Vergleichsarbeiten in Klasse 4: Die Ergebnisse sind unbrauchbar
In sieben Bundesländern \*) wurden im September des vorigen Jahres Vergleichsarbeiten in Deutsch und Mathematik geschrieben. Jetzt liegen die Ergebnisse auf dem Tisch und die Eltern werden über das Abschneiden ihrer Kinder informiert.
20.01.2005 Pressemeldung Grundschulverband e.V.Der Grundschulverband hat die Aufgaben einer genauen Analyse unterzogen **). Das Ergebnis ist niederschmetternd: "Die Aufgaben sind zum großen Teil unbrauchbar, zum Teil skandalös. Die Ergebnisse sind deshalb Makulatur", so fasst der Vorsitzende des Grundschulverbandes Horst Bartnitzky das Resultat zusammen.
Dazu einige Beispiele aus den Deutschtests:
1. Der Zufall entscheidet über Erfolg oder Misserfolg
Die Kinder sollten eine Wetterkarte interpretieren. Wenn dies Thema in der vorausge-gangenen Klasse 3 war, hatten die Kinder Glück, wenn es erst in Klasse 4 zum Thema wird, hatten sie Pech gehabt. Die Kinder sollten die Bedeutung der Redensart "jemandem etwas heimzahlen" klären. Das konnten die Kinder nur, wen sie die Redensart von zu Hause her kannten. Mit Schulleistung hat das gar nichts zu tun.
2. Wesentliche Schulleistungen sind ausgeklammert
Beispiel Nachdenken: Zum Wort Streit sollte das passende Wort schlichten gefunden werden. Kinder, die mit guten Gründen zum Beispiel "den Streit vertreiben" ankreuzten, machten einen Fehler. Beispiel: Schreibkompetenz: Die Kinder sollten in 20 Minuten einen Aufsatz schreiben. Tatsächlich verlangen die Lehrpläne, dass Kinder Texte planen lernen, sich über ihren Textentwurf miteinander beraten und dass sie eigene Texte überarbeiten. Viel Grundschulzeit wird in diese zentralen Ziele der Schreibkompetenz investiert. Nichts davon findet sich im Test.
3. Einige Aufgaben sind pädagogisch skandalös Ein Text zum Lesen war eine Prügelgeschichte in Wild-West-Manier - ein Schlag gegen die Friedenserziehung in den Grundschulen.
In einem Aufsatz sollten die Kinder ihre Oma um einen Computer als Geschenk angehen. Dies offenbart sowohl mangelnde Sensibilität mit der finanziellen Situation vieler Großeltern als auch den völlig unkritischen Umgang mit Maßlosigkeit - ein Schlag gegen die Konsumerziehung in Elternhaus und Schule.
Dass viele Lehrkräfte den Kindern bei der Durchführung der Aufgaben geholfen haben, dass sie bei der Auswertung geschönt haben, war zwar unzulässig, aber angesichts der gravierenden Mängel der Aufgaben verständlich. Das aber macht die Ergebnisse nur noch unbrauchbarer. Der Erkenntniswert ist gleich null. Angesichts der Zeit und der Geldmittel, die hier aufgewandt wurden, ist dies ein schulpolitischer Skandal.
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*) VERA - Vergleichsarbeiten, in den Ländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein.
**) Die Analysen erscheinen Anfang Februar in der Zeitschrift des Grundschulverbandes: GRUNDSCHULE AKTUELL.
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