"Ohne gute Führung können Reformen nicht greifen"
Kultusminister Helmut Rau MdL hat den Schulleiterinnen und Schulleitern eine "Schlüsselrolle" bei der Umsetzung bildungspolitischer Innovationen zugewiesen. "Wir brauchen an der Spitze unserer Schulen starke Persönlichkeiten mit hoher Kompetenz und Fingerspitzengefühl. Ohne eine gute Führung können Reformen nicht greifen", sagte Rau am Donnerstag (20. Oktober) in Sindelfingen anlässlich des Schulleitertags der "Vereinigung von Schulleiterinnen und Schulleitern in Baden-Württemberg".
20.10.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDie bildungspolitischen Reformen der vergangenen Jahre hätten das traditionelle Aufgabenfeld und das Rollenverständnis der Schulleitungen verändert. Eine in ihrer Eigenverantwortung gestärkte Schule benötige einen Schulleiter, der sich als "pädagogische Führungskraft" verstehe. Modernes Schulmanagement bestehe vor allem in der Kunst, "die Talente der Lehrkräfte zu entfalten und gezielt einzusetzen". Rau weiter: "Die Zeiten, in denen ein Lehrplan minutiös abgearbeitet wird, sind vorbei. Die neuen Bildungspläne eröffnen größere pädagogische Gestaltungsmöglichkeiten und verlangen gleichzeitig mehr Eigenverantwortung für die Qualität von Schule und Unterricht." Der Kultusminister hob in diesem Zusammenhang die zentrale Bedeutung der Evaluation für die Schulentwicklung hervor. Unterricht könne nur verbessert werden, wenn alle an der Schule Beteiligten bereit seien, ihre eigene Praxis kritisch zu hinterfragen. Deshalb würde auch die Professionalität der Lehrkräfte auf den Prüfstand gestellt.
Das Land habe ein Bündel an Maßnahmen geschnürt, um die Stellung der Schulleiter zu stärken. Dazu gehöre die Genehmigung von Nebentätigkeiten der Lehrkräfte durch die Schulleiter ebenso wie die Möglichkeit schriftlicher Missbilligungen unterhalb der Ebene von Disziplinarmaßnahmen. Geplant sei weiter, dass Schulleiter zukünftig auch die Vorstellungsgespräche mit den Lehramtsbewerbern führen können. Darüber hinaus stehe ein umfangreiches Qualifizierungs- und Fortbildungspaket für die Schulleiter zur Verfügung. 82 Prozent der Schulleiter besuchten mindestens einmal jährlich eine Fortbildungsveranstaltung. Dies sei ein Beleg dafür, "wie ernst die Schulleiter die Verantwortung für ihre Schule nehmen".
Rau appellierte an die Schulleiter, sich noch stärker um die Rekrutierung des Führungsnachwuchses zu kümmern. "Wer außer Ihnen könnte besser die Potenziale, die in einzelnen Lehrkräften stecken, einschätzen und beurteilen?" Auch die Frauenförderung sei eine Aufgabe, die intensiv wahrgenommen werden müsse. Es sei erfreulich, dass der Frauenanteil an schulischen Führungspositionen in allgemein bildenden Schulen und im beruflichen Schulwesen auf insgesamt 28,5 Prozent angestiegen sei. Im Bereich der Grund- und Hauptschulen liege der Anteil an Schulleiterinnen sogar bei 35,5 Prozent. "Dies muss Ansporn sein, die Förderung von Frauen in Führungspositionen nochmals deutlich zu erhöhen."
Als Erfolg bewertete der Kultusminister die schulbezogene Stellenausschreibung. Diese habe sich insbesondere als Instrument zur Gewinnung von Lehrkräften in Mangelbereichen und Mangelregionen bewährt. Die schulbezogene Ausschreibung könne jetzt vollständig über Inter- und Intranet abgewickelt werden. Das Kultusministerium strebe an, für weitere Bereiche des Personalmanagements eine internetbasierte Unterstützung anzubieten. Als Beispiel nannte der Kultusminister ein Online-Verfahren für die Versetzung von Lehrkräften. Bei der Gewährleistung der Unterrichtsversorgung und der Erstellung der Schulstatistik würden Schulen und Schulverwaltung zukünftig durch elektronische Erfassungs- und Auswertungsverfahren unterstützt.
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