DPhV zur neuen OECD-Studie:

Nach Ansicht des Deutschen Philologenverbandes zeigt die neue OECD-Veröffentlichung "Bildung auf einen Blick 2004", dass das deutsche Bildungswesen durchaus Fortschritte im internationalen Vergleich zu verzeichnen habe.

14.09.2004 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

DPhV-Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger hob dabei insbesondere die gegenüber 1998 bis 2003 um 25 Prozent gestiegenen Studienanfängerquoten hervor. Besonders positiv sei, dass in Deutschland mittlerweile wieder erheblich mehr Hochschulabsolventen aus den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern stammten. Hier zeigten sich erste Erfolge der auch vom Philologenverband unterstützten Initiativen für ein besseres Image der Naturwissenschaften bei Jugendlichen. Sehr erfreulich sei außerdem die Tatsache, dass in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Durchschnitt mit am geringsten sei.

Der DPhV-Chef wies auch darauf hin, dass das "dürre OECD-Zahlenwerk Education at a Glance" für sich allein genommen keine Aussagen über die Qualität von Bildungssystemen zulasse.

Defizite sieht Meidinger nach wie vor bei der Entwicklung der Bildungsausgaben. Er nannte es beschämend, dass Deutschland in diesem Bereich vom 10. auf den 15. Platz weiter zurückgefallen sei.

Der DPhV-Vorsitzende übte Kritik an dem geringen Unterrichtsangebot, das die deutschen Bundesländer ihren Schülern bieten. Wörtlich sagte er: "Auch wenn Unterrichtsvolumen und Unterrichtsqualität nicht gleichgesetzt werden dürfen, ist es doch erstaunlich und sicher auch nicht folgenlos, dass deutsche Jugendliche zwischen 10 und 20 Prozent weniger Unterricht erhalten als ihre ausländischen Mitschüler. Besonders der muttersprachliche Unterricht führt in Deutschland ein Schattendasein." Meidinger führte dieses Unterrichtsdefizit deutscher Schüler auch darauf zurück, dass viele Bundesländer in den letzten Jahren aus finanzpolitischen Gründen die Stundentafeln und das Unterrichtsangebot drastisch zusammengestrichen hätten.

Ausdrücklich lobte der DPhV-Vorsitzende den von der Kultusministerkonferenz in Gang gesetzten Reformprozess, warnte aber davor, durch ein zu schnelles Reformtempo ohne Einbezug der Betroffenen, insbesondere der Lehrer, den notwendigen Konsens aller Beteiligten zu gefährden und dadurch qualitative Verbesserungen zu verhindern.

Er betonte: "Reformen können einerseits nur greifen, wenn sie auch personell und finanziell ausreichend abgesichert sind. Andererseits brauchen die eingeleiteten Maßnahmen Zeit, um wirken zu können. Ein ständig überhastetes, hektisches Weiterreformieren kann auch kontraproduktiv sein."

Eine Absage erteilte Meidinger der Forderung nach einer grundlegenden strukturellen Veränderung des deutschen Schulsystems. "Die Vision der deutschen Gesamtschule ist an der Realität gescheitert. Wir brauchen keine Wiederbelebung dieser lähmenden Debatte!", sagte er abschließend.


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