Kultusministerin Karin Wolff zieht positive Zwischenbilanz der hessischen Bildungspolitik für Zuwandererkinder:
"Angesichts der steigenden Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist die Integration zu einer zentralen bildungspolitischen Aufgabe geworden", erklärte Hessens Kultusministerin Karin Wolff heute bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden: "Mein Ziel ist, diese Kinder und Jugendlichen dauerhaft schulisch, sozial und beruflich zu integrieren." Dazu gehöre "unverzichtbar eine Förderung, die Zuwandererkinder in die Lage versetzt, gute Schulleistungen sowie qualifizierte Schul- und Berufsabschlüsse zu erreichen".
11.07.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenFür die Ministerin geht das Erlernen einer Sprache über den Erwerb rein sprachlicher Kompetenzen hinaus: Sprachliche Handlungsfähigkeit bedeute auch soziale und interkulturelle Kompetenz als Grundlage einer nachhaltigen Integration in die Gesellschaft. "Das Beherrschen der deutschen Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg", verwies Karin Wolf auf die positive Wirkung von Sprachkompetenz in allen Unterrichtsfächern. Nach aktuellen Studien und Berichten gelinge die Sprachförderung "dort am besten, wo systematisch gefördert wird" – das habe auch die diesjährige OECD-Auswertung der PISA-Daten von 2003 ("Where Immigrant Students Succeed") eindeutig ergeben.
"Mit Weitsicht und Konsequenz" habe die Hessische Landesregierung "bereits im Jahr 1999 begonnen, Voraussetzungen für eine bessere schulische Integration von Zuwandererkindern zu schaffen. Ob PISA 2000/PISA 2003 – insbesondere die aktuelle Auswertung 2006 ´Migranten´, IGLU, DESI, oder der Bericht ´Bildung in Deutschland´ 2006" – .die Kultusministerin sieht ihre Politik durch alle seit 2000 vorgelegten Studien und Bildungsberichte zu Integration und Bildung bestätigt: Hessen sei in der glücklichen Lage, nicht erst jetzt gesetzliche Regelungen und Einrichtungen zum Verbessern der Situation von Migrantenkindern überstürzt schaffen zu müssen, sondern längst beim Umsetzen solcher Maßnahmen.
Anhand konkreter Beispiele zog Karin Wolff eine positive Zwischenbilanz:
- Hessen hat seine gesetzlichen Regelungen bereits 2002 verabschiedet.
- Die Verordnung zum Schulbesuch von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache liegt seit 2003 vor.
- Hessen hat ein Gesamtförderkonzept für Deutsch-Fördermaßnahmen entwickelt, das den unterschiedlichen Kenntnisstand der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt.
- Als erstes Land der Bundesrepublik Deutschland hat Hessen 2002 flächendeckend kostenlose neunmonatige schulische Vorlaufkurse eingerichtet, an deren bislang vier Durchgängen inzwischen 22.385 Kinder teilgenommen haben.
- Die unter dem Titel "Deutsch & PC" seit dem Jahr 2001 eingeführte systematische Deutschförderung läuft mittlerweile an 59 Grundschulen mit hohem Zuwandereranteil in 14 von 15 Schulamtsbereichen. Einige weitere Anträge für dieses Kooperationsprojekt mit der Hertie-Stiftung haben die Schulbehörden bereits genehmigt.
- Hessen hat die Zahl der Angebote und die Zahl der Migrantenkinder in Deutsch-Fördermaßnahmen in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppelt.
- Durch konsequente Politik hat das Kultusministerium dafür gesorgt, dass zur Förderung von Migrantinnen und Migranten zur Verfügung gestellte Ressourcen auch tatsächlich für diesen Zweck genutzt werden.
- Die Zahl von ursprünglich 880 Stellen für Lehrkräfte zum Fördern von Zuwandererkindern wurde seit 1999 schrittweise auf 1.013 Stellen im Schuljahr 2006/07 erhöht – das sind noch einmal 48 Stellen mehr als im vorangegangenen Schuljahr.
- Hessen hat sich vorgenommen, vom Schuljahr 2006/07 an für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse ein Netz von Intensivklassen und Intensivkursen zu schaffen, um den Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, vor Eintritt in eine Schulform erst einmal verstärkt Deutsch zu lernen.
Im Schuljahr 2004/05 gab es 5.206 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in Hessen (davon 4.507 an allgemein bildenden Schulen). In den Jahren zuvor waren es rund 6.000 bis 8.000 Schülerinnen und Schüler in allgemein bildenden und beruflichen Schulen zusammen.
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