Ergebnis der Lernstandserhebung in sieben Bundesländern vorgestellt

Heute sind in den sieben beteiligten Bundesländern die Ergebnisse der Lernstandserhebungen im vierten Schuljahr vorgestellt worden. Das Projekt VERA (VERgleichsArbeiten) unter der wissenschaftlichen Federführung der Universität Landau zeigt für alle Viertklässler aus den jeweiligen Ländern ganz konkret, wo diese in Deutsch und Mathematik Schwächen und Stärken haben und bietet somit die Grundlage für eine verbesserte Förderung der Kinder in der Schule.

19.01.2005 Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

"Die VERA-Ergebnisse ermöglichen es damit auch den Lehrerinnen und Lehrern in NRW, die Leistung ihrer Schülerinnen und Schüler besser einzuordnen - und zwar sowohl im Vergleich zum Durchschnittsergebnis der Grundschulkinder in NRW als auch im Verhältnis zu Klassen, die eine vergleichbare Zusammensetzung der Schülerschaft aufweisen", erklärte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer. "Die Daten liefern damit eine wichtige Grundlage für die qualitative Weiterentwicklung der schulischen Arbeit."

Am VERA-Projekt hatten sich im September 2004 sieben Bundesländer beteiligt - neben NRW waren das: Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Bremen und Berlin. Schülerinnen und Schüler aller vierten Klassen hatten dabei in Deutsch und in Mathematik Aufgaben lösen müssen, die zur Hälfte für alle gleich waren und zur anderen Hälfte von den Lehrerinnen und Lehrern aus einem vorgegebenen Aufgabenpool ausgewählt werden konnten.

Um ein differenziertes Bild zu erhalten, unterschieden die Wissenschaftler dabei in den beiden Fächern mehrere Teilbereiche. In Mathematik waren dies Arithmetik (Grundrechenarten), Geometrie sowie Sachrechnen (Textaufgaben); in Deutsch waren es Schreiben (Aufsatz), Lesen (Textverständnis), Orthographie und Sprachbetrachtung (Grammatik).

Für jeden dieser Teilbereiche wurden drei Fähigkeitsstufen - grundlegende, erweiterte und fortgeschrittene Fähigkeiten - definiert, denen die Leistungen der Kinder zugeordnet wurden. Konkret bedeutet dies, dass die Lehrer eine Rückmeldung darüber bekommen, auf welchem Fähigkeitsniveau die Kinder in den drei Mathematik- und den vier Deutsch-Teilleistungsbereichen stehen.

Auch die Eltern erhalten eine schriftliche Information von der Schule, aus der sie ersehen können, auf welchen Fähigkeitsstufen ihr Kind in den insgesamt sieben Bereichen steht, wie sich das Leistungsspektrum der Klasse darstellt und wie das der gesamten Jahrgangsstufe vier ihrer Schule aussieht.

Auch wenn VERA vor allem der individuellen Förderung dienen soll, lässt sich ein Ergebnis auf Landesebene ermitteln. Es sieht für Nordrhein-Westfalen wie folgt aus:

NRW-Landeswerte

Angaben in %) (Arithmetik - Geometrie - Sachrechnen - Lesen - Schreiben - Sprachbetrachtung - Orthographie)
____________________________________________

Nicht auswertbare Leistung: 2 - 2 - 4 - 7 - 8 - 2 - 2
Fähigkeitsniveau 1: 16 - 16 - 36 - 31 - 13 - 17 - 11
Fähigkeitsniveau 2: 33 - 52 - 34 - 35 - 40 - 48 - 59
Fähigkeitsniveau 3: 49 - 30 - 26 - 27 - 39 - 33 - 28

Die Tabelle zeigt, dass es keine gleichmäßige Verteilung der Kinder auf die drei Fähigkeitsstufen gibt: Die Gruppe, die auch anspruchsvolle Aufgaben löst, ist über alle Bereiche betrachtet größer als jene, die vor allem grundlegende Aufgaben lösen kann. Darüber hinaus zeigt die Tabelle zum Beispiel, dass die Viertklässler besonders stark in der Arithmetik (also bei klassischen Rechenoperationen) sind. Hier erreichen immerhin fast die Hälfte der Kinder die höchste Fähigkeitsstufe. Mit knapp 40 Prozent ist zudem die Gruppe der Kinder, die besonders gut schreiben kann (Aufsatz) relativ groß. Im Leseverständnis und beim Sachrechnen - also der Lösung von Textaufgaben - erreicht hingegen nur gut ein Viertel der Kinder das höchste Fähigkeitsniveau.

Die Forscher in Landau haben zudem verglichen, wie Kinder, in deren Elternhaus nicht Deutsch gesprochen wird - das waren in NRW etwa zwölf Prozent -, im Vergleich zu den übrigen Schülerinnen und Schülern abschneiden. Das Resultat: Diese Kinder haben durchgehend schlechtere Ergebnisse - zum Teil deutlich. So sinkt die Spitzengruppe beispielsweise in Arithmetik auf 33 Prozent (gegenüber 51 bei den übrigen Kindern) und im Lesen auf acht Prozent (gegenüber 30 bei den übrigen Schülerinnen und Schülern).

Die Grundzüge des Ergebnisses für Nordrhein-Westfalen finden sich - mit leichten Abweichungen - in allen beteiligten Bundesländern. So sind überall Arithmetik und Schreiben die stärksten Bereiche, gehören Sachrechnen und Lesen zu den schwächeren.

Prof. Helmke kommt mit Blick auf die Länderergebnisse zu folgender Einschätzung: "Insgesamt gesehen zeigen die Befunde eine sehr große Ähnlichkeit der länderspezifischen Ergebnismuster. Bedeutsame Länderunterschiede zeigen sich nur in wenigen Teilbereichen, und auch hier nur für Mecklenburg-Vorpommern (günstigere Leistungen in Arithmetik, verglichen mit Berlin, und günstigere Leistungen in Orthografie, verglichen mit Bremen)."

Interessanter als ein Ländervergleich ist für die Lehrerinnen und Lehrer ein Vergleich zwischen Schulen. "Dabei macht es wenig Sinn, beispielsweise eine Schule in einem Villenvorort mit einer Schule im sozialen Brennpunkt zu vergleichen", betonte Ute Schäfer. Um einen angemessenen Vergleich zu ermöglichen, haben die Wissenschaftler daher eine Stichprobe unter allen Schulen der beteiligten Bundesländer gezogen und die Schulen in vier verschiedene Kontextgruppen eingeordnet. Das reicht von einer Gruppe mit einem sehr guten Sozialgefüge und ohne nennenswerten Anteil von Kindern aus Zuwandererfamilien bis hin zu einer Gruppe, in der viele Familien Sozialhilfe empfangen und der Migrantenanteil sehr hoch ist.

Lehrerinnen und Lehrer können das Ergebnis ihrer Klasse mit ähnlichen Klassen aus dieser Stichprobe vergleichen. Dazu müssen sie auf der VERA-Homepage der Universität Landau einige Angaben zu ihrer Klasse machen und bekommen dann das Ergebnis der Gruppe, der ihre Klasse zugeordnet wurde, übermittelt.

Der Vergleich zwischen den Kontextgruppen zeigt, dass es zum Teil deutliche Unterschiede bei den Schülerleistungen gibt. Dennoch umfasst beispielsweise die Spitzengruppe bei Arithmetik auch in der sozial problematischsten Kontextgruppe vier noch immerhin 41 Prozent. Die Zahl der Kinder aus dieser Gruppe, die im Aufsatz das höchste Fähigkeitsniveau erreichen, sinkt hingegen auf 28 Prozent.

"Gerade beim Blick auf die Leistungsunterschiede in den Kontextgruppen zeigt sich, welch großen Einfluss die Lebensverhältnisse der Kinder auf ihr Leistungsvermögen haben", betonte Ute Schäfer. "Schule ist eben immer auch ein Spiegel ihres Umfeldes. Es ist wichtig, dass wir mit Sprachkursen bereits vor der Schule gerade Kindern aus Familien helfen, in denen nicht Deutsch gesprochen wird. Nur so können sie besser ihre Potentiale entfalten und damit einen sozialen Aufstieg schaffen. Darum gehört aus meiner Sicht auch den Ganztagsschulen die Zukunft, denn sie können - in einem gewissem Umfang zumindest - dazu beitragen, dass das Umfeld, in dem viele Kinder leben, verbessert wird und somit ihre Entwicklung besser fördert."

Die Ministerin bedankte sich bei den Lehrerinnen und Lehrern in NRW für das große Engagement, mit dem sie am VERA-Projekt teilgenommen haben. "Wir haben damit Neuland betreten und das bedeutet immer auch, dass alle Beteiligten noch hinzulernen können. Wir werden unsere Rückschlüsse ziehen, um das Projekt zu verbessern und den Aufwand für die Schulen zu verringern. Aber schon jetzt gilt: Wir haben mit VERA in einem in Deutschland bisher nicht gekannten Ausmaß für Transparenz und Offenheit gesorgt. Und das ist die entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche Reformpolitik. Denn nur wer seine Schwächen genauso kennt wie seine Stärken, kann gezielt daran arbeiten, sich zu verbessern."

Weitere Informationen zum Projekt VERA finden Sie auf der Homepage des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder unter www.bildungsportal.nrw.de sowie auf der Homepage der Universität Landau unter www.uni-landau.de/vera/.

Anlage:

Auswertungspapier der Landauer Forschungsgruppe zu VERA 2004


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden