, habe es schon mehr als 300 Kontakte gegeben. "Der enorme Zuspruch zeigt, dass die Servicestelle einen weiteren wichtigen Baustein im Gesamtkonzept zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstellt und damit insbesondere einen aktiven Beitrag zur Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt leistet", hielt Frauenministerin Ahnen abschließend fest.


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