Keine heile Kinderwelt
"Wenn ich auf meine Lebenszeit zurückblicke, dann habe ich weit mehr Zeit lesend als schreibend verbracht", so Mirjam Pressler. Ein Satz, den man kaum glauben mag. Es sei denn, ihr Tag hätte mehr als 24 Stunden. Schließlich hat Mirjam Pressler, eine der bekanntesten Jugendbuchautorinnen Deutschlands, mehr als 30 Bücher geschrieben und rund 200 Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Niederländischen, Flämischen, Hebräischen, Englischen und Afrikaans ins Deutsche übersetzt. Mit dem Schreiben angefangen hat sie mit knapp 40 Jahren. Heute feiert sie ihren 65. Geburtstag.
18.06.2005 Artikel1980 debütierte sie mit dem Roman "Bitterschokolade", einer Geschichte um ein übergewichtiges Mädchen und deren erste Liebe. Dieses Buch wurde 1980 mit dem Oldenburger Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Mit Preisen und Auszeichnungen ging es dann munter weiter: Gleich zwei Mal erhielt Mirjam Pressler den Deutschen Jugendliteraturpreis, sie bekam die Carl Zuckermayer-Medaille "für ihre Verdienste um die deutsche Sprache" und 2004 wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Deutschen Bücherpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geehrt.
Nicht bloß Erheiterung
Presslers Markenzeichen: Sie beschreibt die Probleme von Jugendlichen, ohne zu verharmlosen. "Bei Kinder bin ich noch bereit, Konzessionen zu machen, also zu überlegen, was kann man einem Kind zumuten, was kann es aushalten und verstehen", erklärte sie 1989 in einem Interview. "Bei Jugendlichen mache ich das nicht mehr. Was Jugendliche lesen wollen, können sie auch aushalten. Wenn sie es nicht können, legen sie das Buch weg. Literatur bedeutet ja nicht ausschließlich Erheiterung."
Nie hoffnungslos
Die Kinder in ihren Büchern wachsen in schwierigen sozialen Verhältnissen auf, sie erleben Verluste und Ausgrenzung, nie aber Hoffnungslosigkeit. "Mein Thema ist - im weitesten Sinn - die beschädigte Kindheit, ist letztendlich die Verwunderung darüber, dass das Leben, der Wille zu leben, zum Glück meist stärker ist als alles, was Menschen sich gegenseitig antun", so Mirjam Pressler in einem Vortrag an der Universität Frankfurt.
Anne Frank
Zentrale Themen im Werk von Mirjam Pressler sind das Dritte Reich und der Holocaust. 2001 erschien der Roman Malka Mai. Darin schildert sie die Flucht einer jüdischen Ärztin mit ihren beiden Töchtern von Polen nach Ungarn während des zweiten Weltkriegs. Dieser Roman basiert auf der wahren Lebensgeschichte einer Frau, die heute in Israel lebt. Ende der Achtziger übersetzte Mirjam Pressler, die selbst Jüdin ist, die Kritische Gesamtausgabe der Tagebücher von Anne Frank. 1992 erschien dann ihr erstes Sachbuch Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anne Frank.
Schullektüre
Es ist wohl der unverblümte Blick auf die Realität, der den Erfolg von Presslers Büchern ausmacht - bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Und schließlich bei einer weiteren Zielgruppe, die zu den Weichenstellern für Leselust oder Lesefrust gehört: den Lehrern. Presslers Bücher gehören nämlich unterdessen zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht vieler Schulen. Nickel Vogelpfeifer etwa in der Grundschule, Stolperschritte oder Bitterschokolade in der Sekundarstufe.
Weiterführende Links
Homepage von Mirjam Pressler
Unterrichtsmaterialien vom Beltz Verlag zum Downloaden(u.a. zu Büchern von Mirjam Pressler).
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