Integration nach Rütli

"Dass die Landesregierung das Unterrichtsfach Islamische Unterweisung an den Schulen ausweiten will, begrüßt der VBE", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Religionsunterricht muss in einem öffentlichen Schulwesen wie jeder andere Unterricht auch unter staatlicher Aufsicht stehen und darf nicht Kirchen oder Religionsgemeinschaften überlassen werden. Dieses Grundprinzip muss für alle Religionen gelten. Islamische Unterweisung darf folglich auch nicht den Koranschulen überlassen werden."

26.06.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Zur Integration gehört nach Ansicht des VBE aber auch der muttersprachliche Unterricht. Kinder lernen eine fremde Sprache leichter, wenn sie ihre Muttersprache perfekt beherrschen. Nach Informationen des VBE beabsichtigt die Landesregierung aber, Eingriffe in die Qualität des muttersprachlichen Unterrichts vorzunehmen. Der muttersprachliche Unterricht soll künftig zunehmend von so genannten Entsendelehrern abgedeckt werden, die von den Konsulaten ausgesucht werden und den muttersprachlichen Unterricht außerhalb der regulären Stundentafel anbieten.

"Das führt dazu, dass diese Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr Teil des Kollegiums sind, sondern mehr oder weniger abgesondert arbeiten", so Beckmann weiter. "Damit wird Kindern und Eltern auch signalisiert, dass dieser Unterricht nicht ganz so ernst genommen werden muss."

Grundsätzlich zu begrüßen ist auch die erklärte Absicht der Landesregierung, mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund für den Lehrerberuf gewinnen zu wollen. Dies setzt aber voraus, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund die Hochschulreife erlangen. Im Jahr 2005 schafften in NRW nur 10,3% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund das Abitur, bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund waren es dagegen 30%. Der höchste Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund war in NRW an den Hauptschulen zu finden.

"Man fragt sich, wie sich das ändern soll, wenn gleichzeitig das neue Schulgesetz die Basis für noch stärkere Auslese und weniger Durchlässigkeit in der Sekundarstufe I darstellt", so Beckmann abschließend. "Da fallen einem automatisch wieder die Worte des UN-Menschenrechtsexperten Vernor Munoz ein, der kritisiert hatte, das deutsche Schulsystem trenne Kinder viel zu früh voneinander, statt sie zu integrieren."


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