Stolz auf PISA?
(bikl) Ein bisschen stolz waren sie schon, die Kultusminister, als sie heute in Berlin die Ergebnisse im neuen PISA-Bundesländervergleich vorstellten. Vokabeln wie Sieger, Zuwächse, Spitzengruppen oder gar Weltspitze gingen ihnen locker von den Lippen. Und das, obwohl KMK Vorsitzende Prof. Dr. Johanna Wanka zu Beginn der Pressekonferenz davor gewarnt hatte, von einer Bildungsolympiade sprechen. Schließlich gehe es primär darum, dass man seine Position im Wettbewerb kläre und dass man Anregungen bekomme, was zu tun sei.
14.07.2005 ArtikelMit Blick auf die vorgezogenen Bundestagswahlen, so Wanka, sei man vom ursprünglichen Veröffentlichungsplan der PISA-Ergebnisse abgewichen und das heißt: Die wissenschaftliche Begründung folgt im November. Erfasst wurden die Kompetenzen der 15jährigen Schüler in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Problemlösen und Lesefähigkeit. Die Ergebnisse, die Prof. Dr. Manfred Prenzel vom PISA-Konsortium Deutschland heute vortrug, kamen nicht überraschend, waren sie doch bereits in den letzten Tagen in etlichen Artikeln angekündigt worden: Auf dem bundesdeutschen Spitzenplatz befindet sich nach wie vor Bayern. Weiterhin in der Spitzengruppe geblieben ist Baden-Württemberg. Aber: Auch zwei neue Länder sind in diese Liga aufgestiegen: Sachsen und Thüringen.
Jugendlichen haben zugelegt
Und selbst die Verlierer der letzten PISA Studie konnten heute Lob einstecken: So gab es in Bremen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Leistungszuwächse. Was diese Länder zwar noch immer nicht auf die vorderen Tabellenplätze bringt, aber, so Prenzel, "die Jugendlichen haben dort kräftig zugelegt und das ist ganz entscheidend für das allgemeine Qualifikationsniveau in diesem Land."
Keine soziale Gerechtigkeit
Doch trotz des guten Trends mussten Wissenschaftler und Minister zugestehen, dass schulischer Erfolg und Kompetenzerwerb weiterhin in hohem Maße abhängig ist von der sozialen Herkunft. "Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit," so die reheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen, deshalb bleibe weiterhin viel zu tun.
Lesefähigkeit: Wenig Entwicklung
Bei all der Euphorie gibt es noch einen nicht unbedeutenden Wermutstropfen: Bei der Schlüsselkompetenz, der Lesefähigkeit, hat sich am wenigsten getan - im Gegensatz zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. Ein Grund für die guten mathematischen Trends könnte SINUS sein, ein Projekt der Bund-Länder-Kommission zur Verbesserung des Mathematikunterrichts. Ausgerechnet ein Modell, bei dem der Bund mit im Boot sitzt. Ein ähnliches Projekt, so der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider am Rande der Konferenz, könne er sich auch zur Förderung der Lesekompetenz vorstellen.
Dreigliedrigkeit in Reinform
In Sachen Schulsystem gibt es eine vergleichbare Einmütigkeit nicht – immerhin reichen hier die Vorstellungen von einer möglichst frühen Sortierung bis zum langen gemeinsamen Lernen. Für die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan allerdings sind die Aussagen der Studie eindeutig: "Man muss sich schon ziemlich in einer virtuellen Welt aufhalten, wenn man nach dieser und den anderen Studien behaupten will, dass ein differenziertes gegliedertes Schulsystem wie es zum Beispiel Bayern in Reinform hat, nicht zukunftsfähig sein soll", erklärte sie.
Weitere Informationen:
PISA-Special auf bildungsklick.de
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