Medienkompetenz im Kindergarten zulassen!

(bikl/hf) Keine Berührungsängste mit TV und PC fordert ein Forscherteam der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg von Erzieherinnen in den Kindergärten des Landes. In einer Studie, unterstützt durch die Stiftung Ravensburger Verlag, erfragten sie Wünsche und Vorlieben der Kinder, Freizeitverhalten und Medienkonsum. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie "Medienerziehung in der Frühförderung" wurden auf der didacta 2007 vorgestellt.

01.03.2007 Artikel
  • © bikl

"Kinderwelten sind Medienwelten", konstatiert Prof. Dr. Matthias Rath von der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Er und Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke haben über eineinhalb Jahre fünf Kindergärten untersucht, dabei Kinder, Erzieherinnen und Eltern umfangreich befragt. Die Ergebnisse überraschen nicht immer: Kinder lieben das Fernsehen. 42,5 % der Jungen und 47,4 % der Mädchen im Vorschulalter geben an, dass TV ihr Lieblingsmedium ist. An zweiter Stelle steht der Kassettenrekorder beziehungsweise der CD-Player. Insbesondere Mädchen (31,6 %) hören gerne Vorlesegeschichten und Hörspiele von Tonträgern, bei Jungs sind es noch 20 %. An dritter Stelle übrigens folgt das Kinderbuch als Lieblingsmedium, 22,5 % der Jungs und 13,6 % der Mädchen. Was die Theorie, Mädchen würden lieber lesen als Jungs, zumindest im Vorschulalter über den Haufen wirft. Offenbar führt erst die Grundschule zur Leseunlust bei Jungs.

Es ist eine geteilte Welt: Morgens der Kindergarten mit Spielzeug und Bewegungsspielen, Mittags die Medienwelt mit TV und PC. Medien sind für den Kindergarten ein Tabu, Erzieherinnen haben selbst zu wenig Medienerfahrung, sehen vorrangig eine schädliche Wirkung der Medien. Eine Weiterbildung von Erzieherinnen zu einer differenzierteren Betrachtungsweise ist vonnöten. Schließlich sind aber auch die Bildungspläne der Bundesländer medienpädagogisch mangelhaft. Nur fünf Bundesländer (Bayern, Hamburg, Hessen Rheinland-Pfalz und Sachsen) widmen der vorschulischen Medienerziehung ein Augenmerk und machen Angaben zu einem kreativen Umgang in Orientierungs- und Bildungsplänen – das ergab eine Analyse von Marci-Boehncke und Rath.

"Medienerziehung bietet das Gegengewicht zur passiven Medienrezeption", resümiert Gudrun Marci-Boehncke, "Mediennutzung heißt erproben dürfen". Als konkrete Praxishilfe ist auch das Handbuch für die moderne Medienpraxis in der frühen Bildung zu sehen: Gudrun Marci-Boehncke/Matthias Rath: Medienkompetenz für Erzieherinnen. Kopaed-Verlag, EUR 15.


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