Methodik

Nordrhein-Westfalen veröffentlicht Kita-Sozialindex

Nordrhein-Westfalen veröffentlicht als erstes Flächenland einen Kita-Sozialindex. Er bildet die wissenschaftlich fundierte Grundlage dafür, Fördermittel für Kindertageseinrichtungen noch effektiver und zielgerichteter einzusetzen und dadurch die Chancengerechtigkeit für die Jüngsten in Nordrhein-Westfalen zu verbessern.

22.10.2026 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Kinder sitzen mit einer Erzieherin auf dem Boden und spielen. © Adobe Stock Mit Hilfe des Kita-Sozialindex können Land und Kommunen künftig bis auf die Ebene einer einzelnen Kita identifizieren, wo hohe Unterstützungsbedarfe bestehen.

Mit Hilfe des Kita-Sozialindex können Land und Kommunen künftig bis auf die Ebene einer einzelnen Kita identifizieren, wo hohe Unterstützungsbedarfe bestehen. Der Kita-Sozialindex dient darüber hinaus Kommunen für ihre eigenen Entscheidungen über die Mittelverteilung z.B. für die Sprachförderung.

Kinder und Familienministerin Verena Schäffer: „Ich möchte, dass alle Kinder in Nordrhein-Westfalen mit Rückenwind ins Leben starten – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, der Herkunft der Familie oder der Postleitzahl des Wohnorts. Der Kita-Sozialindex ist dafür ein großer Schritt. Wir starten bereits zum nächsten Kita-Jahr mit bis zu 150 Chancen-Kitas mit zusätzlichen Ressourcen. Die Chancen-Kitas werden offene Häuser mit Unterstützung für Kinder und ihre Familien. Ich danke den Wissenschaftlern und allen beteiligten Personen aus Kommunen und Verbänden für ihre herausragende Pionierarbeit und ihr Engagement für dieses Projekt.“

Alle rund 10.800 Kindertageseinrichtungen, die Mittel aus dem Kinderbildungsgesetz erhalten, werden im Rahmen des Kita-Sozial-index mit einem Wert auf einer Skala zwischen eins und neun eingestuft. Der Wert ergibt sich auf Grundlage wissenschaftlicher Berechnungen aus der Kinderarmutsdichte im Einzugsgebiet der Kita aufgrund eines SGB-II-Bezugs der Eltern  und einer anderen Familiensprache als deutsch. Der Kita-Sozialindex wurde im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre durch Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum entwickelt.

Zentrale Ergebnisse des Kita-Sozialindexes:

  1. Hohe Anteile an Kindern mit besonderen Unterstützungsbedarfen der Indexstufen 7 - 9 wurden für 1.343 Kitas (rund 13 Prozent), mittlere Werte der Stufen 4 – 6 wurden für 2.922 Kitas (rund 27 Prozent), geringere Werte im Sinne des Kita-Sozialindex der Stufen 1 - 3 wurde für 6.380 (rund 60 Prozent) Kitas festgestellt.
  2. Es gibt ein starkes Stadt-Land-Gefälle: in ländlichen und kleinstädtischen Regionen gibt es keine Kitas der Stufe 9, sie befinden sich hauptsächlich in Großstädten.
  3. Im Landesdurchschnitt ist der Anteil an Kindern nichtdeutscher Familiensprache 25,4 Prozent, in 1.603 Kitas ist der Anteil an Kindern nichtdeutscher Familiensprache über 50 Prozent. 3 Kitas haben einen Anteil von 100 Prozent, 467 Kitas von 0 Prozent an Kindern nichtdeutscher Familiensprache.

Prof. Schräpler, Lehrstuhlinhaber für „Sozialwissenschaftliche Datenanalyse“ an der Ruhr-Universität Bochum: „Wir konnten der Landesregierung mit dem Kita-Sozialindex das Ergebnis einjähriger Entwicklungsarbeit übergeben, das mehr Transparenz in die Kita-Landschaft in NRW bringt und neue Impulse für die frühkindliche Bildung setzen kann – sowohl durch die Kommunen und Träger als auch durch die Landesregierung selbst. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Kita-Sozialindex ein valides Instrument, das weitere Steuerungsmöglichkeiten eröffnet.“

Sebastian Jeworutzki, Fachbereich „Sozialwissenschaftliche Methodenlehre und Statistik“ an der Ruhr-Universität Bochum: „Der Kita-Sozialindex verwendet die Kinderarmutsdichten im Umfeld der Kitas und kitagenaue Daten, die über das Abrechnungssystem „KiBiz-Web“ auf Landesebene zur Verfügung stehen. Eine interne Evaluation mit acht Jugendamtsbezirken aller Gemeindetypklassen hat ergeben, dass der Kita-Sozialindex in sehr hohem Maße den örtlichen Eindrücken und Daten über die Kitas entspricht.“

Land führt Chancen-Kitas ein

Aufbauend auf den Erkenntnissen des Kita-Sozialindex wird das Kinder- und Jugendministerium am 01.08.2027 die im Kinderbildungsgesetz angelegten „Chancen-Kitas“ einführen. Konkret können Kitas Chancen-Kitas werden, die bereits Familienzentrum und PlusKita sind (oder als Sprach-Kita ab dem 01.08.2027 in eine PlusKita überführt werden), die einen hohen Anteil an Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf nach dem Kita-Sozialindex aufweisen sowie eine größere Einrichtung sind. Die konkreten Kriterien wird das MKJFGFI in den kommenden Monaten veröffentlichen. Durch einen Förderbetrag von 60.000 Euro sollen durch den Einsatz von Kita-Sozialarbeit die soziale Teilhabe und der frühzeitige Zugang zu frühkindlicher Bildung gestärkt werden.

In Kombination mit den aufgestockten Mittel für die Sprachförderung sowie den dynamisierten Mitteln für die Familienzentren, leistet die Landesregierung mit der Einführung der Chancen Kitas zur Stärkung der sozialen Teilhabe einen weiteren wichtigen Beitrag, um die in aktuellen Studien geforderte Stärkung von Chancengerechtigkeit in der frühkindlichen Bildung noch stärker als bisher zu fokussieren.

Die zusätzliche Finanzierung dient der besseren Wahrnehmung der Aufgaben in den Einrichtungen, die von überdurchschnittlich vielen Kinder aus benachteiligenden Lebenslagen besucht werden. Die Mittel sollen für speziell geschultes Personal als Kita-Sozialarbeit eingesetzt werden, die die Chancen-Kitas in ihren konkreten Bedarfslagen unterstützt. Die Kita-Sozialarbeit übernimmt u.a. fallbezogene Arbeit mit den Familien, die Koordination und Vermittlung von Hilfs- und Unterstützungsangeboten bei besonderen Entwicklungsbedarfen der Kinder beispielsweise bei der Sprachentwicklung oder der sozial-emotionalen Entwicklung. Auch fallunabhängige Arbeit der Vernetzung (Kooperationen mit Partnern im Umfeld der Kita, Unterstützung des Übergangs Kita – Grundschule, Heranführung von Familien an die Kindertagesbetreuung) gehört zu ihrem Aufgabenbereich.

Begleitet und unterstützt werden die Chancen-Kitas zusätzlich über eine neue Servicestelle, die sich derzeit im Aufbau befindet.

Der Kita-Sozialindex ist fortschreibungsfähig und soll regelmäßig aktualisiert werden, um Veränderungen bei der Belegung von Kitas nachzuvollziehen.

Weitere Informationen zur Erstellung des Kita-Sozialindex und die Ergebnisliste je Kita finden Sie auf der Website https://www.mkjfgfi.nrw/kindertagsbetreuung-und-fruehe-bildung

Inhaltliche Nachfragen zum Kita-Sozialindex und seinen Ergebnissen können an folgende Mail-Adresse gerichtet werden: kita-sozialindex( at )mkjfgfi.nrw.de


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