Wie können Erzieherinnen und Erzieher mit Aggressionen bei Kleinkindern umgehen?

Ein Kleinkind zieht ein anderes Kind an den Haaren oder zerstört dessen Bauklotzturm: Erzieherinnen und Erzieher sind jeden Tag mit solchen Szenen aggressiven Verhaltens konfrontiert. Wie können die betreuenden Personen herausfinden, welche Ursachen das aggressive Verhalten besonders bei Kindern unter drei Jahren hat? Und wie können sie angemessen darauf reagieren? Einige Fragen an Irmgard Kollmann anlässlich des Erscheinens ihres Buches *Hauen, beißen, sich vertragen. Umgang mit aggressivem Verhalten 0- bis 3-Jähriger in der Kita.*

06.05.2013 Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbH
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In Ihrem Buch gehen Sie davon aus, dass Kinder, die jünger als drei Jahre alt sind, häufig aggressives Verhalten zeigen, selten aber wirklich aggressiv sind. Wo ziehen Sie die Trennlinie und können Sie Beispiele nennen?

Irmgard Kollmann: Kinder unter drei Jahren zeigen tatsächlich häufig ein Verhalten, das aggressiv aussieht. Am liebsten würde ich immer von "aggressiv aussehendem Verhalten" sprechen. Denn meiner Meinung nach kann man von Aggression nur dann sprechen, wenn man eine Person – in welcher Form auch immer – schädigen will. Und das wollen kleine Kinder selten. Um bei Ihren Beispielen zu bleiben: den Turm aus Bauklötzen umzuwerfen, macht einen schönes polterndes Geräusch. Und dann folgen Rufe oder Geschrei der anderen. Welche Wirkung! Und wie fühlen sich Haare an? Die will ich zu mir heranziehen und weiter untersuchen. Die angebliche Aggression ist also oft Neugier, Forscherdrang oder auch Ungeübtheit, zum Beispiel "Lass los!" zu verstehen.

Für Erzieherinnen und Erzieher stellt aggressives Verhalten in jedem Fall ein Problem im Kita-Alltag dar. Was können oder sollten sie tun, wenn Kinder andere Kinder zum Beispiel schubsen oder beißen?

Irmgard Kollmann: Als erstes sollte immer versucht werden herauszufinden, aus welchem Bedürfnis oder Motiv heraus das Schubsen oder Beißen geschehen ist. Das erfordert Übung und Empathie. Schubsen kann aggressives Verhalten sein, aber auch ein ungeschickter Versuch, Kontakt aufzunehmen. Vielleicht will ein Kind aber auch mit Schubsen oder Beißen ausprobieren, wie und von wem auf seine Handlung reagiert wird. Beißen kann aggressiv sein, aber gerade wenn Zähne "neu" sind, wird auch die neue Fähigkeit viel ausprobiert. Was geht kaputt, was nicht? Wie fühlt sich das Material im Mund an? Ein deutliches "Nein" ist in beiden Fällen wichtig, aber auch Alternativen anzubieten: geschickteres Kontaktverhalten üben, Material zum Beißen anbieten, Konfliktlösungen üben.

Welche Maßnahmen können dabei helfen, von vorneherein besser mit aggressivem Verhalten klarzukommen oder es gegebenenfalls zu vermeiden?

Irmgard Kollmann: Die Erziehenden selbst kommen oft schon besser damit klar, wenn sie aggressives von nicht-aggressivem Verhalten unterscheiden. Kinder, deren Umgebung anregend ist, das heißt ihren Bedürfnissen entsprechende Räumlichkeiten und Materialien anbietet, langweilen sich nicht und haben genügend Lernmöglichkeiten. Es wäre schön, wenn mehr Erziehende bei Unter-Dreijährigen häufiger ein Lernbedürfnis oder eine Lerngelegenheit sehen und seltener eine Aggression.

Ansprechpartner

Cornelsen Verlag GmbH
Irina Groh
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mecklenburgische Str. 53
14197 Berlin
Telefon: +49 30 897 85-563
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