Familienministerin will private Kinderbetreuung unterstützen
(bikl) Weil der zugesagte Ausbau der Kinderbetreuung anders nicht zu schaffen sei, will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die private Kinderbetreuung stärker fördern. Das berichtet heute die "Frankfurter Rundschau". Demnach sollen künftig nicht nur gemeinnützige Träger staatliche Zuschüsse bekommen, sondern auch gewinnorientierte Betreiber von Krippen und Kindertagesstätten.
19.03.2008 ArtikelIn dem Entwurf, so berichtet die FR, der Ende April vom Kabinett verabschiedet werden soll, setze von der Leyen für Kindertageseinrichtungen die bisherige Auflage außer Kraft, dass die Träger der öffentlichen Jugendhilfe gemeinnützige Zwecke erfüllen müssen. Künftig sollen die Länder entscheiden können, ob sie als Betreiber für staatlich geförderte Kitas oder Krippen auch gewerbliche Betreiber wählen.
Dieser Vorschlag von der Leyens stieß sofort auf heftige Kritik – sowohl beim Koalitionspartner als auch bei Verbänden und Gewerkschaften. "Wir sehen das sehr kritisch", sagte SPD-Fraktionsvize Christel Humme der "Frankfurter Rundschau". Die Umsetzung der Pläne würde zu schweren Verwerfungen in der "gemeinnützigen Trägerlandschaft" führen.
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) warnte vor Anbietern in nicht gemeinnütziger Trägerschaft, die ausschließlich kommerzielle Interessen verfolgten und auf diesen Markt drängten. Gemeinwohl orientierte Träger zeichneten sich von ihrer Unternehmensphilosophie her durch Wertegebundenheit aus. Nicht zuletzt deshalb würden Schulen aus sozialgesellschaftlichen Gründen ganz überwiegend einer öffentlich gemeinwohlorientierten Trägerschaft unterliegen, heißt es in einer Pressemitteilung der AWO. Bildung, Betreuung und Erziehung dürfe nicht der Quotenerfüllung zum Platzausbau oder reiner Gewinnmaximierung geopfert werden.
Und der Jugendhilfeexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Norbert Hocke, erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau: "Kindertagesbetreuung ist Teil eines ganzheitlichen Bildungsauftrags. Und Bildung darf keine Ware werden, mit der man Geschäfte machen kann." Die gewerblichen Kitas und Krippen pickten sich dann die Rosinen raus - die Kinder von gut betuchten Bildungseltern. Die Problemkinder blieben bei den öffentlichen oder gemeinnützigen Trägern. "Damit geht die soziale Selektion noch weiter", so Hocke wörtlich.
Weiterführende Links
- Frankfurter Rundschau: Geld für private Kitas
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