didacta-Themendienst

„Durchlässigkeit und Chancengleichheit sind Zukunftsthemen.“

Stefanie Hubig ist seit Beginn des Jahres Präsidentin der Kultusministerkonferenz und hat das Thema Europa ins Zentrum ihrer Amtszeit gestellt. Im Interview spricht sie über Lehren aus der aktuellen PISA-Studie, den Wert der europäischen Idee und darüber, wie man dem Lehrermangel in Deutschland entgegenwirken kann.

22.01.2020 Artikel Andreas Müllauer
  • © Bildungsministerium RLP/Georg Banek Dr. Stefanie Hubig ist Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz und im Jahr 2020 KMK-Präsidentin.

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Frau Ministerin, Sie sind 2020 KMK-Präsidentin und haben beschlossen, das Thema „Europa (er)leben und gestalten“ in den Mittelpunkt Ihrer Amtszeit zu stellen. Wieso?
Zum einen ist es so, dass wir uns in Rheinland-Pfalz mitten in Europa befinden und mit unseren europäischen Nachbarländern sehr enge Kontakte pflegen. Zum anderen ist es für die Schülerinnen und Schüler Europas heute beispielsweise selbstverständlich geworden, mit Interrail durch Europa zu fahren, einen Schüleraustausch zu machen oder zum Studieren in verschiedene europäische Länder zu gehen. Ich habe aber die Sorge, dass der Wert dieser Privilegien nicht mehr so präsent ist wie in meiner Generation. Ich bin aufgewachsen, als Europa noch ein Europa der Grenzen war. Wir leben hier seit über 70 Jahren in Frieden und Freiheit und es war mir ein besonderes Anliegen, Schülerinnen und Schülern diese Bedeutung bewusst zu machen. Gerade in einer Zeit, in der die europäische Idee von vielen Seiten angegriffen oder kleingeredet wird.

Die Opposition im Landtag hat Sie in Bezug auf den Unterrichtsausfall an Schulen in Rheinland-Pfalz kritisiert. Wie kann man dem Lehrermangel auf Länderebene beikommen?
Wir haben es in diesem Schuljahr in Rheinland-Pfalz geschafft, alle Planstellen – und das waren über 1.000 – mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen. Wir haben kaum Quer- und Seiteneinsteiger, trotz einer bundesweit sehr angespannten Situation. Deswegen müssen wir in Deutschland für den Lehrerberuf werben. Wir müssen gute Arbeitsbedingungen schaffen, um mehr Bewerberinnen und Bewerber anzulocken. Dazu gehören natürlich auch eine ordentliche Bezahlung, kleine Klassen und gute Rahmenbedingungen. Ich merke aber auch: Viele Lehrkräfte sind begeistert von ihrem Beruf. Es wäre nicht verkehrt, diese Begeisterung deutlicher in die Öffentlichkeit zu tragen. Wenn man sich das aktuelle Ranking der OECD ansieht, stehen wir in Deutschland bei der Lehrerbesoldung europa- und weltweit gesehen sehr gut da.

Was sind ansonsten die größten Herausforderungen für das deutsche Bildungswesen auf Länder- und Bundesebene?
Die PISA-Studie hat gezeigt, dass Durchlässigkeit im Bildungssystem und Chancengleichheit die großen Themen der Zukunft sind. Dazu gehören auch Sprachförderung und Inklusion. Wir müssen schauen, dass wir mehr multiprofessionelle Teams in die Schulen bekommen. Wenn sich verschiedene Berufsgruppen an der Schule entlasten und stärken, ist das auch ein Faktor, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen.

Bei deutschlandweiten Bildungsstudien bewegt sich insbesondere Rheinland-Pfalz eher im Mittelfeld. Wie kann sich Ihr Land verbessern?
Bei Studien zur Digitalisierung stehen wir immer unter den ersten drei Ländern. Wir sind zudem das Land, bei dem die soziale Herkunft am wenigsten Ausschlag für den Bildungserfolg gibt. Trotzdem wäre ich natürlich gerne bei allen Rankings auf den vorderen Plätzen dabei. Wichtiger als irgendwelche Rankings ist aber, dass wir Grundschulkindern gut Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen und dass wir eine gute Sprachförderung haben. Dafür haben wir die Mittel in den letzten Jahren fast verdoppelt.

Vom 24. bis 28. März 2020 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Stuttgart zusammen.

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Forum Bildung
Europa (er-)leben und gestalten

  • Dr. Stefanie Hubig (Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerinfür Bildung des Landes Rheinland-Pfalz)
  • Prof. Dr. Michael Piazolo (Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus)
  • Henning Vollrath, Schulleiter Johann-Joachim-Becher-Schule Speyer

27.03.2020
14:45 bis 15:45 Uhr
Halle 3, Stand 3E72
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Forum didacta aktuell:
Lehrerfortbildung - Stiefkind der Bildungspolitik?

  • Dr.h.c. Peter Daschner (ehem. Landesschulrat in Hamburg, Mitherausgeber der o.g. Studie)
  • Dr. Stefanie Hubig (Bildungsministerin RP und KMK-Präsidentin 2020)
  • Prof. Dr. Hans Anand Pant (HU Berlin und Leiter der Deutschen Schulakademie)

27.03.2020
11:00 bis 11:45 Uhr
Halle 8, Stand 8B32
Veranstalter: Didacta Verband e.V.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2020 finden Sie unter www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2020 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.



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