Professionalität zeigt sich im Handeln
Am 25.10.2013 diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Einladung des DJI, des Projekts WiFF und den Münchner Hochschulen die "Professionalisierung in der Kindertagesbetreuung"
31.10.2013 Pressemeldung Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische FachkräfteIn der aktuellen Debatte um die Qualität in der Kindertagesbetreuung wird häufig eine "Professionalisierung" in der Frühpädagogik gefordert. Was bedeutet das aus wissenschaftlicher Perspektive für das Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung? Darüber diskutierten am 25. Oktober 2013 Expertinnen und Experten sowie Studierende der Kindheitspädagogik im Kolloquium "Professionalisierung in der Kindertagesbetreuung". Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer Reihe von vier Sitzungen, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI), insbesondere das Projekt Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), die Katholische Stiftungsfachhochschule München und die Hochschule für angewandte Wissenschaften München gemeinsam ausrichten.
Das Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen erfülle nicht die Kriterien, die die Wissenschaft an eine Profession anlege, stellte Professor Dr. Werner Thole von der Universität Kassel in seinem Vortrag klar. Weder sei der Zugang exklusiv durch einen Universitätsabschluss geregelt, noch arbeiten die Fachkräfte weitgehend unabhängig, wie beispielsweise Mediziner oder Juristen. Bei den an Berufsfachschulen, Fachschulen und an Hochschulen ausgebildeten Kita-Fachkräften zeige sich Professionalität vielmehr im pädagogischen Handeln. Im Bildungssystem hat die Kita den Auftrag, Kindern grundlegende Kompetenzen für einen erfolgreichen Lebensweg zu vermitteln. Dazu müssen die Fachkräfte anregungsreiche Bildungsangebote entwickeln, die die Kinder animieren, selbst aktiv zu werden. Obwohl Erzieherinnen und Erziehern das Wissen und die Fertigkeiten dazu in der Ausbildung vermittelt werden, findet eine solche Aktivierung der Kinder in der Praxis wenig statt. Die Annahme, dass akademisch qualifizierte Fachkräfte besser in der Lage seien, diese Aufgabe zu erfüllen, lasse sich empirisch nicht begründen, so Professor Thole. Studien weisen darauf hin, dass in Teams mit hochschulisch qualifiziertem Personal mehr Reflexion über pädagogische Praxis stattfindet. Ob dies letztlich beim Kind zu mehr Kompetenzen und damit besseren Chancen führt, müsse zum Gegenstand weiterer kindheitspädagogischer Forschung werden.
Qualität entwickelt sich im Team
Die anwesenden Expertinnen und Experten betonten die Rolle des Teams für die Professionalisierung der Kindertagesbetreuung. Damit unterschiedlich ausgebildete Fachkräfte voneinander profitieren, sollten sie in der Lage sein, sich auf der Grundlage von Fachwissen zu verständigen. Gleichzeitig sei es notwendig, im Kita-Alltag Freiräume für die eigene Reflexion und den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen zu schaffen. Studien zeigten, dass die Teamentwicklung vor allem in Einrichtungen mit einer hochschulisch ausgebildeten Leitung gelingt und zu einer höheren Qualität der Einrichtung führt.
Lücke zwischen theoretischem Wissen und Kita-Alltag
Der Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis müsse im Rahmen der Qualifizierung angeleitet werden, so die Anwesenden. Eine kompetenzorientierte Aus- und Weiterbildung, die sich auf spezifische bildungsrelevante Situationen bezieht, sei ein Schritt in diese Richtung. Auch verbesserte Rahmenbedingungen können zu einem gelungenen Theorie-Praxis-Transfer beitragen. Die Forschung zeige aber auch, dass bereits innerhalb der bestehenden Strukturen die Qualität des pädagogischen Handelns angehoben werden kann, beispielsweise durch eine intensivere Interaktion von Fachkraft und Kind.
Über das Kolloquium
Das Kolloquium "Professionalisierung in der Kindertagesbetreuung" ist eine Kooperation des Deutschen Jugendinstituts (DJI), insbesondere des Projekts Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Jede Sitzung wird durch einen Kurzvortrag eröffnet, den die anwesenden Expertinnen und Experten diskutieren. Studierende kindheitspädagogischer Bachelor-Studiengänge bringen mit ihren Fragen und Erfahrungen ihre Perspektive als angehende Kita-Fachkräfte ein.
Weitere Termine
15.11.2013 | 9.30 bis 11.00 Uhr
"Professionalisierung und pädagogische Qualität – Woran zeigt sich pro- fessionelles Handeln?", Prof. Dr. Anke König (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte), Hochschule München, Campus Pasing
13.12.2013 | 9.30 bis 11.00 Uhr
"Professionalisierung und Kompetenzentwicklung – Wie entsteht professio- nelles Handeln?", Prof. Dr. Helmut Lechner (Hochschule München) Katholische Stiftungsfachhochschule München, Aula
10.01.2014 | 9.30 bis 11.00 Uhr
"Professionalisierung und Berufsethik – Woran misst sich professionelles Handeln?", Prof. Dr. Claudia M. Ueffing (Hochschule München) und Prof. Dr. Thomas Schumacher (Katholische Stiftungsfachhochschule München) Hochschule München, Campus Pasing
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