Neue Initiative zur Bewegungsförderung

In Kindertagesstätten und Schulen sollen zukünftig "Senioren-Mentoren" dem Nachwuchs "auf die Sprünge helfen". Dies kündigte der Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium, Helmut Rau MdL, am Donnerstag (12. August) in Stuttgart an. Rau stellte die neue Initiative des Landes zur Bewegungsförderung bei jungen Menschen vor.

12.08.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Wir setzen auf das ehrenamtliche Engagement der älteren Generation zugunsten der Enkel", sagte der Staatssekretär. Ziel sei es, Seniorinnen und Senioren so auszubilden, dass diese in Kindertagesstätten und Schulen Betreuungsangebote im Bereich der Bewegungsförderung übernehmen können. Dabei gehe es nicht darum, dass die älteren Menschen selbst sportliche Höchstleistungen erbringen müssten. Entscheidend sei die Vorbildwirkung. Kinder und Jugendliche sollen durch das Engagement der Senioren zu einer gesundheitsbewussten Lebensführung motiviert werden, zu der Sport, Bewegung und gesunde Ernäherung gehörten. Über die Erfolgsaussichten äußerte sich Rau zuversichtlich:

"Wir wissen, dass vielen älteren Menschen die Themen Gesundheit und Bewegung besonders am Herzen liegen, gerade in Bezug auf Kinder und Jugendliche". Durch die neue Initiative werde auch eine Brücke zwischen den Generationen geschlagen und ein wichtiger sozialer Beitrag geleistet. Die Senioren sollen für ihr ehrenamtliches Engagement eine besonderes "Dankeschön" in Form von Nachbarschaftshilfe durch die an der Initiative teilnehmenden Schulen erhalten.

Netzwerk für Bewegungsförderung

Das Land wolle über diese neue Initiative hinaus seine bundesweite Vorreiterrolle bei der Bewegungs- und Ernäherungserziehung von Kinder und Jugendlichen weiter ausbauen, betonte Rau weiter. Ziel sei ein umfassendes Konzept vom Kindergarten bis zur Schule. Da bereits im Kindergarten- und Grundschulalter Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ausgeprägt würden, müssen nach den Worten Raus "Bewegung und Ernährung als durchgängige Erziehungs- und Lerninhalte besonders hervorgehoben werden." Die Angebote von Kindergärten und Grundschulen in der Bewegungserziehung sollen zukünftig eng aufeinander abgestimmt werden. Eine entsprechende Konzeption werde gemeinsam vom Kultusministerium und dem Sozialministerium erarbeitet. "Der Aufbau eines Netzwerkes, das die Initiativen des Landes mit Projekten auf kommunaler Ebene zur Bewegungsförderung verknüpft, ist ein weiterer wichtiger Schritt des Landes im Kampf gegen Bewegungsarmut und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen", sagte der Staatssekretär.

GSB-Modellprojekt als Anknüpfungspunkt

Als Anknüpfungspunkte bei der geplanten Netzwerkbildung könnten die Grundschulen mit "Sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt" (GSB) dienen. Die derzeit 322 an dem Modellprojekt beteiligten Grundschulen bieten mindestens 200 Minuten Sportunterricht pro Woche an. Hinzu kommen vielfältige Bewegungsangebote wie Pausensport, bewegter Unterricht und Kooperationsmaßnahmen mit örtlichen Vereinen. Über 40 Grundschulen mit GSB-Profil führten darüber hinaus bereits "Schulaktionstage" durch, in deren Rahmen die Zusammenhänge zwischen Bewegungsmangel, falscher Ernährung und Übergewicht thematisiert wurden. Im Auftrag der "Stiftung Sport in der Schule" werde derzeit auch eine methodisch-didaktische Handreichung zur Bewegungsförderung und gesunden Ernährung erstellt.

Frühzeitig und erfolgreich auf Sport und Bewegung gesetzt

Es genüge nicht, an Schulen ein gesundes und stabiles Ernährungsverhalten aufzubauen, gleichzeitig müssten auch Bewegung, Spiel und Sport verlässlich in den Schüleralltag integriert werden. Das Land habe diese Erkenntnis in seinem Konzept zur "Sport- und bewegungsfreundlichen Schule" bereits frühzeitig und erfolgreich umgesetzt. Als Beispiele nannte der Staatssekretär das Schülermentorenprogramm Sport, an dem bisher ca. 8.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben, die bewegungsfreundliche Gestaltung von Pausenhöfen sowie das Kooperationsprogramm "Schule und Verein", für das jährlich 1,41 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Seit dem Jahr 2000 sei diese Gesamtkonzeption durch die "Schulsportoffensive" des Landes, einem aus 18 Partnern bestehendem Bündnis zur Bewegungsförderung von Kindern, weiterentwickelt worden. Seitens des Kultusministeriums wurden darüber hinaus jetzt Multiplikatoren geschult, die flächendeckende Sportstättenberatung anbieten. Schulen und Kommunen werden bei Einrichtung und Gestaltung von Bewegungsräumen und Sportstätten kompetent beraten. Als Grundlage dient hierbei eine 2004 in der Broschürenreihe des Kultusministeriums erschienene Handreichung.

Weiterer Ausbau der Kooperation von Schule und Sportvereinen

Ziel sei auch die Weiterentwicklung des Programms "Kooperation Schule-Verein", so Rau. Zur dauerhaften Einbindung von Sportvereinen in das Betreuungsangebot von Schulen würden derzeit mit dem Landessportverband Abstimmungsgespräche geführt. Insbesondere auf Schulen mit Ganztagesbetreuung solle ein Schwerpunkt gesetzt werden. Bereits jetzt finden Informationsveranstaltungen des Kultusministeriums in Kooperation mit Sportbünden für Schulleiterinnen und Schulleiter von Ganztagesschulen bzw. Schulen, die einen Ganztagesbetrieb anstreben, statt. Einzelne Schulen mit Ganztagesbetrieb, die bereits über ein gut funktionierendes sportliches Betreuungsprogramm in Kooperation mit Vereinen verfügen, sollen künftig als Beratungsstelle wirken.

Einrichtung von Schulsportclubs

Das Land wolle auch die Einrichtung von "Schulsportclubs" unterstützen. Jugendliche brauchen Freiräume, um eigenverantwortlich und kreativ ihren sportlichen Interessen nachgehen zu können. Dazu müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Jugendliche brauchen, um eine selbstorganisierte Freizeit nachhaltig gestalten zu können. Durch die Gründung einer eigenen Institution in Form eines "Schulsportclubs", beispielsweise als eigene Abteilung innerhalb eines örtlichen Sportvereins, können Jugendliche ihre bisherigen sportlichen Aktivitäten ausweiten und nach ihre konkreten Wunschvorstellungen gestalten. Zudem erlernen sie bei der täglichen Vereinsarbeit und der regelmäßigen Teilnahme an Wettbewerben den sozialen Umgang mit Gleichgesinnten.

Baden-Württemberg fördert junge Sporttalente

"Baden-Württemberg ist auch Spitze bei der Förderung junger Sporttalente", betonte Rau. Mit sechs weiteren Bundesländern sei Baden-Württemberg beispielsweise Erprobungsland für den "DFB-Talentwettbewerb" gewesen. Bei diesem gemeinsamen Wettbewerb des Landes mit dem Deutschen Fußballbund nehmen 10-12-jährige Jungen und Mädchen teil, die in einem Wettkampf das "Fußballabzeichen" ablegen. Der Talentwettbewerb ist nach der Erprobungsphase in Baden-Württemberg in die Fläche gegangen. Bislang fanden 25 Kreisfinale mit über 8.000 Schülerinnen und Schülern statt. Das Bundesfinale soll im Juni 2005 in Stuttgart ausgetragen werden. Auch der olympische Nachwuchs werde in Baden-Württemberg gefördert. Durch die "Stiftung Sport in der Schule" sind in Kooperation mit der "Landesstiftung" an den vier Olympiastützpunkten für 10-14-Jährige sportartübergreifende Talentfördergruppen eingerichtet worden, "die zukünftig weiter ausgebaut werden sollen", sagte Rau. Zur gezielteren Talentförderung werden verstärkt auch Lehrer mit Trainerlizenz eingesetzt. Dafür wurden zusätzlich vier Lehrerdeputate bereitgestellt. Diese "Trainer-Lehrer" arbeiten eng mit den Partnerschulen der Olympiastützpunkte und den Eliteschulen des Sports zusammen und ergänzen somit das "sportartübergreifende Talentfördergruppenprogramm".


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