Kita-Studie: Vom Osten lernen
(bikl) Die Eckpunkte der neuen OECD-Studie waren bereits in den Vorabberichten der letzten Tage benannt worden: Deutschland gibt zu wenig Geld für Kinder aus, die Qualitätsanforderungen der Bundesländer an die Kitas seien "anspruchslos und die Ausbildung der Erzieherinnen "auf niedrigem Niveau". Heute hat Bundesfamilienministerin Renate Schmidt die Studie in Berlin vorgestellt und die bisher bekannt gewordenen Informationen konkretisiert.
30.11.2004 ArtikelDickes Lob für die neuen Bundesländer
Danach bekommen die neuen Bundesländer ein dickes Lob in Sachen Kinderbetreuung: In diesem Teil des Landes, so der Bericht, existiere eine "hervorragende Versorgungslage". Die neuen Bundesländer verfügten bei der Betreuung von Vorschulkindern "über eines der am besten ausgebauten Systeme auf der Welt" und werden beim Versorgungsumfang mit Kinderkrippen, Kindergärten und Schulhorten nur noch von einigen skandinavischen Ländern übertroffen, heißt es in der Studie. Außerdem könne hier fast allen Eltern, die eine Betreuung für Kinder ab zwölf Monaten benötigten, ein Kindergartenplatz angeboten werden.
Bedrückende Zahlen im Westen
Eher bedrückend sind allerdings die Zahlen aus den alten Bundesländern: die Versorgungsrate mit Krippenplätzen für unter Dreijährige beträgt hier 2,7 Prozent - gegenüber knapp 37 Prozent in den neuen Ländern. Noch größer sind die Unterschiede bei den Hortplätzen für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren: Ganze 6,4 Prozent beträgt der Versorgungsgrad im Westen, im Osten sind es 67,6 Prozent
Mehr Kompetenzen für den Bund
In Deutschland liegt die Kinderbetreuung in der Verantwortung der Länder. Um hier zu einem gerechteren Angebot zu kommen, empfiehlt die OECD in ihrer Studie auch, dem Bund mehr Kompetenzen zu übertragen.
Dazu erklärte Familienministerin Schmidt in einem Interview mit InfoRadio, dass die Länder gerade versuchten, das Kinder- und Jugendhilferecht, dessen Bestandteil die Kinderbetreuung ist, in ihre alleinige Zuständigkeit zu bringen. "Das wäre vor dem Hintergrund dieser OECD-Studie das Falscheste überhaupt."
Keine Männer
Im Länderbericht wurde auch das vollständige Fehlen von Männern in der Kindertagesbetreuung problematisiert. Das sollte nicht als selbstverständlich hingenommen werden, heißt es. In Europa gäbe es verschiedene Projekte, um mehr Männer für diesen Beruf zu interessieren. In Deutschland, so die Empfehlung, sollte man ähnliche Modelle entwickeln.
Zwanzig Länder nehmen teil
Bislang haben sich 20 Länder bereit erklärt, an der Untersuchung teilzunehmen: Australien, Österreich, Belgien, Kanada, die Tschechische Republik, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Korea, Mexiko, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Großbritannien und die USA. Informationen über die Besuche und verschiedenen Länderberichte im Rahmen der Untersuchung können auf der Webseite des Projekts eingesehen werden.
Weiterführender Link:
Der OECD-Länderbericht (.pdf Format)
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