Kita-Gesetz scheitert im Praxis-Test
Hohe Arbeitsbelastung, unzureichender Gesundheitsschutz, erhöhte Ausfallzeiten, geringere pädagogische Qualität: Die Arbeitszufriedenheit in den Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Das geht aus einer qualitativen, nicht repräsentativen Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW hervor.
05.02.2026 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-HolsteinDie Ergebnisse der Befragung stellte die GEW-Co-Landesvorsitzende Franziska Hense am Donnerstag, 5. Februar 2026 den Mitgliedern des Sozialausschusses im schleswig-holsteinischen Landtag vor. „Die Landesregierung hat die Situation in den Kindertagesstätten zwar reformiert, aber nicht verbessert. Ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Kita-Gesetzes sieht es in vielen Bereichen schlimmer aus als zuvor. Wir brauchen einen ehrlichen Qualitätscheck und durchgreifende Nachbesserungen bei den Arbeitsbedingungen“, so ihre Bilanz.
Als ein „Manko mit Ansage“ habe sich in der täglichen Praxis die unzureichende Berücksichtigung von krankheitsbedingten Ausfallzeiten erwiesen, sagte Franziska Hense. „Es war von Anfang an klar: Der Anstellungsschlüssel deckt die Realität in keiner Weise ab. Die im Kita-Gesetz bei der Personalbemessung angesetzten 15 Tage werden hinten und vorne nicht reichen. Denn in Wirklichkeit sind es 32 Tage (Quelle: Bertelsmann-Stiftung 2024).“ Diese „Verdrängung der Wirklichkeit“ stellten die Kitas gerade in diesen Tagen mit vielen Erkältungskrankheiten vor riesige Herausforderungen. Gleichzeitig verschärften die Personalausfälle weiter die Situation für die verbleibenden Beschäftigten, weil ein verlässliches Vertretungssystem fehle.
Ebenfalls brenne den Beschäftigten der fehlende Rückhalt bei Gruppenschließungen auf den Nägeln, berichtete die GEW-Co-Landesvorsitzende. Durch die Einführung des Anstellungsschlüssels blieben Gruppen trotz personeller Unterbesetzung offen. Oder, wie es eine Kollegin in der Befragung formulierte: „Es ist kaum mehr möglich, bei fehlendem Personal Gruppen zu schließen, weil eine pädagogische Fachkraft so massiv viele Kinder betreuen "darf". Verantwortung wird an die Leitungen abgegeben. Das sorgt für Unverständnis bei den Eltern und wir haben die Probleme damit, während der Gesetzesgeber fein raus ist.“
Als ein Alarmsignal bewertete Franziska Hense die Aussage von 83 Prozent der Befragten, ihren eigenen fachlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden zu können. Die pädagogische Arbeit reduziere sich immer mehr auf „reine Aufsicht“. Die Gruppen seien einfach zu groß, klagten die Beschäftigten. Die Zeit reiche oft nicht, um den Bildungsauftrag der Kitas angemessen umzusetzen. Pädagogische Arbeit werde dann in die private Freizeit verlagert oder finde parallel zur Arbeit am Kind statt. Folge seien unbezahlte Mehrarbeit, Entgrenzung der Arbeitszeit sowie wachsende Entwertung pädagogischer Professionalität.
Negativ auf die Arbeitszufriedenheit wirke sich zudem die Last mit der Bürokratie aus. Die Politik rede viel von Bürokratieabbau, doch die Kitas spüren keine Entlastung. Das Personal kämpfe mit überbordenden Dokumentationspflichten, könne dabei aber auf keine funktionierende digitale Infrastruktur zurückgreifen.
Zusammengefasst forderte die GEW-Co-Landesvorsitzende:
- kleinere Gruppen
- mehr qualifizierte Fachkräfte statt ungelernter Hilfskräfte
- ausreichend Zeit für pädagogische sowie mittelbare pädagogische Arbeit
- mehr Freistellung und Unterstützung für Leitungskräfte
- bessere Bezahlung für qualifiziertes Personal
Info zur Befragung
Durchführung: Ende September bis Anfang November 2025
Teilnahme: 169 Teilnehmer*innen. Der Fokus lag auf qualitativen Rückmeldungen mit viel Freitext. Damit sollte die groß angelegte Umfrage aus dem Jahr 2024 (1.400 Teilnehmende) um konkrete Beispiele aus der Praxis ergänzt werden.
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