Mehr Bildungschancen durch lange Kindergartenzeit
(redaktion/pm) Kindergartenkinder schneiden bei der Schuleingangsuntersuchung besser ab und müssen seltener vom Schulbesuch zurückgestellt werden. Dabei profitieren Kinder aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern in ihrer Schulreife enorm, wenn sie mehrere Jahre den Kindergarten besuchen. Ein einziges (letztes) Jahr im Kindergarten genügt aber offensichtlich nicht, um Kompetenzunterschiede nach sozialer Herkunft auszugleichen. So das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin.
14.05.2008 ArtikelIn ihrer Studie "Soziale Ungleichheiten beim Schulstart. Empirische Untersuchung zur Bedeutung der sozialen Herkunft und des Kindergartenbesuchs auf den Zeitpunkt der Einschulung" untersuchten die Autoren Jens Kratzmann und Thorsten Schneider erstmals, welche Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen Entwicklungsdefizite aufweisen und nicht eingeschult werden können. Die Studie basiert auf den Daten des Sozio-oekonomischen Panels, die vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhoben werden.
Alle Kinder eines Jahrgangs werden vor Schuleintritt untersucht. Dabei werden sprachliche und motorische Fähigkeiten im Hinblick auf die Schulreife nach standardisierten Verfahren getestet. Während gut ausgebildete Eltern ihre Kinder immer häufiger vorzeitig einschulen, weisen Kinder aus bildungsfernen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund überproportional häufig Entwicklungsdefizite auf, die eine Rückstellung erfordern. Die Zahlen dazu sind laut Studie eindeutig: So wird jedes zweite Kind vom Schulbesuch zurückgestellt, wenn die Eltern keinen formalen Bildungsabschluss haben. Haben die Eltern einen mittleren Bildungsabschluss liegt die Wahrscheinlichkeit der Rückstellung bei ca. 28 Prozent. Stammen die Kinder aus einem Akademikerhaushalt, trifft es gerade noch 8 Prozent der Kinder. Ein Vergleich der Extreme zeigt einen Unterschied von 42 Prozentpunkten. Völlig anders verhält es sich, wenn Kinder aus bildungsfernen Haushalten bereits mit drei Jahren den Kindergarten besucht haben. Diese Kinder holen nahezu alles auf. Der Unterschied in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit einer Rückstellung vom Schulbesuch wird von 42 auf 5 Prozentpunkte reduziert.
Waren die Kinder nur im Jahr vor der Einschulung im Kindergarten, dann konnte kein signifikant positiver Effekt gemessen werden. Das in etlichen Bundesländern bereits umgesetzte kostenlose letzte Kita-Jahr halten die Autoren der Studie deswegen für "nicht effektiv".
Weiterführende Links
- Studie „Soziale Ungleichheiten beim Schulstart“
Keine Kommentare vorhanden