Rückkehr zur Kinder-Ganztagsbetreuung
Die Ankündigung von SPD-Sozialexpertin Petra Grimm-Benne und von Sozialministerin Gerlinde Kuppe, die Ganztagsbetreuung in den Kindertageseinrichtungen Sachsen-Anhalts neu zu bewerten, um mehr Chancengerechtigkeit bei der frühkindlichen Bildung zu erreichen, wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als überfällig und notwendig erachtet.
23.08.2007 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt"Die Novelle des Kinderförderungsgesetzes im Jahr 2003, hat sich, wie vorausgesagt, als bildungs- und sozialpolitischer Rückschritt erwiesen und zu deutlichen Qualitätseinbußen geführt. Die vermeintlichen Einsparungen im Landeshaushalt, die der tatsächliche Grund für die Änderung des Kinderförderungsgesetzes waren, erweisen sich jetzt als Milchmädchenrechnung" erklärte heute die stellvertretende GEW-Vorsitzende Eva Gerth.
Mit der Einschränkung des Ganztagsanspruchs wurden vor allem die Startchancen sozial benachteiligter Kinder deutlich verschlechtert. Von den ca. 112.000 Kindern in den Tageseinrichtungen, werden rund 45 Prozent nur halbtags betreut. Eine Quote die gegenüber dem Jahr 2002 um mehr als 15 Prozent gestiegen ist. Rund 81.000 Kinder leben in Sachsen-Anhalt in Bedarfsgemeinschaften nach Hartz IV. "Sie sind es, die vor allen anderen von den Einschränkungen betroffen sind und für die die Bildungschancen eindeutig verschlechtert wurden. Die Folgen erleben wir in den Schulen und später bei der Berufsfindung", so Gerth. Die daraus erwachsenen Kosten bzw. Einbußen für die Volkswirtschaft seien erheblich.
Die Einsicht bei der Landes-SPD und ihrer Sozialministerin, dass diese Entwicklung schnellstens und gründlich revidiert werden muss, wird von uns ausdrücklich begrüßt", sagte Gerth. "Wir hoffen allerdings auch, dass jetzt nicht nur ein SPD-interner Beschluss gefasst aber dann ganz schnell wieder vor einem Machtwort des Ministerpräsidenten eingeknickt wird", fügte sie hinzu.
Die GEW sieht sich in ihrem Engagement für einen freien Zugang aller Kinder zur ganztägigen Kinderbetreuung bestätigt und hofft darauf, dass möglichst schnell damit begonnen wird, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören zunächst:
- die gesetzliche Absicherung der Ganztagsbetreuung für alle Kinder deren Eltern es wünschen,
- eine Fortbildungsinitiative für Erzieherinnen und Erzieher im Zusammenhang mit der Umsetzung des Bildungsprogramms für Kindertageseinrichtungen,
- die Schaffung von gesetzlichen Regelungen zur Bereitstellung von Kontingenten zur Vor- und Nachbereitungszeit in den Erziehungsteams,
- eine Reform der Erzieherinnenausbildung auf akademischem Niveau. In einem zweiten Schritt muss über die Gebührenfreiheit und ein verpflichtendes Vorschulkindergartenjahr nachgedacht werden.
Die GEW steht als Gesprächs- und Kooperationspartner zur Verfügung, wenn es darum geht, die Kindertageseinrichtungen zu Bildungs- und Familienstandorten auszubauen. Die Beschäftigten müssen in diesem Prozess gehört und ernst genommen werden.
Bei der Ausbildung des Erziehernachwuchses muss in Zukunft auf die Besten zurückgegriffen werden. Das setzt voraus, dass der Erzieherberuf für Frauen und Männer in gleicher Weise attraktiv und zukunftsorientiert gestaltet wird.
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