"Der Politik konstruktiv den Weg weisen"
Personal und Arbeitsbedingungen gelten als zentrale Qualitätsfaktoren in der Kindertagesbetreuung. Doch sind sie abhängig von sozialpolitischen Entwicklungen, Strukturmerkmalen und dem gelungenen Zusammenwirken von Bildung, Betreuung und Erziehung. Beim Bildungstag des KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg) und des didacta-Verbandes der Bildungswirtschaft wurde am Samstag auf der didacta in Stuttgart über das Thema "Fachkräfte in Kitas – im Spannungsfeld zwischen Qualität und Realität" diskutiert. In Themenforen befassten sich die Tagungsteilnehmer unter anderem mit Arbeitszufriedenheit, Personalentwicklung und Fortbildungsmöglichkeiten.
28.03.2014 Pressemeldung didacta - die Bildungsmesse"Eine gelingende Bildungsbiografie hat ihr Fundament in der frühkindlichen Erziehung", sagte Prof. Dr. mult. Wassilios Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes, in seinem Grußwort. Wolle man den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht werden, müsse man die Effizienz des Bildungssystems steigern. "Wir müssen die Bildung neu konzeptualisieren, nicht als individuellen Vorgang, sondern als interaktiven, sozialen, nicht allein vom Kind gestalteten Prozess." Wichtig sei dabei eine Regulierung des Systems selbst, gerade im Hinblick auf Übergänge: "Das System weist in jeder Phase eine andere theoretische Fundierung auf. Es ist somit nicht auf Kooperation ausgelegt." Diese Praxis weiterzuführen, sei ein "Irrglaube". Um eine hohe Qualität zu erreichen, bedürfe es einer starken Regulierung und einer starken Deregulierung gleichermaßen: "Wir müssen uns darauf verständigen, was sinnvoll ist. Bildungsplan, Finanzierung, Ausbildung des Personals und Evaluation sind nicht deregulierbar – der Rest ja."
Fthenakis forderte, die Ausbildungsqualität bundesweit einheitlich neu zu definieren, denn "Diversität ist der Nährboden für Ungleichheit und damit für Ungerechtigkeit." Nicht zuletzt nähmen auch kontextuale Faktoren "unmittelbaren Einfluss auf das, was in der Kita passiert". Die Diskussion sei bislang jedoch von Begriffen wie Personalschlüssel und Gruppengröße beherrscht, dabei gelte es, auch das Verhältnis zum jeweiligen Träger und vor allem "die Familien als Bildungsort" stärker einzubeziehen.
KVJS-Verbandsdirektor Senator e.h. Prof. Roland Klinger lobte im Anschluss die "konstruktive Zusammenarbeit" mit dem Kultusministerium. Man komme zu "guten Lösungen". Die Realität basiere "auf Erfahrungen, die man nicht kurzfristig macht", daher sei es wichtig, "Bilanz zu ziehen und der Politik konstruktiv den Weg zu weisen". Dies sei die Grundlage für weitere Entwicklungen. Marion von Wartenberg, Staatssekretärin des Kultusministeriums Baden-Württemberg, stimmte zu: "Bei allen guten, fachlichen Ansätzen – solange wir die Politik nicht gewinnen, werden wir nichts weiterentwickeln. Ich nenne das eine Verantwortungsgemeinschaft." So habe etwa der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu einer gesellschaftlichen Aufwertung der Betreuungsberufe geführt und mehr junge Menschen dazu bewegt, sich für eine Ausbildung in diesem Bereich zu entscheiden.
Ähnlich positiv bewertete von Wartenberg die "Möglichkeit einer Anerkennung von Professionen aus den Nachbarländern, aus EU-Ländern. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir multiprofessionelle, multikulturelle Teams bekommen." Man öffne sich für neue Anforderungen der Betreuung, die "nicht wegdiskutierbar" seien, und müsse nun "die Teams befähigen, diesen Anforderungen gerecht zu werden". Denn: "Qualitativer Kita-Ausbau bedeutet Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte!"
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