Bildungsgipfel - GEW Rheinland-Pfalz: Lamentieren genügt uns nicht.

"Recht hat Kurt Beck, wenn er auf dem Bildungsgipfel ein höheres finanzielles Engagement des Bundes fordert. Das entlässt das Land Rheinland-Pfalz aber nicht aus der Verantwortung", kommentierte Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW), den Beginn des Bildungsgipfels. Keinesfalls dürften Bund und Länder sich gegenseitig die Schuld für die finanzielle Unterversorgung des Bildungswesens in die Schuhe schieben um letztendlich gar nichts oder zu wenig zu tun. "Ich hoffe, den Worten, die wir hören, werden auch Taten folgen."

22.10.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung GEW Rheinland-Pfalz

In nahezu allen Bereichen des Bildungswesens gebe es trotz des zugegebenermaßen nicht unerheblichen Engagements von Seiten des Landes deutlichen Handlungsbedarf. "Seit PISA vergeht kaum ein Tag, an dem nicht konstatiert wird, wie wichtig, ja existenziell das Bildungswesen für Deutschland sei", so Hammer weiter. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften seien sich da weitestgehend einig. Doch während die Anforderungen an die Beschäftigten stetig steigen, würden die Anpassungen der Rahmenbedingungen an diese Ansprüche sträflichst vernachlässigt. Vielerorts sei der Alltag kaum zu bewältigen, die Voraussetzungen für dringend notwendige innovative Bildungsprogramme nicht ausreichend gegeben.

"Im Grunde haben wir im Bildungsbereich kein Erkenntnis-, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem", so Hammer weiter. "Für die viel beschworene individuelle Förderung brauchen wir Ressourcen:

  • Deutlich kleinere Gruppen in Kindertagesstätten, insbesondere - aber nicht nur - bei Aufnahme von Kindern unter drei Jahren.
  • Kleinere Klassen in den Schulen und Doppelbesetzungen bezüglich des Lehrpersonals insbesondere - aber nicht nur - in den niederen Klassenstufen.
  • Ausreichende Zeitkontingente für Leitungskräfte sowie in Schulen als auch in Kindertagesstätten, damit die Bildungsprozesse professionell umgesetzt und gesteuert werden können.
  • Ausbau der Schulsozialarbeit.

All das wünschen wir uns nicht nur, sondern diese Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der heutigen Ansprüche an das Bildungswesen."

In den nächsten Jahren gebe es, so Hammer weiter, einen hohen Bedarf an Fachkräften, der kaum zu decken sei. Nicht nur, aber gerade auch im Bildungsbereich. So sei beispielsweise der Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz 2010 für zweijährige und 2013 für einjährige Kinder zu bewältigen. "Die Berufe im Bildungsbereich müssen aber auch attraktiv sein und eine Perspektive bieten." Erzieherinnen und Erzieher bilde man beispielsweise nach der mittleren Reife fünf Jahre lang in Berufsschulen aus. Und dies mit Verdienstausssichten, die in keinem Verhältnis zum Anspruch und der Verantwortung stünden, die die Kolleginnen und Kollegen vor Ort tragen. "Ausbildung mindestens auf Fachhochschulniveau und damit verbunden die Gewährleistung einer angemessenen Bezahlung", lautet hier die Forderung der GEW. Notwendige Maßnahmen um die Attraktivität des LehrerInnenberufs zu steigern sind die Vereinheitlichung des Verdienstes auf gymnasialem Niveau sowie eine deutliche Senkung der Unterrichtsverpflichtungen.

Des Weiteren sieht die GEW Rheinland-Pfalz Handlungsbedarf im Bereich der Hochschulen. Dass Abiturienten oftmals den Weg an die Hochschule scheuten, sei für die Wirtschaft im Allgemeinen und für den Bildungsbereich im Speziellen höchst problematisch. "Wir brauchen im Bildungsbereich nicht nur irgendeinen Nachwuchs", so Hammer zu dieser Problematik, "sondern den Besten, den wir kriegen können. Dazu benötigen wir ausreichend Studienplätze und angemessene räumliche, sachliche sowie personelle Ausstattung der Universitäten. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Es ist gut, wichtig und anerkennenswert, dass Rheinland-Pfalz trotz vielerlei Anfeindungen beharrlich den Verzicht auf Studiengebühren vertritt."

Aufgrund der Länderhoheit im Bildungswesen sei das Land Rheinland-Pfalz gefordert. "Das Lamentieren, der Bund müsse mehr Geld geben, ist verständlich, reicht aber alleine nicht aus", so Hammer abschließend.

Ansprechpartner

GEW Rheinland-Pfalz

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden