Philologenverband warnt vor neuem Schulkampf in Deutschland

Mit völligem Unverständnis hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, auf den Vorstoß rot-grüner Politiker reagiert, als Konsequenz aus der neuen OECD-Studie das gegliederte Schulwesen in Deutschland abzuschaffen.

16.09.2004 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

"Es ist absurd, mit dem Gymnasium ausgerechnet die Schulart in Frage zu stellen, die bei PISA im internationalen Vergleichsmaßstab sehr gut abgeschnitten hat und sich höchster Akzeptanz bei Eltern und Schülern erfreut. Zudem haben die Bundesländer mit den profiliertesten gegliederten Schulsystemen bei PISA 2000 die Spitzenplätze im innerdeutschen Vergleich belegt", sagte Meidinger.

Gesamtschulen teurer und leistungsschwächer

Gegen die deutschen Gesamtschulen gebe es seit Jahren eine Abstimmung mit den Füßen. Meidinger erinnerte daran, dass die umfassende BIJU-Studie (Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter) des Max-Planck-Instituts vor wenigen Jahren eindeutig nachgewiesen habe, dass der Leistungsrückstand von deutschen Gesamtschülern gegenüber Realschülern am Ende der Sekundarstufe I in Mathematik zwei (!) Schuljahre betrage. Außerdem schnitten die Gesamtschüler auch bei den sozialen Kompetenzen schlechter ab als ihre Mitschüler im gegliederten Schulwesen.

Dies sei um so bedenklicher, als deutschen Gesamtschülern rund 15 Prozent mehr Unterrichtsstunden, eine um 20 Prozent bessere Personalausstattung und mit 5500 Euro pro Schüler mehr Geld zur Verfügung stehe als Schülern an Gymnasien und Real- oder Hauptschulen. Auch die Dropout-Quote, also die Abbruchquote, sei an Gesamtschulen mit knapp sieben Prozent erheblich höher als an den Schulen des gegliederten Schulwesens.

Außerdem liefere auch der internationale Vergleich keinerlei Argumente für die Abschaffung des gegliederten Schulwesens, stellte der DPhV-Vorsitzende klar. So habe zwar die Mehrheit der Länder, die beim PISA-Vergleich vor Deutschland rangierten, integrative Systeme, aber ebenso 100 Prozent aller Länder, die hinter Deutschland liegen. Meidinger verwies in diesem Zusammenhang auf die Aussage von Prof. Jürgen Baumert in der "Süddeutschen Zeitung", wonach es auch international keine einzige seriöse wissenschaftliche Untersuchung gebe, die die Überlegenheit integrierter Schulsysteme beweise.

DPhV gegen Neuauflage eines lähmenden Schulkampfes

Derzeit gebe es offensichtlich eine langfristig vorbereitete, konzertierte Aktion von Politikern und ewiggestrigen Bildungsideologen im Verbund mit dem OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher mit dem eindeutigen Ziel der Abschaffung des gegliederten Schulwesens, kritisierte der DPhV-Vorsitzende.

Er warnte vor einer Neuauflage des lähmenden Schulkampfs der endsechziger und siebziger Jahre. Meidinger wörtlich: "Politiker und Parteien, die glauben, mit Totschlagargumenten aus den Mottenkisten von damals bei Wahlen Stimmen gewinnen zu können, werden sich täuschen. Ich habe aber die Befürchtung, dass eine neue Strukturdebatte den in der Kultusministerkonferenz gewonnenen Konsens zerstört und damit notwendige Reformen hin zu einer verstärkten Leistungsorientierung deutscher Schulen blockiert. Das darf nicht passieren!"


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