GEW: "Junge Menschen brauchen Berufsperspektive"

Ein umfassendes Fünf-Punkte-Sofortprogramm zur Förderung junger Menschen unter 25 Jahren hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgelegt. "Junge Menschen brauchen eine Berufsperspektive. Entgegen aller schönfärberischen Darstellung werden 2005 jedoch noch mehr junge Menschen als im vergangenen Jahr keinen Ausbildungsplatz bekommen. Der 'Nationale Pakt für Ausbildung' ist gescheitert. Schon im Vorjahr ist der Wunsch von rund 200.000 jungen Menschen nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz nicht erfüllt worden", sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Montag in Frankfurt a.M. Das belegten die Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA). Den jungen Menschen fehle es nicht - wie von der Wirtschaft behauptet - an der notwendigen Ausbildungsreife. Es mangele an Ausbildungsplätzen. "Die Wirtschaft hat bis Juni fast zehn Prozent weniger betriebliche Lehrstellen angeboten als im Vorjahr", hob Thöne hervor.

04.07.2005 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Das GEW-Programm setze eine enge Abstimmung zwischen BA, Bund, Ländern und Kommunen vor. Es ziele insbesondere auf Gruppen wie alleinerziehende Frauen, Einwanderer und junge Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss. Diese hätten auf dem Arbeitsmarkt immer weniger Chancen und würden ins soziale Abseits geschoben. "Sie brauchen Qualifikationsangebote, die langfristig und auf Nachhaltigkeit angelegt sind", sagte der GEW-Vorsitzende. Dies bedeute ein Umsteuern in der Politik der BA. Die BA setze aus Gründen der Bereinigung der Arbeitsmarktstatistik auf Kurzqualifikationen und problemlos zu vermittelnde Arbeitnehmer.

Das GEW-Programm sehe ein Bündel von Maßnahmen vor. Auch die Berufsausbildungsvorbereitung müsse reformiert werden. Dabei müssten handlungs- und praxisorientierte Lernformen mit sozialpädagogischer Betreuung und Lebenshilfe unter einen Hut gebracht werden. "Aber nicht alle Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz dürfen einfach in Maßnahmen der Berufsvorbereitung abgeschoben werden. Sie benötigen zusätzlich betriebliche, außerbetriebliche und vollzeitschulische Ausbildungsangebote", betonte der GEW-Vorsitzende. Die berufsbildenden Schulen sollten ihr Stütz- und Förderangebot beispielsweise auch in allgemein bildenden Fächern ausweiten. Nur so seien Defizite junger Menschen etwa in den Grundkompetenzen Lesen und Mathematik zu beheben.

"Kein Fordern ohne Fördern: Arbeitsagenturen, ARGEN (Arbeitsgemeinschaften aus Arbeitsagentur und Kommunen) und Kommunen müssen endlich ihre Arbeitsfähigkeit sicher stellen. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, dass intern um Kompetenzen gestritten wird und sich keiner um die jungen Menschen kümmert, die unter die neuen Hartz IV-Regelungen fallen", unterstrich Thöne. Spätestens nach drei Monaten müsse jedem jungen Menschen wie von der Bundesregierung bei der Umsetzung von Hartz IV versprochen ein Angebot gemacht werden. "Das einseitige Abschieben in Ein-Euro-Jobs ohne Bildungs- und Qualifizierungsangebote ist keine Lösung."

In diesem Zusammenhang griff er den hessischen Minister-Präsidenten Roland Koch (CDU) scharf an: "Die Ankündigung Kochs, die berufliche Weiterbildung faktisch platt zu machen, ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges. Dieser Weg ist für immer mehr junge Menschen die 'zweite Chance', doch noch auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Wer hier die Axt anlegt, nimmt zehntausenden Menschen Lebens- und Arbeitschancen in unserer Gesellschaft!"


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