Neue Sparopfer: Ganztagshaupt- und Grundschulen
Mit der Kürzung zusätzlicher Lehrerstunden an Ganztagshauptschulen demonstriert das Kultusministerium die geringe Bedeutung, die es diesem Angebot innerhalb seiner Bildungspolitik beimisst. Die bislang 19 zusätzlichen Lehrerstunden für eine Ganztagsklasse wurden kurzerhand um sieben Stunden auf nun zwölf reduziert. Der vom Kultusministerium geplante Ausgleich von 6.000 Euro pro Hauptschule und Jahr kompensiert diese Kürzungen nicht einmal ansatzweise.
20.03.2006 Bayern Pressemeldung GEW BayernOskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Wenn Kultusminister Schneider davon spricht, dass Lehrerstunden an Ganztagsschulen zielgerichtet für Unterricht und individuelle Förderung eingesetzt werden sollen, verschleiert er damit die erneuten Einsparungen zu Lasten der Hauptschule. Schon jetzt kann an diesen Schulen jeweils nur ein Ganztagszug der Klassen 5 bis 9 eingerichtet werden - auch wenn ein höherer Bedarf besteht. Die Schere zwischen pädagogisch Notwendigem und tatsächlichen Möglichkeiten wird weiter auseinander klaffen."
Die GEW Bayern kritisiert außerdem, dass das Kultusministerium zahlreiche Anträge von Hauptschulen auf Einrichtung von Ganztagsklassen abgelehnt oder nicht in vollem Umfang genehmigt hat. Stattdessen wurden drei Viertel der Fördergelder des Bundes zum Ausbau von Ganztagsschulen missbräuchlich zur Finanzierung des G8 verwendet, obwohl dort in der Regel keine Ganztagskonzepte umgesetzt werden.
Noch schlimmer trifft die bildungspolitische Sparwut die Ganztagsgrundschulen, die mit nur sieben zusätzlichen Lehrerstunden bzw. 3.000 Euro abgespeist werden sollen. Oskar Brückner: "Ganz nach der Devise ´kleine Kinder brauchen auch nur kleine Investitionen´ verfolgt das Kultusministerium wider besseren Wissens einen grundfalschen Ansatz. Um das erwiesenermaßen sozial ungerechte Schulsystem in Bayern wirksam im Sinne der Kinder zu verändern, wäre eine frühe und konsequente Förderung notwendig, wie sie beispielsweise in Finnland praktiziert wird. So aber werden die ungleichen Bildungschancen weiter zementiert."
Die GEW Bayern unterstützt den Hinweis von Kultusminister Schneider auf die Bedeutung der Arbeit von Diplom-Sozialpädagogen an Ganztagsschulen. Deren Einsatz muss – in Verbindung mit Schulsozialarbeitern und anderen Professionen – besonders an Hauptschulen zur Regel werden. Umso unverständlicher ist es, wenn die tatsächliche Versorgung weit hinter dem Notwendigen zurückbleibt. Oskar Brückner: "Das Kultusministerium macht es sich hier einfach und verweist auf die Verantwortung der Kommunen. Sogar die bereits beschlossene bescheidene Einrichtung von 35 neuen Stellen pro Jahr wurde wieder eingefroren. Es muss ernsthaft hinterfragt werden, welchen Stellenwert Bildung hierzulande genießt, wenn Mittel nach Belieben gestrichen werden. Die Begründung, dass man sich diese Ausgaben nicht leisten könne, ist fadenscheinig, unrichtig und akzeptiert weiterhin die Ungerechtigkeiten im bayerischen Schulsystem. Finnland beispielsweise gibt im Vergleich zu Deutschland und gemessen am Bruttosozialprodukt nicht sehr viel mehr Geld für Bildung aus."
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