Rau wirbt für die Idee einer "Bewegten Schule"
Jahrestagung der Sektion Sportsoziologie der "Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft" in Tübingen Kultusminister Helmut Rau MdL will die Integration von Bewegung, Sport und Spiel in den gesamten Schulalltag weiter voranbringen. "Der Unterricht muss durch mehr Bewegungszeiten in und außerhalb des Klassenzimmers aufgelockert werden. Pausenhöfe sollen so gestaltet werden, dass zusätzliche Spielmöglichkeiten entstehen", sagte Rau am Donnerstag in Tübingen beim Jahreskongress der Sektion Sportsoziologie der "Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft".
17.11.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDer Kultusminister warb um Unterstützung für die Idee einer "Bewegten Schule". Als Vorbild könne das baden-württembergische Projekt der "Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt" dienen, das 2004 mit dem renommierten "Deutschen Präventionspreis" ausgezeichnet wurde. Es biete Kindern ein Minimum von 200 Minuten Bewegungsangebot pro Woche und werde bereits an 350 Grundschulen praktiziert. "Schule muss zu einer Bastion gegen eine vehement hereinbrechende Bewegungsarmut der Kinder und Jugendlichen und den damit verbundenen Krankheitsbildern und sozialen Auffälligkeiten werden." Dies verlange ein Wandel im pädagogischen Leitbild des Sportlehrerberufs.
Rau appellierte an die Sportlehrkräfte, sich zukünftig als "Sport- und Bewegungsmanager" zu verstehen. Es gehe darum, den traditionellen Sportunterricht in allen Schularten um zusätzliche Bewegungs- und Spielangebote zu ergänzen. Bei der Entwicklung innovativer Bewegungskonzepte komme der Zusammenarbeit mit den Sportvereinen eine Schlüsselrolle zu. Ziel müsse es sein, an jeder Schule ein umfangreiches Netzwerk aus Lehrkräften, Übungsleitern, Schülermentoren und Eltern zu knüpfen. Der weitere Ausbau der Ganztagsbetreuung biete dabei die Chance, die Zusammenarbeit mit den Vereinen zu intensiveren. Bereits jetzt gebe es jährlich 5.000 Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen. Insbesondere das Schülermentorenprogramm habe sich als Brücke zum außerschulischen Sport in den Vereinen bewährt.
Rau unterstreicht Bedeutung des Sportunterrichts
Rau bekannte sich zur Bedeutung des Sportunterrichts an den Schulen. Er wies erneut Berichte zurück, nach denen eine Abschaffung des Sportunterrichts in der gymnasialen Oberstufe geplant sei. "Eine gymnasiale Oberstufe ohne Sport wird es nicht geben", so der Minister. Der Sportunterricht der Zukunft werde durch eine ausgewogene Balance aus traditionellen Sport- und Bewegungsformen sowie Trendsportarten gekennzeichnet sein. Der Popularität neuer sportlicher Aktivitäten habe das Land mit den Konzeptionen "Inline-Skating" und "Klettern" bereits Rechnung getragen. Der Kultusminister hob auch die Bedeutung der Vorbildfunktion der Sportlehrer hervor. "Bildungspläne können nur so gut sein, wie ihre Umsetzung durch die Lehrkräfte gelingt", betonte Rau. Der Sportunterricht habe immer den Anspruch erhoben, wichtige Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Selbstdisziplin zu vermitteln. "Die Sportlehrkraft muss mit ihrem Verhalten vorleben, was sie gegenüber den Schülerinnen und Schülern und Eltern inhaltlich und ethisch vertritt", betonte Rau.
Undifferenzierte Darstellung der SPRINT-Studie kritisiert
Rau kritisierte erneut die undifferenzierte Darstellung der Ergebnisse der Schulsportstudie "SPRINT". Von der hohen Akzeptanz des Sportunterrichts bei Schülern und Eltern sei kaum etwas zu lesen gewesen, monierte der Kultusminister. Stattdessen sei der nachweislich falsche Eindruck entstanden, dass in Baden-Württemberg jede dritte bis vierte Sportstunde ausfalle. Dies sei auf eine Übertragung der bundesweiten Werte auf Baden-Württemberg zurückzuführen. Hinzu komme, dass die numerischen Werte der Schulleiterbefragung in der Auswertung durch die vagen Angaben der Schülerinnen und Schüler korrigiert worden seien. "Entscheidend sind für mich aber die Angaben der Schulleiter: Danach wird an Baden-Württembergs Grundschulen mehr Sportunterricht gegeben, als der Bildungsplan vorschreibt, an den Hauptschulen fällt nur jede 27. Stunde aus, an den Gymnasien wird jede 18. Stunde nicht gegeben."
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