PISA-Vergleichsstudie 2005: Sachsen-Anhalt rückt auf - größter Entwicklungssprung unter den Ländern
Heute wurden in Berlin die Ergebnisse des Ländervergleichs im Rahmen der aktuellen PISA-Studie vorgestellt. Bayern führt erneut die Siegerliste an, gefolgt von Sachsen, Baden-Württemberg und Thüringen. Sachsen-Anhalt rückt vom drittletzten Platz in der vorigen Erhebung in das vordere Mittelfeld der Länder auf. Im Bereich Mathematik liegt das Land auf Platz 5. Sachsen-Anhalt ist damit das Land mit dem größten Entwicklungssprung seit der vorigen Vergleichsstudie, in mehreren Bereichen gilt dies auch im internationalen Maßstab.
15.07.2005 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-AnhaltFür Prof. Dr. Manfred Prenzel, den deutschen Koordinator der Studie, zählt deshalb Sachsen-Anhalt "zu den größten Gewinnern des aktuellen PISA-Ländervergleichs." Kultusminister Prof. Dr. Olbertz nahm die Ergebnisse mit Freude zur Kenntnis und erklärte: "Auf dieses Ergebnis können wir stolz sein. Es ist uns in den vergangenen Jahren gelungen, das Lernklima und die Anstrengungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler in Sachsen- Anhalt deutlich zu verbessern".
Wesentlichen Anteil daran habe offensichtlich die Aufbruchsstimmung, die mit der Regierungsübernahme und den ersten Gesetzesinitiativen zur Entwicklung der Schulen im Land verbunden gewesen sei. "Das hat die Barriere der Demotivation und Ratlosigkeit durchbrochen, die vor allem mit der Förderstufe und der Einführung der 13-jährigen Schulzeit bis zum Abitur zusammenhing", so der Minister. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Studie der Bertelsmannstiftung zur Standortqualität der Länder, in der sich kein Land um so viele Positionen und um so viele Punkte verbessert habe wie Sachsen- Anhalt.
Von einer Schere zwischen alten und neuen Ländern in der Schulentwicklung könne keine Rede mehr sein. Erwiesen habe sich auch, dass Zusammenhänge zwischen Jugendarbeitslosigkeit und Lernbereitschaft nicht von unmittelbarer Natur seien, sondern dass die jungen Leute durchaus ihre Perspektiven kennen und wissen, dass ihre Lern- und Leistungsbereitschaft entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Weg ins Berufsleben sind. Außerdem habe sich gezeigt, dass sich der weitgehende bildungspolitische Einklang in den mitteldeutschen Ländern auszahle. Die Zusammenarbeit zwischen ihnen solle künftig noch weiter verstärkt werden.
Olbertz warnte aber auch vor Euphorie. Es seien noch vielfältige Anstrengungen zur Fortsetzung und Konsolidierung der angestoßenen Projekte zur inneren Schulreform nötig. "Aber diese ersten Früchte der engagierten Mitarbeit der Lehrerinnen und Lehrer des Landes zur Verbesserung unserer Schulen sind ermutigend und zugleich Lohn der Anstrengung", so Kultusminister Olbertz. "Jetzt komme es darauf an,den eingeschlagenen Weg der inneren Schulreformen konsequent fortzusetzen und weiter auszugestalten."
Zentrale Ergebnisse des zweiten Vergleichs der Länder in Deutschland
I. Allgemein muss festgestellt werden:
- Gegenüber PISA 2000 ist bei PISA 2003 ein leichter Anstieg in den Kompetenzbereichen für Deutschland zu verzeichnen. Gleichzeitig haben aber die Bundesländer wie Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hohe Kompetenzzuwächse zu verzeichnen. Die Kompetenzunterschiede zwischen den Ländern haben sich insgesamt nicht entscheidend verringert.
- Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzniveau ist in Deutschland noch immer stark ausgeprägt.
- In der fächerübergreifenden Kompetenz "Problemlösen" lassen die Jugendlichen in Deutschland eine relative Stärke erkennen.
## II. Zu einzelnen Ergebnissen
- Mathematische Kompetenz (Seite 4, Abb. 1, Seite 13, Abb. 5 und Abb. 6) Während Bayern zur internationalen Spitzengruppe aufgeschlossen hat - nur 11 Punkte trennen noch von Finnland - haben 8 Länder u. a. auch Sachsen-Anhalt mit 502 Punkten den internationalen Durchschnittsbereich erreicht. Betrachtet man einzelne Teilbereich der mathematischen Kompetenz (Abb. 5 und 6) so hat Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Sachsen und Thüringen die höchsten Zuwachsraten.
- Lesekompetenz (Seite 6, Abb. 2, Seite 14, Abb. 7) In der Lesekompetenz erreichen Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen überdurchschnittliche Werte; allerdings liegt Finnland immer noch 25 Punkte über Bayern. Leider muss trotz der Verbesserung von 455 Punkten (PISA 2000) auf 482 Punkte (PISA 2003) konstatiert werden, dass Sachsen-Anhalt weiterhin unter dem OECD-Mittelwert (496 Punkte) bleibt. Trotzdem muss positiv vermerkt werden, dass Sachsen-Anhalt die höchste Zuwachsrate ausweist (Seite 14, Abb. 7).
- Naturwissenschaftliche Kompetenz (Seite 8, Abb. 3, Seite 15, Abb. 8) Mit Bayern (530 Punkte), Sachsen (522 Punkte) und Baden-Württemberg (513 Punkte) liegen drei Bundesländer gegenüber PISA 2000 signifikant über dem OECD-Mittelwert. Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen im internationalen Durchschnittsbereich. Auch bei diesem Kompetenzbereich hat Sachsen-Anhalt die höchsten Zuwächse (von 471 Punkte auf 503 Punkte).
- Problemlösen (Seite 10, Abb. 4) Im internationalen Vergleich haben die Jugendlichen aus Bayern, Sachsen und Thüringen überdurchschnittlich gut abgeschnitten - auch wenn Korea (550 Punkte), Finnland (548 Punkte) und Japan (547 Punkte) vor den genannten Bundesländern liegen. Sachsen-Anhalt liegt mit 501 Punkten im internationalen Durchschnittsbereich.
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