Kinderbildungsgesetz: Großer Titel – wenig Mittel

"Laden Sie eine/n Landtagsabgeordnete/n in Ihre Kindertageseinrichtung ein und machen mit ihm oder ihr den Praxistest".

07.08.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Diesen Appell richtet der VBE an alle Kindertageseinrichtungen des Landes. In der Zeit zwischen dem 03. und 14. September 2007 sollen möglichst viele Landtagsabgeordnete die Möglichkeit bekommen, einen Tag lang aktiv in die Arbeit einer Erzieherin bzw. eines Erziehers einzusteigen.

"Letzten Endes sind es die Erzieherinnen und Erzieher, die das neue Kinderbildungsgesetz umsetzen müssen", erklärt dazu der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Für die Abgeordneten kann es im Sinne einer sachgerechten Entscheidung nur ein Gewinn sein, deren Arbeitsalltag einmal hautnah zu erleben."

Das geplante Kinderbildungsgesetz droht nach Auffassung des VBE die Qualität der frühkindlichen Bildung zu verschlechtern. Die Landesregierung scheint "modern" mit "billig" gleichzusetzen, wenn sie dieses Gesetz "das modernste Kindergartengesetz Deutschlands" nennt. Wenn Eltern künftig 19% statt bisher 13% der Betriebskosten decken sollen, muss das zwangsläufig zu einer Erhöhung der Beiträge führen.

"Das wird genau die Kinder treffen, die den Besuch in einer Kindertagesstätte am dringendsten brauchen", so Beckmann weiter. "Eltern mit geringem Einkommen werden ihre Kinder aus den Tageseinrichtungen abmelden und ihnen damit zwangsläufig Bildungschancen nehmen."

Die Landesregierung will offenbar die frühkindliche Bildung ausschließlich nach Wettbewerbs- und Konkurrenzkriterien ausrichten. Wenn es beispielsweise keine Vorgaben mehr für Gruppengrößen gibt, werden sich in einem unfairen Wettbewerb diejenigen Einrichtungen behaupten, die die größten Gruppen bilden und die pädagogische Qualität in den Hintergrund stellen. Wenn Pauschalen die tatsächliche Bemessung der anfallenden Kosten ersetzen, wird das einen ähnlichen Effekt haben.

"Der VBE unterstützt den Appell der Initiative "So nicht, Herr Minister!" an die Eltern, sich in die politische Diskussion einzumischen und genau nachzufragen, was die Landesregierung unter einem modernen Kinderbildungsgesetz versteht", so Beckmann abschließend. "Die Landesregierung ist mit dem Anspruch angetreten, dass NRW ein Land für Kinder werden soll", so Beckmann weiter. "An diesem Anspruch wird sie sich jetzt messen lassen müssen."


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