Grundstein für Bildung von Anfang an gelegt
Kinder früher, nachhaltiger, individueller und intensiver zu fördern, ist das grundlegende Ziel des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren, den Sozialministerin Silke Lautenschläger und Kultusministerin Karin Wolff heute in einer ersten Entwurfsfassung in Wiesbaden vorgestellt haben. Erstmals in Deutschland entwickelt das Land Hessen gemeinsam mit Bayern ein umfassendes Bildungskonzept, das sich nicht auf einen Altersabschnitt beschränkt, sondern die gesamte kindliche Entwicklung zwischen dem ersten und dem zehnten Lebensjahr berücksichtigt. "Der vorliegende Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg Hessens zum Bildungsland Nr. 1", sagten die Ministerinnen.
21.03.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Das Kind muss im Mittelpunkt stehen. Wichtig ist spielerisches Lernen von Anfang an. Kinder sind neugierig, wollen mitmachen und gefördert werden", betonte Sozialministerin Lautenschläger. Neuere Erkenntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung und der Entwicklungspsychologie hätten gezeigt, dass gerade die frühkindliche Phase von 0 bis 3 Jahren prägend für die weitere Entwicklung eines Kindes sei und die Grundlage für das lebensbegleitende Lernen bilde. "Wir möchten alle an Bildung und Erziehung Beteiligten an einen Tisch holen, auch die Familien", ergänzte Kultusministerin Wolff. "Nur wenn wir alle aktiv in die Umsetzung des Plans einbeziehen, können wir die Qualität der frühen Bildung entscheidend verbessern."
Der Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans wurde von einer Fachkommission unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis vom Staatsinstitut für Frühpädagogik München erarbeitet. Die Fachkommission setzt sich aus Experten der Ministerien und verschiedener Institutionen zusammen, darunter Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der Kirchen, der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der Unternehmerverbände, der Staatlichen Schulämter sowie Fachkräfte und Eltern.
In einer knapp dreimonatigen Anhörungsphase wird der Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans jetzt öffentlich zur Diskussion gestellt. Verbesserungsvorschläge, Anregungen und Kritikpunkte sollen im Anschluss in eine weitere Fassung des Plans einfließen. Im Kindergarten-/Schuljahr 2005/06 wird der Bildungs- und Erziehungsplan dann an 60 ausgewählten Einrichtungen in die Erprobungsphase gehen. Kindertagesstätten und Grundschulen können sich gemeinsam als Tandempartner für die Teilnahme bewerben. "In der Erprobungsphase geht es darum, den Plan mit Leben zu füllen und ihn auf seine Praxistauglichkeit zu testen", erklärten die Ministerinnen Wolff und Lautenschläger. "Hier sind Kreativität, Erfahrung und Engagement von Eltern, Fach- und Lehrkräften gleichermaßen gefragt."
Der Bildungs- und Erziehungsplan setzt einen Orientierungsrahmen für Eltern, Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher. Neben gemeinsamen Bildungs- und Erziehungszielen beinhaltet er einrichtungsübergreifende, ineinander übergehende Handlungsleitlinien, wie die individuellen Fähigkeiten der Kinder gezielt und kontinuierlich gefördert werden können. Insbesondere Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen sollen zu einem aufeinander aufbauenden Bildungssystem zusammengeführt werden.
Im Mittelpunkt des Bildungs- und Erziehungsplans steht die Stärkung von Grundkompetenzen, die Kinder gemäß ihres Entwicklungsstands erwerben können. Dabei sollen sie von Anfang aktiv in die Lernprozesse eingebunden werden. "Wer zum Beispiel schon in der Kindertagesstätte lernt, dass Spiele gemeinsam ausgesucht werden können und die Meinung jedes Kindes zählt, dem fällt es später leichter, den eigenen Standpunkt zu vertreten und Kompromisse einzugehen", erläuterte Wolff. Soziale Kompetenz sei durchaus spielerisch zu vermitteln. "Kinder können durch gezielte Anregung sehr viel lernen, ohne dass dabei ihre Kindheit in Frage gestellt wird."
Sozialministerin Lautenschläger und Kultusministerin Wolff hoben hervor, dass die Sprachförderung ein weiteres Kernelement des Bildungs- und Erziehungsplans sei. "Sprachkompetenz spielt eine wichtige Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung und ist Grundvoraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben." Die Landesregierung setze bereits im Kindergarten- und Vorschulalter erfolgreich Sprachförderprogramme um. Sprachkompetenz müsse die gesamte Kindheit über an allen Bildungsorten gefördert werden.
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