Kultusministerium unterstützt Alphabetisierungsprojekt von BR alpha

"Wir können nur die Bilder aufnehmen, die wir erkennen können. Wir erkennen nur, was wir wissen. Und wissend werden wir durch Worte - durch das geschriebene Wort. Analphabeten sehen sich damit sowohl im Beruf wie auch im Privatleben tagtäglich einer Fülle von Schwierigkeiten gegenüber, die für uns, die wir wie selbstverständlich lesen und schreiben können, kaum zu ermessen sind", unterstrich Kultusminister Schneider auf einer Pressekonferenz zur Sendereihe "Das Kreuz mit der Schrift", die von BR alpha produziert und heute im Münchner Gasteig vorgestellt wurde.

11.10.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Die sechsteilige Sendereihe "Das Kreuz mit der Schrift" wird ab dem 21. Oktober jeweils freitags um 21.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen (BR alpha) ausgestrahlt. Sie greift in Form einer fiktionalen Fernsehserie unter Mitwirkung namhafter Schauspieler wie Robert Atzorn, Ron Williams oder André Eisermann die Thematik des "Analphabetismus" auf. Dabei verbirgt sich hinter jedem Protagonisten der Fernsehserie eine "echte" Biographie". Die Bayerischen Volkshochschulen haben begleitend hierzu ein Kurskonzept erarbeitet, das passgenau auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten ist. Das Kultusministerium unterstützt die Einrichtung dieser Kurse mit zusätzlichen Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Als Schirmherr des Alphabetisierungsprojekts fungiert Kultusminister Siegfried Schneider.

Während der so genannte "primäre Analphabetismus", also der Nichterwerb von Lese- und Schreibkenntnissen, in der heutigen Zeit zu Recht als überwunden gelten darf, stellt der "funktionale Analphabetismus" inzwischen ein nicht mehr weg zu diskutierendes gesellschaftliches Problem dar. Der Preis für die Dominanz unserer durch Bilder geprägten Welt ist der drohende Verlust der Schreib- und Lesekompetenz. Menschen, die durchaus über Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben verfügen, die aber die Schriftsprache nicht im heute als notwendig angesehenen Umfang beherrschen, benötigen ein zukunftsgerichtetes Bildungsangebot.

Aus der Tatsache, dass in unserer schriftdominierten Gesellschaft inzwischen bereits rund vier Millionen Menschen als funktionale Analphabeten gelten, ergäben sich, so Schneider, zwei Notwendigkeiten: Einerseits gelte es im schulischen Unterricht die Grundlagen so zu legen, dass die Fähigkeiten zum Lesen und Schreiben sich dauerhaft sichern ließen, andererseits sei es wichtig, den aktuell betroffenen erwachsenen Analphabeten konkrete Unterstützung anzubieten. "Wir beginnen mit einer gezielten Förderung bereits im Kindergarten", unterstrich der Kultusminister. "Das Erlernen gesicherter Fertigkeiten im Lesen und Schreiben zählt zu den zentralen Aufgaben der Grund- und Hauptschulen." Die Lehrpläne für alle weiterführenden Schularten enthielten vielfältige Maßnahmen zur Steigerung des Leseverständnisses, der Leseflüssigkeit und des Lesetempos. Auch über den Unterricht hinaus biete man vielfältige Projekte an, etwa "Takim - gemeinsame Lesenachmittage für deutsche und ausländische Schüler und ihre Mütter" oder durch das Internetprogramm "anatolin.de", das sich großer Beliebtheit erfreue.

Was nun Angebote zur Förderung erwachsener Analphabeten anbelange, gelte es differenzierten Anforderungen gerecht zu werden und die Kurse zielgenau dem Einstiegs- und Anspruchsniveau der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu entsprechen. "Der Bayerische Volkshochschulverband hat in den letzten Jahren zahlreiche einschlägige Erfahrungen mit der Durchführung von Alphabetisierungsmodulen gesammelt, die verschiedenen Maßnahmen im Bereich des sozial-integrativen Lernens vorgeschaltet sind", so Schneider. Zu nennen seien hier vor allem die durch das Kultusministerium aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Projekte "Mama lernt Deutsch" oder Kurse zur Vorbereitung auf das Nachholen des Hauptschulabschlusses. "Die Scheu vor dem Besuch von Alphabetisierungskursen ist nach wie vor groß und genau an dieser Schwelle setzen wir an. Die Bayerischen Volkshochschulen entwickeln parallel zur Sendereihe des Bayerischen Rundfunks neuartige Schulungskonzepte, die auf die besonderen Bedürfnisse der erwachsenen funktionalen Analphabeten zugeschnitten sind" sagte der Minister. Die geplanten Kurse werden in zeitlicher Abstimmung mit der Sendreihe "Das Kreuz mit der Schrift" eingerichtet.

"Als Schirmherr hoffe ich, dass möglichst viele der betroffenen Menschen diese Sendungen sehen und sich von ihnen bewegen lassen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und einen der angebotenen Kurse zu besuchen", sagte der Kultusminister. "Ich habe Achtung vor jedem, der diesen Weg geht, an dessen Ende ein Stück Freiheit winkt: die erwünschte Unabhängigkeit und damit eine Steigerung der Lebensqualität."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden