Lernorte

Erleben statt drüber reden

Viele Lernorte außerhalb der Einrichtung wecken Neugier und bieten wertvolle Lernerfahrungen für Kita-Kinder. Eine Übersicht von Silvia Gallus und Roman Eisner.

22.10.2024 Bundesweit Artikel Meine Kita
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Heinrich Schulmann brachte es 1973 in seinem Gedicht „Typisch“ auf den Punkt: „Der Lehrer nimmt den Bach durch. Er zeigt ein Bild. Er zeichnet an die Wandtafel. Er beschreibt. Er schildert. Er erzählt. Er schreibt auf. Er diktiert ins Heft. Er gibt eine Hausaufgabe. Er macht eine Prüfung. Hinter dem Schulhaus fließt munter ein Bach vorbei. Vorbei.“

Was Schulmann für Schulen aufzeigte, gilt auch für Kindertageseinrichtungen: Manchmal übersieht man das Naheliegendste. Daher lohnt es sich, gemeinsam zu überlegen, welche Lernorte sich in der Umgebung der Einrichtung befinden. Ist die Kita nah an einem Wald oder Fluß gelegen? Ist der Zoo gut erreichbar oder gibt es ein interessantes Mitmach-Museum in der Nähe?

Steht ein Ausflugsziel fest, ist eine gute Vorbereitung wichtig: Genehmigungen einholen, Hin- und Rückfahrt planen, Lerninhalte festlegen (siehe Kasten). „Die Fachkraft kann sich dabei auch überlegen, wie sich digitale Angebote zur Vorbereitung, und während des Besuchs des Lernortes nutzen lassen“, empiehlt Lissy Jäkel, Professorin an der Hochschule Heidelberg, die zu außerschulischen Lernorten forscht. Zu einem Ausflug in die Natur können die Fachkräfte etwa ein digitales Mikroskop oder das Tablet mitnehmen, um Fotos zu machen und mit BilderkennungsApps wie Google Lens die Pflanzen im Wald zu identifizieren. Außerdem sollten Fachkräfte darüber nachdenken, wie sie nach dem Ausflug das Erlebte mit den Kindern aufgreifen und verarbeiten wollen. Nur dadurch lernen die Kinder dazu, so Jäkel.

Ideen für Lernorte außerhalb von Kita und Schule

Museen

  • Kindermuseen: Diese sind speziell auf die Bedürfnisse und Interessen von Kindern ausgerichtet und bieten interaktive Ausstellungen.
  • Naturkundemuseen: Hier können Kinder Dinosaurierskelette, Fossilien und andere naturwissenschaftliche Exponate entdecken
  • Freilichtmuseen und historische Stätten: Diese Orte bieten Einblicke in die Geschichte und das Leben vergangener Zeiten, oft durch interaktive und kindgerechte Ausstellungen.

Bauernhöfe

Zoos und Aquarien

Kulturelle Einrichtungen

  • Kinderbibliotheken: Diese bieten eine große Auswahl an Büchern und oft auch spezielle Leseveranstaltungen oder Kreativworkshops für Kinder an.
  • Theater für Kinder: Kindgerechte Theaterstücke fördern die Fantasie und das Verständnis für Geschichten und Charaktere.
  • Musikschulen und Konzerte: Hier können Kinder Musikinstrumente kennenlernen und erste musikalische Erfahrungen sammeln.

Sport- und Freizeitstätten

  • Schwimmbäder: Fördern die motorischen Fähigkeiten und das Vertrauen im Wasser.
  • Kletterparks und Abenteuerspielplätze: Hier können Kinder ihre körperlichen Fähigkeiten austesten und stärken.

Wissenschaftszentren und Planetarien

Außerschulische Lernorte in die Einrichtung holen: Mit Virtual Reality (VR)

Das fühlt sich wie eine Taucherbrille an“, beschreibt das Mädchen die VR-Brille auf ihrem Gesicht. Virtual RealityBrillen sind in Kindertagesstätten bislang die Ausnahme. Was mit ihnen möglich ist, probierte eine Bewegungskita im sächsischen Aue-Bad Schlema aus: Virtual Reality-Experte Andreas Weigel vom Unternehmen Diginetmedia kam vergangenes Jahr in die Einrichtung, um mit 360-Grad-Videos und VRTechnologie den Kindern Berufe erlebbar zu machen. Für ein paar Minuten tauchten die Kinder in die Welt eines Notfallsanitäters, Tierwirts oder Dachdeckers ein. Das Projekt wurde ursprünglich für Schulen entwickelt in Zusammenarbeit mit dem sächsischen Kultusministerium.

Checkliste für Ausflüge mit Kita-Kindern

Vor dem Ausflug:

  1. Planung und Genehmigung: Ziel festlegen und buchen, Genehmigung vom Träger einholen, Eltern informieren und Einverständniserklärungen einholen
  2. Informationen sammeln: Adresse und Kontakt des Ausflugsziels, Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Transportmittel organisieren
  3. Sicherheit: Risikoanalyse und Erste-Hilfe-Ausrüstung überprüfen, genügend Betreuungspersonal organisieren
  4. Lerninhalt mit den Kindern besprechen

Am Tag des Ausflugs:

  1. Ausrüstung und Materialien: Namensschilder, einheitliche Westen oder Mützen, wettergerechte Kleidung, Verpflegung, Wasser, Notfallkontakte, Erste-Hilfe-Kit, Liste der besonderen Bedürfnisse/Allergien, Utensilien wie Kamera, Tablet
  2. Verhaltensregeln: Regeln und Notfalltreffpunkt mit Kindern besprechen

Während des Ausflugs:

  1. Transport: sichere Verladung, regelmäßiges Zählen der Kinder
  2. Ankunft: Notfalltreffpunkt festlegen, Überblick verschaffen
  3. Aktivitäten: geplante Aktivitäten durchführen, Pausen einplanen, Kinder kontinuierlich beaufsichtigen

Nach dem Ausflug:

  1. Rückkehr: sicherer Transport, sicherstellen, dass alle zurückkehren oder abgeholt werden
  2. Nachbereitung: Feedback einholen, Ausrüstung überprüfen, Lerninhalt nachbereiten

Dieser Artikel ist zuerst im Magazin Meine Kita Ausgabe 3/2024, S. 30-32 erschienen.



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