OECD legt Länderbericht zu frühkindlichen Betreuungsangeboten für die Null- bis Sechsjährigen in Deutschland vor
Erstmals liegt mit dem OECD-Länderbericht ''Starting Strong'' für Deutschland eine internationale Beurteilung des Angebots an frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung vor. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Renate Schmidt hat die Teilnahme Deutschlands an der OECD-Untersuchung initiiert, weil sie sich weitere Impulse für den Ausbau und die Qualität der Kinderbetreuung und frühen Förderung für Bund und Länder erwartet. Die OECD veröffentlicht am heutigen Dienstag den Länderbericht für Deutschland unter dem Titel ''Die Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung (FBBE) in der Bundesrepublik Deutschland'' und spricht Empfehlungen aus.
30.11.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendIm Länderbericht stellt die OECD Stärken des Betreuungssystems fest, die ihrer Meinung nach eine solide Basis für die Zukunft darstellen: Das Konzept von Betreuung, Bildung und Erziehung aus einer Hand, das in idealer Weise den Kontakt zu den Eltern und der Gesellschaft garantiert und die hervorragende Versorgung mit Plätzen in den neuen Bundesländern. Außerdem begrüßt die OECD den in Deutschland herrschenden breiten Konsens über die Reformbedürftigkeit des Kinderbetreuungssystems. Die OECD begrüßt zudem die von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen, insbesondere zum quantitativen Ausbau der Angebote für Kinder unter drei Jahren. Allerdings weist die OECD auch deutlich auf die Mängel des deutschen Systems hin. Sie legt eine höhere Versorgungsquote für die Kleinsten in den alten Bundesländern nahe, höhere Ausbildungsstandards für die Erzieherinnen in den Bundesländern, eine Ausweitung von Forschung und Datensammlung.
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Renate Schmidt, erklärte: ''Die OECD zeigt uns präzise, wo unsere Stärken und Schwächen liegen. In vielen Punkten teile ich die Einschätzung der OECD. Wir sind weit vorne, was unser Verständnis von Förderung für die Kleinsten angeht, denn Kindheit darf nicht verschult werden. Hier sind wir ein gutes Beispiel in Europa. Die Kleinsten sind die Größten in ihrer Neugier und Wissbegierde. Sie brauchen dringend die besten Angebote von Anfang an, ergänzend zur Familie.''
Die OECD formuliert auch deutlichen Reformbedarf, strukturell wie inhaltlich. Den Bund sieht die OECD in mehreren Bereichen in einer entscheidenden Rolle. So müsse z. B. das Verhältnis zwischen Vielfalt und nationalen Standards bei der frühkindlichen Betreuung in Deutschland zugunsten einer Stärkung der Rolle des Bundes überdacht werden. Insgesamt gebe Deutschland zu wenig Geld für den Bereich der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung aus.
Bundesministerin Renate Schmidt betonte: ''Alle Kinder müssen in Deutschland die gleichen Chancen von Geburt an haben, egal, aus welchem Elternhaus sie kommen und in welchem Bundesland sie wohnen. Wenn wir vergleichbare Lebensbedingungen überall in unserem Land haben wollen, müssen wir einheitliche Standards in der Fürsorge für Kinder und Jugendliche setzen und bewahren. Dies sieht auch die OECD so. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist an erster Stelle ein Beitrag zur Chancengleichheit, denn nirgendwo sonst hängen die Lebenschancen und die Bildung von Kindern so stark von der Herkunft ab wie bei uns.'' Die Bundesministerin sieht keine Notwendigkeit, die föderalen Strukturen der Fürsorge im Kinder- und Jugendhilferecht grundsätzlich zu ändern. ''Für Kinderbetreuung sind Länder und Gemeinden zuständig. Der Bund hat mit der Offensive zum Ausbau der Kinderbetreuung aber den Beweis erbracht, dass man auch jenseits formaler Zuständigkeit Mittel und Wege finden kann, die Länder und Kommunen zu unterstützen. Sie werden vom Bund um 1,5 Mrd. Euro jährlich für diese Aufgabe entlastet.''
Die Vorschläge der OECD sollten in den Ländern und Kommunen sorgfältig geprüft werden, auch wenn sich manches nicht von heute auf morgen umsetzen lasse, so die Bundesministerin. ''Der Bund ist bereit, weiterhin Verantwortung zu übernehmen. Mit der 'Nationalen Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder', mit Projekten zur sprachlichen Bildung, zur Dokumentation von Bildungsprozessen bei Kindern und über Projekte, die mit den 'Early Excellence Centres' vergleichbar sind, geben wir wichtige Impulse, wie wir Kinder optimal fördern können. Hier ist in der Tat Dinglichkeit geboten, denn einen zeitlichen Verzug können und wollen wir uns nicht länger leisten''.
Die Untersuchungen der OECD erstrecken sich auf Kinder von der Geburt bis zum Grundschulalter sowie während der Übergangszeit bis zur Einschulung. Grundlage bildete der vom Deutschen Jugendinstitut im Auftrag des Bundesministeriums erstellte Hintergrundbericht zum gesamten deutschen Kinderbetreuungssystem. Im Juni 2004 bereiste eine OECD-Expertengruppe die fünf Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen und führte Hintergrundgespräche auf allen Entscheidungsebenen, besuchte Tageseinrichtungen für Kinder und bezog Personen der Tagespflege in die Untersuchung mit ein. An ''Starting Strong'' nehmen bislang 20 Staaten teil. Die OECD erstellt für jedes Land einen Länderbericht; außerdem legt sie einen international vergleichenden Bericht vor. Dieser wird im nächsten Jahr erwartet.
Downloads (.pdf-Format):
Länderbericht "Die Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung (FBBE) in der Bundesrepublik Deutschland", (.pdf, 882 kB)
Kurzfassung des Länderberichts, (.pdf, 710 kB)
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