GEW: Rücktritt Hohlmeiers überfällig
Der Landesvorsitzende der GEW Bayern, Oskar Brückner, bezeichnete den Rücktritt der Kultusministerin Hohlmeier am vergangenen Freitag als überfällig. "Aus Sicht der GEW wäre aber die verfehlte und konzeptlose Schulpolitik ein triftigerer Grund gewesen als die keineswegs neuen parteiinternen Vorwürfe", meinte der Bayreuther Hauptschullehrer.
18.04.2005 Bayern Pressemeldung GEW BayernHohlmeier hätte niemals den unsinnigen Zeitdruck des Ministerpräsidenten für die Einführung des achtjährigen Gymnasiums akzeptieren und die Verantwortung für die hektische und planlose Umsetzung annehmen dürfen. Aber auch bei ihren eigenen "Reform"vorhaben habe sie sich als konzeptlose Ankündigungsministerin erwiesen. Wie viele Lehrerstellen fehlen, neu geschaffen wurden, weggefallen sind und eigentlich erforderlich wären, um Stundenausfälle zu vermeiden, wisse Hohlmeier wohl selbst nicht mehr.
Der Ausbau von Ganztagsschulen sei völlig unzureichend, das Konzept mit nur einem Ganztags-Klassenzug pro Schule fragwürdig, und unter Hohlmeiers Verantwortung habe der Missbrauch der Fördergelder des Bundes für Ganztagsschulen zugunsten der Finanzierung des Ausbaus des achtjährigen Gymnasiums begonnen.
Die als großer Wurf angekündigte Reform der Dienstlichen Beurteilung sei nach zweijährigem Hin und Her fast genau zur alten Fassung zurückgekehrt.
Die Kultusministerin sei seit Jahren nicht in der Lage gewesen, die eklatanten Schwächen und rekordverdächtigen Fehlerquoten des Schulverwaltungsprogramms abzustellen.
Nach Brückner besteht aber ihr schlimmstes Versagen im vollständigen Ignorieren und Schönreden der größten Mängel des bayerischen Schulwesens. Die PISA-Studie habe nochmals deutlich aufgezeigt, dass der Zusammenhang zwischen herkunftsbedingten Benachteiligungen und dem Schulerfolg in Bayern im Vergleich aller Bundesländer am stärksten sei. Fast zehn Prozent der Jugendlichen müssten in Bayern die Schule ohne jeden Schulabschluss verlassen. Gleichzeitig habe Bayern die geringste Abiturientenquote und müsse seinen Akademikerbedarf aus anderen Bundesländern importieren.
Zu keinem Zeitpunkt habe Hohlmeier kurzfristige Maßnahmen oder mittelfristige Konzepte vorgelegt, wie sie diese eklatanten Missstände angehen wolle. Brückner: "Von einem neuen Kultusminister erwarte ich eine ideologiefreie Bewertung der PISA-Ergebnisse und die Einleitung der erforderlichen Konsequenzen für eine bessere Förderung der Schülerinnen und Schüler unter Einbeziehung der Erkenntnisse der schul- und bildungspolitischen Wissenschaftler".
Keine Kommentare vorhanden